"Business Casual" war angesagt zum Feiern am Samstagabend auf Schloss Callenberg. Der Anlass wäre eigentlich schon am 30. April 2020 gewesen, wenn nicht damals die erste Corona-Welle durchs Land gerast wäre: Die Verabschiedung der ausscheidenden Stadtratsmitglieder, von denen einige nur kurz dabei waren wie Hans Haberzettl (CSB), andere 18 Jahre und länger, wie Monika Ufken (SPD) oder Max Beyersdorf (CSU).

Das wurde nun am Samstag nachgeholt, zusammen mit der Ernennung von Norbert Tessmer (SPD) zum Alt-Oberbürgermeister und Birgit Weber (CSU) zur Alt-Bürgermeisterin. Der amtierende OB Dominik Sauerteig (SPD) hielt sich deshalb nicht von vornherein an den Dresscode "Business Casual" - zur Amtskette gehört einfach die Krawatte. "Business Casual" erlaubt, sie wegzulassen und verlangt auch nicht unbedingt einen Anzug. Sakko und Hose genügen. Aber Wolfgang Weiß (Grüne) kam zum Beispiel im Förster-Business-Gewand (knielanger Outdoor-Hose), und auch ein, zwei andere Grüne präsentierten eine etwas eigenwillige Auslegung des Dresscodes.

Was der Feier aber keinen Abbruch tat, und Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha, ebenfalls einer der ausgeschiedenen Stadträte, hatte die Feierräume seines Schlösschens sogar kostenlos zur Verfügung gestellt. Adel verpflichtet eben, und die Fahne des früheren Herzogshauses knatterte fröhlich überm Rosengarten im Wind. Denn Garten und Schloss müssen ja auch instandgehalten werden, wenn nicht gefeiert werden darf. "So sieht den Garten wenigstens mal wieder jemand", sagte Prinz Hubertus.

Das Festessen musste allerdings im Saal stattfinden, was die Veranstaltungsorganisation vor Herausforderungen stellte: Einerseits sollten schon so viele Gäste wie möglich teilnehmen können, auch Weggefährten des neuen Alt-OB, andererseits waren keine 100 Gäste im Inneren zulässig. Wegen des Termins blieben aber viele weg - unter anderem der andere Alt-OB Norbert Kastner, der - so war zu hören - im Urlaub ist.

Trocken blieb's auch, zumindest während des offiziellen Teils, und weil sich fast alle an die Redezeitvorgaben hielten, blieb dieser Teil auch im vorgesehenen zeitlichen Rahmen. Alt-OB Tessmer überzog zwar mit seinen Dankesworten, aber dafür kam ja nach ihm Birgit Weber an die Reihe. "Ich bin dann immer diejenige, die die Zeit einholen darf/soll/muss", sagte sie. Wie früher, als Tessmer noch OB und sie Zweite Bürgermeisterin war.

Zuvor hatten Dominik Sauerteig und Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz vor allem Tessmers Wirken gewürdigt: Im Stadtrat seit 1984, auf verschiedenen Bürgermeisterposten seit 2002, zuletzt Oberbürgermeister. Tessmer hatte keine Einwände gegen die Aufzählung all seiner Verdienste, zeigte sich jedoch selbstkritisch: Die großen Probleme und Projekte seiner Amtszeit als OB wie die Vorbereitung der Theatersanierung hätten ihm den Blick für die Notwendigkeit des Klimaschutzes verstellt. "Das laste ich mir persönlich an." Birgit Weber hatte als Leiterin des Baureferats dafür gesorgt, dass immerhin wieder ein Klimaschutzreferent eingestellt wurde.

Ein wenig Aufsehen erregte sie bei der Feier dadurch, dass sie einen Begleiter mitgebracht hatte: Carsten Ritzau, Leiter des Naturkundemuseums. Sie habe einige Male OB Tessmer bei Ausstellungseröffnungen vertreten, erzählte Weber. Der Kontakt sei nicht abgerissen, auch, als Hans-Herbert Hartan den Anspruch erhob, Tessmer bei solchen Anlässen zu vertreten. Denn Tessmer war dort nicht als OB, sondern als Vorsitzender der Coburger Landesstiftung, und da ist Hans-Herbert Hartan sein Stellvertreter. In Coburg muss halt alles seine Ordnung haben, nicht nur beim Dresscode.

Beide, Tessmer und Weber, gehören nach wie vor dem Stadtrat an. Tessmer ist als Fraktionsvorsitzender der SPD zwar noch stärker eingebunden, doch beide wollen sie die neue Freiheit genießen, weniger Rücksichten nehmen zu müssen. Er sei nicht harmoniebedürftig, sondern habe sich immer um De-Eskalation bemüht, sagte Tessmer. Er könne auch "grob" - an wen sich diese Warnung richtete, war jedoch nicht ganz klar.

Die ausgeschiedenen Stadträte müssen sich nicht gemeint fühlen. IHK-Präsident Friedrich Herdan (CSU) ließ nicht erkennen, dass er etwas vermisst. Denn die Stadtratsarbeit beschränkt sich ja nicht auf die Anwesenheit in Sitzungen. "Da geht einem vieles die ganze Zeit im Kopf herum", sagte Max Beyersdorf (CSU). Und auch außerhalb des Stadtrats gibt es genug Raum für ehrenamtliches Engagement. "Ich habe schon wieder viele Termine", sagte Angela Platsch (Grüne): Frauenhaus, Bürgerverein, Gewerkschaft.

Alle, die von 2014 bis 2020 dem Stadtrat angehörten, konnten nach der Veranstaltung den "Stadtratsteller" mit nach Hause nehmen, auf dem alle Namen verzeichnet sind. Diese Tradition habe eigentlich vorm Aus gestanden, sagte Stefan Hinterleitner, Leiter des OB-Büros. Aber einige wollten den Teller dann doch. Angeblich ist es der 19. in dieser Reihe.