In seiner Juli-Sitzung hatte sich der Stadtrat mit der Zukunft der Feuerwehr befasst. Eine Arbeitsgruppe von Ordnungsamt und Feuerwehren hatte ein umfangreiches Papier erarbeitet, wo welches Fahrzeug stationiert wird, welche Fahrzeuge in den nächsten Jahren angeschafft werden müssen, wie die Werbung neuer Mitglieder und die Ausbildung der Feuerwehrleute vonstatten gehen soll. Strittig blieb nur ein Punkt: Wie soll es im Coburger Osten weitergehen?

Dort gab es noch drei selbstständige Stadtteilwehren: in Lützelbuch, in Neu- und Neershof sowie in Löbelstein. Diese drei Feuerwehren sollten bis 2020 zu einer verschmolzen werden und ein gemeinsames Feuerwehrhaus nutzen. Damit waren die drei Wehren auch einverstanden, denn auch sie sahen in einer gemeinsamen "Feuerwehr Coburg Ost" bessere Zukunftschancen.Als Symbol für den gemeinsamen Neuanfang forderten sie ein neues Gerätehaus in Rögen. So steht es in einem Brief, den der Neu- und Neershofer Kommandant Stefan Franz im Namen der drei Wehren verfasste und der vor der Juli-Sitzung an alle Stadträte ging: "Durch einen modernen und zweckmäßigen Neubau ist die Chance sehr hoch, neue technikbegeisterte aktive Mitglieder und Jugendliche zu gewinnen und dadurch auch die bestehende Jugendarbeit auszubauen. Die Zentralität bewirkt außerdem die Gewährleistung einer kurzen Ausrückezeit in alle Stadtteile des Coburger Ostens gleichermaßen", heißt es in dem Schreiben.

Doch die Resonanz war Null, sagt Stefan Franz. "Wir sehen nur Missachtung und Ignoranz seitens des Stadtrats", bekräftigte der Vorsitzende des Feuerwehrvereins Neu- und Neershof, Lienhard Hofmann. "Wir sehen keine Zukunft mehr", betonte Stefan Franz. Ähnlich äußerte sich Stefan Büttner, der Kommandant der Feuerwehr Lützelbuch.

Es ging letztlich ums Geld. Ein neues Feuerwehrhaus, ausgelegt für 50 bis 60 Aktive und entsprechende Fahrzeuge, hätte 1,7 Millionen Euro gekostet. So lautete die Schätzung der Stadt. Die Stadtteilwehren machten eine Gegenrechnung auf: Eine Halle in Systembauweise wäre für rund 765 000 Euro zu haben, bei effektiven Kosten für die Stadt von rund 560 000 Euro. Löbelstein auszubauen hätte nach den Unterlagen, die im Stadtrat vorgelegt wurden, 375000 Euro gekostet. Außerdem waren 450 000 Euro für Fahrzeuge vorgesehen.

Doch ob diese Investitionen kommen, ist nun offen: Am Mittwoch haben die neun Aktiven von Lützelbuch und die 23 von Neu- und Neershof ihren Rückzug aus der Feuerwehr erklärt und die Wehren aufgelöst. Sie brachten ihre beiden Tragkraftspritzenfahrzeuge, ihre Ausrüstung und die Funkwecker zum Depot am Dammweg.

Stadtbrandinspektor Daniel Fritz nahm die Namenslisten und den symbolisch überreichten Helm entgegen. "Es tut weh, zwei Feuerwehren zu verlieren", sagte er. Die zusammen 32 Aktiven machen etwa 15 Prozent der Coburger Feuerwehrleute aus, schätzt Stefan Franz.


Klarheit geschaffen

Leicht fiel den Aktiven der Schritt nicht. "Heute melden sich aus Lützelbuch 240 Dienstjahre ab", sagte Kommandant Stefan Büttner, selbst 31 Jahre lang dabei, davon 21 als Kommandant. Aber in Lützelbuch hätte die Feuerwehr ohnehin keine Zukunft mehr gehabt, sagte er. "Wir haben nur eine Garage und darin nicht mal eine Toilette." Doch nach Löbelstein zu wechseln schien offenbar undenkbar. "Wir haben von Anfang an gesagt: Die Mannschaft geht das nicht mit", sagte Stefan Franz. Deshalb habe man ein Gerätehaus "in neutraler Lage" in Rögen vorgeschlagen.

Doch es haben sich offenbar noch einige andere Dinge aufgestaut: "Jahrelang" seien ihm von der Stadt "Knüppel zwischen die Beine" geworfen worden, obwohl er in Neu- und Neershof die Zahl der Aktiven gesteigert habe und alle Stadtbrandräte seine Vorschläge unterstützt hätten, sagte Franz. "In dieser Richtung ist das jetzt weitergeführt worden. Ich bin der Sache müde." Seine Stellvertreterin (und Tochter) Swenja Franz ergänzte: "Jeder Einzelne in der Mannschaft sieht keine Zukunft mehr" und wischte sich über die Augen.

Dass die Auflösung der Feuerwehren droht, wenn der Standort Löbelstein ausgebaut wird, war in der Stadtratssitzung angeklungen. Kai Holland, Leiter es städtischen Ordnungsamts und zuständig für die Feuerwehren, sprach am Mittwoch davon, dass nun Klarheit geschaffen sei. "Nun können wir weiter in die Zukunft gehen." Der Feuerschutz, das betonten sowohl Holland als auch Stadtbrandinspektor Daniel Fritz, sei in ganz Coburg jederzeit gewährleistet.
Holland und Fritz dankten den Aktiven aus dem Coburger Osten für ihren jahrelangen Einsatz. "Es wäre schön, wenn ihr euch weiterhin ehrenamtlich engagiert - gern auch in einer anderen Feuerwehr. Aber wenn nicht, werden wir das respektieren", sagte Holland. Er hätte sich aber auch gewünscht, dass die einstimmige Entscheidung des Stadtrats respektiert worden wäre, sagte er hinterher.
Am Abend verschickte die Stadt Coburg noch eine Pressemitteilung: "Wir werden uns nach Kräften bemühen, die Feuerwehr Löbelstein zu stärken, damit das Gebiet auch in Zukunft direkt vor Ort geschützt wird. Die Feuerwehren der Stadt Coburg nehmen gerne erfahrene Feuerwehrangehörige auf", erklärt darin Bürgermeister Thomas Nowak (SPD.