Wer von bedeutsamen Luther-Orten in der Region spricht, denkt vermutlich zuerst an Coburg. Schließlich verbrachte der Reformator von Mitte April bis Anfang Oktober 1530 fünfeinhalb Monate im Schutz der Veste. Doch mit großer Berechtigung lässt sich auch von Neustadt als bedeutsamem Luther-Ort im Raum Coburg sprechen. Denn bevor Martin Luther in jenem entscheidenden Jahr 1530 nach Coburg kam und am 24. April auf der Veste Quartiert nahm, kam er am 14. April mit seinem Landherrn Kurfürst Johann dem Beständigen zunächst nach Neustadt. Am Karfreitag 1530 predigte der unter dem Kirchenbann stehende Reformator in der Kirche St. Georg.

Gedenktafel in St. Georg

Noch heute erinnert im Chorraum der seitdem mehrfach umgebauten Kirche eine Gedenktafel an jenes Ereignis. Dokumentiert ist sogar das Thema, über das Luther vor knapp einem halben Jahrtausend in Neustadt predigte: "Über den Nutzen und die Frucht des Todes und Leidens unseres Herrn und Heilands" ("De usu et fructu mortis ac passionis domini et salvatoris nostri").

Illuster war die Zuhörerschaft von Luthers Predigt in Neustadt. Dazu zählten neben den Edelleuten, Fürsten und Theologen in Luthers Tross auch die Neustadter Bürgermeister, der Stadtschreiber, die beiden Geistlichen und die Bürgerschaft.

Übrigens: Neustadts Stadtkirche sah zu jener noch deutlich anders aus als heute. So befand sich der Kirchturm damals Richtung Muppberg, während das als Wehrkirche angelegte Gotteshaus von einer hohen Mauer umgeben war.

Jener Besuch von Gründonnerstag bis Karfreitag war freilich nicht Luthers erster Besuch in Neustadt, sondern bereits sein vierter. Der erste Besuch Luthers datiert bereits auf das Frühjahr 1511, auch wenn sich dieser Aufenthalt nicht mit letzter Genauigkeit belegen lässt. In jenem Jahr unternahm Luther als junger Mönch eine Pilgerreise nach Rom und kam dabei auch durch das Coburger Land.

Der zweite Besuch Luthers fand statt im April 1518 - damals auf dem Weg von Wittenberg nach Heidelberg. Wenige Monate später kam Luther erneut nach Neustadt - im Oktober 1518. Damals war Luther auf dem Weg nach Augsburg, um sich einem Verhör durch den päpstlichen Gesandten Kardinal Cajetan zu stellen, nachdem im Jahr zuvor seine 95 Thesen zur Initialzündung der Reformation geworden waren.

Evangelische Lande

Dass das Erbe Luthers bis heute in Neustadt lebendig ist, bewies das Jubiläumsjahr 2017 zum Abschluss der Luther-Dekade. Damals gab es nicht nur eine Ausstellung in der Stadtkirche, sondern auch eine besondere Aktion der Sammler- und Briefmarkenfreunde. Zu den 28. Grenzlandtauschtagen gab es damals einen Sonderstempel, der an die Karfreitags-Predigt von 1530 erinnert.

Unabhängig von diversen Jubiläen aber erinnert die Dr.-Martin-Luther-Straße in der Nähe des Bahnhofs an die besondere Verbindung des Reformators zu Neustadt.

Das Coburger Land, so Rainer Axmann in der Broschüre "Luther in Coburg, "ist evangelisches Land in der Nachfolge Martin Luthers geworden."