Kein Kinder- und Marktfest in Neustadt, nirgendwo finden Schützenfeste statt, landauf landab ist vieles abgesagt. Ebenso "tote Hose" herrscht an etlichen Sonntagen in den Innenstädten, weil die verkaufsoffenen Sonntage sozusagen dem Coronavirus zum Opfer gefallen sind. Genauso trostlos sieht es mit den großen Flohmärkten in der Region aus. Robert Häußer mit seinem Galette-Verkaufswagen blickt auf ein unruhiges erstes Halbjahr 2020 zurück.

Kein wirtschaftlicher Ausgleich

Wie Gaststätten und Restaurants auch kann die mobile Gastronomie die pandemiebedingten Ausfälle nicht mehr ausgleichen. "60 bis 70 Prozent weniger Umsatz" als in normalen Jahren verzeichnen die Geschäftsbücher des Mitwitzer Unternehmers.

"Wir sind froh, dass die Wochenmärkte wieder in nahezu gewohntem Umfang stattfinden können", sagt Robert Häuser, während er mit routinierter Handbewegung den Buchweizenteig für ein Galette auf der dicken Heizplatte in Form und dünn ausstreicht. Beim Monatsmarkt in Neustadt sind Häußers Galettes seit vielen Jahren eine Konstante. Jeden zweiten Dienstag im Monat ist der Verkaufswagen mit der französischen Spezialität in der Bayerischen Puppenstadt zu finden.

Während der momentanen Bauarbeiten auf dem Neustadter Marktplatz stehen die Verkaufswagen auf dem Parkplatz in der Lindenstraße. Mittwochs und samstags gibt es die gerollten Teigfladen mit der Füllung aus Schinken, Käse und Peperoni - alles klein geschnitten und gewürzt - auf dem Wochenmarkt in Coburg. "Das Geschäft unter der Woche hat sich wieder fast gänzlich normalisiert, am Wochenende sind aber noch weniger Menschen unterwegs", hat Robert Häußer festgestellt.

Nur mit einem Wagen unterwegs

Von den insgesamt drei Verkaufswagen hat Robert Häußer zurzeit nur einen in Betrieb. Auf die sonst angestellten Saisonkräfte hat der Familienbetrieb ebenso verzichten müssen. In der Anfangszeit der Beschränkungen "haben wir vier Wochen pausiert". Die Ungewissheit war seinerzeit groß.

Jetzt gilt es nach den Worten von Häußer abzuwarten, ob die Weihnachtsmärkte in der Region in diesem Jahr - in welcher Form auch immer - stattfinden können. "Wenn die auch ausfallen, wäre es dramatisch." Mutter Hildegard Häußer hat noch etwas Positives aus der Corona-Krise mitgenommen: "Die Neustadter sind eine sehr treue Kundschaft. In Neustadt sind wir auch seit mehr als 40 Jahren präsent."

1978 kaufte Heinz Häußer, Vater von Robert Häußer, den ersten Verkaufsanhänger und bot auf dem Coburger Wochenmarkt zum ersten Mal die französischen Pfannkuchen mit der herzhaften Füllung an. Damals waren Galettes in der Region kein Begriff, und im Bratwurstland Franken wurde nach der Volksweisheit "Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht" gegessen. "Den Satz habe ich wohl 1000-mal gehört", sagt Heinz Häußer, und er habe stets in der humorvollen und direkten Art des Neustadters geantwortet: "Ich kenn' keinen Bauern, der nicht weiß, was Schinken, Käse, Buchweizen und Fladenbrotteig sind." Richtig kennengelernt hat er die Speise in der französischen Partnerstadt von Neustadt bei Coburg, in Villeneuve-sur-Lot. Den Besuch dort hat der frühere Neustadter Oberbürgermeister Hellmut Grempel vermittelt, mit dem Heinz Häußer eine lange Freundschaft verbunden hat. Erlernt hat Heinz Häußer zwischen 1958 und 1961 in der Neustadter Fleischerei Luther den Beruf des Metzgers, danach folgte eine Ausbildung als Koch.