Asylsuchende im Kreis Coburg: Viele Fragen, wenige Lösungen

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Minderjährige Flüchtlinge im Deutsch-Kurs, einer zeigt das Lehrmaterial. Foto: Felix Kästle/dpa
Minderjährige Flüchtlinge im Deutsch-Kurs, einer zeigt das Lehrmaterial. Foto: Felix Kästle/dpa
Die Bayerische Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld (SPD) stellte sich am Donnerstagabend beim "Runden Tisch Integration" den Fragen und Forderungen Haupt- und Ehrenamtlicher wie dem Geschäftsführer des Jobcenters Coburg Land, Friedrich Thomas (links). Foto: Sandra Hackenberg
Die Bayerische Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld (SPD) stellte sich am Donnerstagabend beim "Runden Tisch Integration" den Fragen und Forderungen Haupt- und Ehrenamtlicher wie dem Geschäftsführer des Jobcenters Coburg Land, Friedrich Thomas (links). Foto: Sandra Hackenberg
 

Unübersichtlichkeit beim Kursangebot und fehlende Unterstützung von Freiwilligen stellen nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Helfer vor Probleme.

Die Integration neu ankommender Flüchtlinge treibt auch den Coburger Landkreis an seine Grenzen. Die Kommunen sehen sich in den letzten Monaten massiv mit der Frage konfrontiert, wie Asylsuchende in die Gesellschaft miteinbezogen werden können. Zu diesem Thema hat Susann Biedefeld, SPD-Abgeordnete im Bayerischen Landtag, zu einem Runden Tisch im Gasthof Kaiser in Dörfles-Esbach eingeladen. Mit Haupt- und Ehrenamtlichen, die sich in der Flüchtlingskrise engagieren und in ihrem Alltag mit den Problemen konfrontiert werden, wollte Susann Biedefeld herausfinden, an welchen Stellen es politisch weiteren Handlungsbedarf gibt und wie einheimische Helfer besser unterstützt werden müssen.

Eines hat laut Biedefeld die hohe Zahl an deutschen Asylsuchenden schon gezeigt: "Es ist etwas komplett anderes, Dinge, die politisch beschlossen werden, in der Praxis umzusetzen", ist sich die Abgeordnete sicher, die sich den Fragen von rund 50 Vertretern von Stadt, Ämtern und Vereinen gestellt hat. Susann Biedefeld ist sich sicher: "Der Schlüssel zur Integration ist die Sprache."


Der Bedarf ist größer denn je

Gerade dort ist das Angebot zwar vorhanden, aber laut den Anwesenden zu unübersichtlich. Es gibt Institutionen, die Sprachkurse anbieten können. Es wurde bemängelt, dass diese aber keinen Zugang zu Fördermitteln erhalten würden. Dabei sei der Bedarf größer denn je, nachdem jüngst ein Gesetz verabschiedet worden ist, dass die Wartezeiten für Integrationskurse von drei Monate auf sechs Wochen reduziert. Ein anwesender Sprachlehrer sagte: "Wir schaffen es schon nicht, die drei Monate einzuhalten."

Der Geschäftsführer des Jobcenters Coburg Land, Thomas Friedrich, ist sich sicher: "Auch bei niedrigschwelligen Arbeiten ist die Sprache Dreh- und Angelpunkt."


Das Wesen der Gesellschaft soll nähergebracht werden

In den Kursen sollen den neuen ausländischen Mitbürgern nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch Kultur, Gesetze und Normen unserer Gesellschaft nahegebracht werden. Aber unterschiedliche Dauer, Lerninhalte und Anforderungen erschweren die Situation nicht nur für Ausländer, sondern auch Lehrende.

Für viele ist die Sprache nur der erste Schritt in die richtige Richtung. Bernd Gärtner aus Neustadt wies auf die sozialen Kompetenzen hin, die für ein harmonisches Zusammenleben unerlässlich seien. "Es reicht nicht, die Betroffenen zu versorgen und in Unterkünften abzuladen", erklärte der Vorsitzende des Awo-Kreisverbandes. "Wir müssen in die investieren, die bleiben, sie auf Fehler hinweisen und zeigen, wie sie sich hier zu verhalten haben."

Viele befürchten, dass soziale Kompetenzen oder weiterführendes Wissen in solchen Kursen, die oft nur wenige Monate dauern, auf der Strecke bleiben. "Wir müssen aufpassen, dass wir Asylsuchende zum Beispiel mit unseren grammatischen Strukturen nicht überfordern", gab ein Anwesender zu bedenken. Die Ansprüche dürften aber nicht zu niedrig sein, "Hilfsarbeitsdeutsch" sei keine ausreichende Grundlage für Schule und Ausbildung. Grundkenntnisse seien aber das, was Neuankömmlinge am schnellsten lernen sollten.


Immer wieder Hürden

Die Anwesenden sind sich einig, dass Ausländer am besten Deutsch lernen, indem sie am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Doch auch hier stehen Freiwillige, die helfen wollen, vor großen Hürden. Durch die größer werdende Parallelstruktur auf Bund- und Landesebene wissen sie oft nicht, wie sie sich verhalten sollen. Ehrenamtliche fühlen sich allein gelassen und sind frustriert. Jürgen Rückert, Vorsitzender des Kreisjugendrings, fordert: "Das Ehrenamt muss strukturiert und begleitet werden." Alle zeigten sich einig, dass Ansprechpartner ausgebildet werden müssten für diejenigen, die helfen wollen - ob bei der Volkshochschule, der Arbeiterwohlfahrt oder der Feuerwehr.

Ist eine Familie einmal gut integriert, treten neue Probleme auf. So berichtete eine Anwesende, dass in Ahorn 36 Flüchtlingsfamilien Platz für neue Familien gemacht hätten und aus der Region wegziehen mussten, weil der Wohnraum knapp ist. Auch wichtige rechtliche Fragen sind bisher nicht einheitlich geregelt. So zahlt eine Gemeinde in Südbayern seit Monaten die Haftpflichtversicherung "ihrer" Flüchtlinge.

Auch nach Ende der Gesprächsrunde nach zwei Stunden gab es unter den Teilnehmern noch viel Diskussionsbedarf. Susann Biedefeld versprach, dass die Politik in Zukunft noch mehr Geld in die Hand nehmen werde, um Hauptamtliche zu entlasten. Das Ehrenamt solle auf Landesebene mit zusätzlichen Fachkräften unterstützt und strukturiert werden. Die Abgeordnete verwies aber auch auf das Mitwirken jedes einzelnen Bürgers. "Die Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, und ich bin mir sicher, dass sie gemeinsam gelingt."