"Presslufthämmer rattern, das Dröhnen der schweren Baumaschinen zerreißt die morgendliche Ruhe in der Viktoriastraße. Mürrisch blickt die ehrwürdige Herzogin Alexandrine vom Sockel ihres Standbildes hinüber auf das nach ihr benannte Bad".

So dramatisch begann das Coburger Tageblatt in seiner Wochenendausgabe vom 5. November 1977 seinen Bericht über den Abriss des Ernst-Alexandrinen-Volksbads: "Wolken, erfüllt mit Staub und Steinsplittern, steigen über den in sich zusammenbrechenden Stützmauern des Alexandrinenbades empor."

Im Rückblick wundert sich Coburgs Stadtheimatpflege Christian Boseckert, dass seinerzeit der (Teil-)Abriss des 1907 eröffneten Volksbades genehmigt wurde. "Heute würde das definitiv nicht mehr passieren", ist Boseckert gleich aus mehreren Gründen überzeugt. Schließlich war der in reinem Jugendstil nach Plänen des damaligen Coburger Stadtbaurates Max Böhme errichtete Bau eines von nur vier Volksbädern in Bayern. Dazu zählten neben Coburg noch Augsburg, München und Nürnberg.

Spende der Herzogin

Der gerettete Portikusbau sieht für Boseckert "amputiert" aus. Denn der verbliebene Eingangsbereich sieht viel zu groß für den Rest des Gebäudes aus. Zum 100-jährigen Jubiläum der Eröffnung hatte Boseckert den Aufsatz "Das Ernst-Alexandrinen-Volksbad und seine Bedeutung für Coburg" im Jahresband der Coburger Geschichtsblätter veröffentlicht.

"Das war nicht nur ein Schwimmbad"

Rückblickend betrachtet war dieses Volksbad weit mehr als nur Coburgs erstes Hallenbad, dessen Bau durch eine großzügige Spende von Herzogin Alexandrine ermöglicht wurde. "Das war nicht nur ein Schwimmbad", sagt Boseckert: "Dort konnte man reingehen, um sich der Körperpflege hinzugeben. Im Keller gab es sogar einen Friseur."

Sauna, Wannenbäder, Duschbäder

Zudem verfügte das Volksbad über Sauna, Wannenbäder und Duschbäder. Heute würde ein solches Bad vielleicht gar als Wellness-Bad beworben. Passend dazu, so Boseckert, habe es schräg gegenüber in der Judengasse 54 auch noch ein Sanitäts- und Parfümeriegeschäft gegeben. Daran erinnert auch heute noch ein Gedenkstein mit Inschrift: "Eichmüller's Sanitäts- & Parfümerie-Geschäft".

Allein der abriss kostete rund 72.000 Mark

Allein der Abriss von 1977 schlug nach einer Auflistung der Stadt Coburg damals mit 72000 Mark zu Buche. Weitere 471000 Mark waren anschließend notwendig, den verbliebenen Teil zu sanieren und die beim Abbruch entstandene Lücke im Portikusbau wieder zu schließen. Auch die Umsetzung des Alexandrinen-Brunnens an die Nordseite des Grundstücks Richtung Rückert-Schule war in dieser Summe enthalten.

Rund um das ehemaliges Ernst-Alexandrinen-Volksbad

Hintergrund In unserer Serie "Coburgs architektonische Mauerblümchen" stellen wir interessante Gebäude in Coburg vor, die eine spannende Geschichte erzählen können und eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdienen. Dabei spielt die Größe und die heutige Nutzung der jeweiligen Bauwerke keine vorrangige Rolle bei der Auswahl.

Geschichte Das Ernst-Alexandrinen-Volksbad war eines von vier Volksbädern in Bayern (außerdem: Augsburg, München, Nürnberg). von 1906 bis 1907 wurde es nach Plänen und unter der Leitung des damaligen Stadtbaurates Max Böhme errichtet. Der Bau des Bades war durch eine testamentarische Schenkung in Höhe von 120000 Goldmark der Herzogin Alexandrine und einer Spende in Höhe von 10000 Goldmark von Herzog Alfred möglich geworden.

Umbauten 1952 wurden größere bauliche Veränderungen durch die Städtischen Werke auf der Ostseite vorgenommen.

Schließung Mit der Eröffnung des neuen Hallen-Freibades in der Rosenauer Straße schließt das Ernst-Alexandrinen-Volksbad am 30. Mai 1973 seine Pforten.

Abbruch Im September 1975 stimmt das Landesamt für Denkmalpflege dem geplanten Abbruch der Badehalle unter Auflagen zu. Bedingung ist, dass der Alexandrinenbrunnen versetzt wird und der Portikusbau erhalten bleibt. Im November 1977 beginnt der Abbruch.

Umgestaltung Von September 1980 bis März 1981 wird der Portikusbau umgebaut und dann zunächst als städtisches Verwaltungsgebäude genutzt. Derzeit ist der Bau das Domizil einer betrieblichen Krankenkasse.