Dieter Kurth liegt im künstlichen Koma: Auf der Kegelanlage des TSV 1908 Gompertshausen in seinem Heimatort hat der Regionalliga-Trainer der SpVgg Oberfranken Bayreuth am Sonntagvormittag einen Herzinfarkt erlitten. Mitspieler konnten ihm sofort helfen - doch die Ärzte wollen ihn vorerst noch im Koma halten.
Der letzten Dienstag 52 Jahre alt gewordene zweifache Familienvater (ein Sohn und eine Tochter) frönte gerade einer seiner Lieblingsbeschäftigungen, dem Kegeln. Für Dieter Kurth seit vielen Jahren ein willkommener Ausgleich zum harten Fußball-Alltag.

Auf seiner Hausbahn in Gompertshausen ging er für die 2. Mannschaft fleißig auf Holzjagd, als er plötzlich umkippte. Nach einem Notruf wurde er sofort in die Klinik nach Hildburghausen gebracht und dort ins künstliche Koma versetzt.

"Wir sind total geschockt und können das nicht begreifen", sagt Jörg Neukam, Geschäftsführer der SpVgg Oberfranken Bayreuth. "Wir sind mit unseren Gedanken bei ihm und beten, dass er sich schnell erholt."
Nur zwölf Stunden zuvor hatte Dieter Kurth mit seiner Mannschaft den lange ersehnten ersten Heimsieg der Saison gefeiert. Gegen die SpVgg Greuther Fürth II feierten die Altstädter einen 2:1-Erfolg und verließen den letzten Tabellenplatz. Nach dem Schlusspfiff war die Erleichterung im Bayreuther Lager riesengroß.

Entsetzen auch beim Ex-Verein

Entsetzt über die Nachricht ist man auch bei seinem Ex-Verein FC Eintracht Bamberg, aktueller Rivale der Bayreuther in der Regionalliga.FCE-Vorsitzender Mathias Zeck sagt: "Wir sind über diese Nachricht sehr betroffen. Der ganze FCE wünscht Dieter Kurth, dass er bald wieder gesund wird und auf die Trainerbank zurückkehren kann. Dieses Beispiel zeigt wieder deutlich, dass Fußball doch nur die schönste Nebensache der Welt ist. Wir sind in Gedanken auch bei der Familie von Dieter und bei unseren Nachbarn von der SpVgg Bayreuth."

Schockzustand herrscht aber nicht nur in Bamberg und in Bayreuth. Auch in Coburger Fußballerkreisen genießt Dieter Kurth vor allem dank seinen Engagements als Spieler und Trainer beim VfL Frohnlach einen sehr guten Ruf.

Beliebt im Fußballerkreisen

Von 1990 bis 1995 spielte er für die "Wischi-Elf" in der damals viertklassigen Bayernliga. Später führte er die "Blau-Weißen" als Trainer in die Regionalliga. Dazwischen war er als Freizeitfußballer in Veilsdorf, Gompertshausen und Hildburghausen aktiv.

Die Nachricht von Kurths Herzinfarkt verbreitete sich am Montag wie ein Lauffeuer. Viele Weggefährten drücken jetzt die Daumen für den sympathischen Thüringer, der allerdings nicht das erste Mal mit einer Herzattacke zu kämpfen hat.

Bereits als Spielertrainer des SV/EK Veilsdorf fiel er 1997 nach einem Heimspiel im Weihbachgrund plötzlich unter der Dusche um und musste auf der Stelle in der Mannschaftskabine reanimiert werden. Damals hatte er Glück im Unglück.

Als Spielertrainer umgefallen

Ein Arzt war vor Ort und die schnell herbeigerufenen Sanitäter holten den damals 35-Jährigen mit Elektroschocks zurück ins Leben. Nach einer längeren Reha arbeitete sein Herz wieder selbständig und stabil. Dittmar Börner, langjähriger Veilsdorfer Funktionär und Freund von Dieter Kurth, erinnert sich noch genau: "Er hat sich selbst eingewechselt, gar nicht lang gespielt und fiel in der Dusche plötzlich um. Gut, dass unser Vereinsarzt sofort zur Stelle war. Damals ging alles gut für Dieter aus. Hoffen wir jetzt auch das Beste".
Kurth wohnt trotz seines zeitaufwendigen Engagements beim Regionalliga-Aufsteiger weiter mit seiner Frau in Gompertshausen und betreibt eine Versicherungsagentur in Schalkau. Er fährt täglich zum Training nach Bayreuth.

"Wir haben akribisch gearbeitet"

Der ehemalige DDR-Oberligaspieler trainierte bis September letzten Jahres den FC Eintracht Bamberg und führte zuvor den TSV Großbardorf in die Regionalliga. Am Samstag nach dem ersten Heimsieg, lag er sich freudestrahlend mit Manager Wolfgang Mahr in den Armen und meinte erleichtert:
"Für diesen Sieg haben wir in den letzten Wochen akribisch gearbeitet".


Dieter Kurth ist seit Montag auf dem Weg der Besserung

Es gibt Hoffnung für Dieter Kurth: Wie die Verantwortlichen der SpVgg Oberfranken Bayreuth aus dem engsten Familienkreis erfahren haben, befindet sich der Altstädter Trainer nach seinem Herzinfarkt wohl auf dem Weg der Besserung. Er liegt allerdings noch immer im künstlichen Koma.

"Wir stehen in direktem Kontakt mit seinen Angehörigen", sagt Christian Höreth, Marketing-Geschäftsführer der SpVgg Oberfranken Bayreuth am Montagnachmittag. "Uns wurde gesagt, dass Dieter sich wohl auf dem Weg der Besserung befindet." "Sein Zustand hat sich offenbar leicht entspannt.

Wir hoffen und beten, dass sich der positive Trend fortsetzt und er möglichst bald aus dem Koma aufgeweckt werden kann", so Höreth weiter. "Im Moment zählt nur, dass es Dieter wieder besser geht und er wieder auf die Beine kommt." Alles Sportliche rücke damit in den Hintergrund. "Das ist im Moment wirklich zweitrangig."

Dennoch steht in nur vier Tagen das nächste Ligaspiel an, das aller Voraussicht nach auch durchgeführt wird. Vorerst übernehmen die beiden Co-Trainer Jörg Pötzinger und Marc Reinhardt. "Wir haben vollstes Vertrauen in die beiden. Wir sind uns sicher, dass sich die Mannschaft für unseren Trainer zerreißen wird."

Über alles Weitere mache man sich erst Gedanken, wenn sich Dieter Kurth vollständig erholt hat, "denn das ist jetzt das Wichtigste."