Die Entscheidung rückt näher. Vermutlich ist sie aber schon gefallen. In den vergangenen Monaten war immer wieder über die Zukunft der Zigaretten-Produktion des Tabakkonzerns British American Tobacco (BAT) in Bayreuth spekuliert worden. 1400 Menschen arbeiten hier. Es ist das einzige Werk des Unternehmens in Deutschland und das weltweit größte.

Das könnte die Firma BAT, die mit Marken wie Lucky Strike, Pall Mall, Lord oder in geringem Maße auch noch HB am Markt agiert, aber nicht davon abhalten, die gesamte Produktion oder Teile davon nach Osteuropa zu verlagern. Eine Entscheidung, ob es dazu kommt, falle "im Sommer" hieß es dazu stets auf Nachfrage in der Deutschlandzentrale in Hamburg. Doch am Montag zerstörte ein Bericht der Zeitung "Die Welt" die letzten Bayreuther Hoffnungen. Die "Welt" will erfahren haben, dass der Aufsichtsrat noch Mitte dieser Woche das langfristige Aus für das Werk in Bayreuth beschließen wird. Einen Tag später würden die Mitarbeiter dann über diesen Schritt informiert.

Aus Kreisen des Aufsichtsrats will die "Welt" erfahren haben, dass die Herstellung der Zigarettenmarken aus Bayreuth an Werkstandorte in Polen, Rumänien, Ungarn oder Kroatien verlagert wird. Nur die Produktion von Feinschnitttabak soll bis auf Weiteres in Deutschland erhalten bleiben.

Bei BAT Deutschland in Hamburg will man diese Aussage nicht kommentieren. "Es ist noch keine finale Entscheidung gefällt worden", sagte Sprecherin Karin Schlömer auf Anfrage. Auch den Zeitpunkt für so eine Entscheidung will in Hamburg niemand konkretisieren. "Mitte Juli" heißt es weiterhin.


"Wir sitzen auf Kohlen"

Von einer Entscheidung wisse man nichts, versichert auch der Bayreuther Betriebsratsvorsitzende und BAT-Deutschland-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Paul Walberer. "Ich frage mich, wie so eine Aussage zustandekommt", sagt er. Gleichwohl rechnet er täglich mit einer Nachricht aus London. "Wir sitzen auf Kohlen."

Glaubt man den Aussagen der "Welt", so erfolgt der Rückzug von BAT aus Bayreuth schrittweise. Der Umbau soll demnach über einen Zeitraum von mehreren Jahren gestreckt werden, damit der Personalabbau sozialverträglich gestaltet werden könne. BAT wolle über hohe Abfindungen und einen Vorruhestand möglichst viele Mitarbeiter zum freiwilligen Ausscheiden aus dem Unternehmen bewegen, schreibt das Blatt.


Stadt bangt um Gewerbesteuer

Für die Stadt Bayreuth wäre so ein Szenario, würde es denn tatsächlich Wirklichkeit werden, ein schwerer Schlag. BAT zählt vor Ort zu den größten Arbeitgebern. Rechnet man die Arbeitsplätze bei Zulieferern und Dienstleistern hinzu, geht es um rund 2000 Jobs. Außerdem war und ist der Tabakkonzern einer der größten Gewerbesteuerzahler. Dem Vernehmen nach kommt etwa ein Sechstel des gesamten Gewerbesteueraufkommens der Stadt aus dem BAT-Werk.

Der Tabakkonzern ist gerade dabei, seine Kapazitäten angesichts rückläufiger Produktionsumfänge anzupassen. Eine Expertengruppe in der Londoner Konzernzentrale, der auch der ehemalige Bayreuther Standort-Chef Bernd Meyer angehört, prüft deshalb, wie künftig die Produktion auf die Werke in Europa aufgeteilt werden soll. Das Ergebnis dürfte nun nicht mehr lange auf sich warten lassen.