Oberfrankenhalle wird operntauglich gemacht

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Nicht nur am Gebäude nagt der Zahn der Zeit, selbst der Schriftzug für das Große Haus am Haupteingang ist marode. Foto: Munzert
Nicht nur am Gebäude nagt der Zahn der Zeit, selbst der Schriftzug für das Große Haus am Haupteingang ist marode.  Foto: Munzert

Die Oberfrankenhalle wird für Veranstaltungen in 2013 anlässlich des 200. Geburtstages von Richard Wagner "aufgehübscht"

Im kommenden Jahr soll wenn schon nicht die gesamte Welt, dann auf jeden Fall der "Wagner-Kosmos" auf Bayreuth schauen, wenn zu Ehren des 200. Geburtstages Konzerthighlights stattfinden sollen. Bedauerlicherweise verfügt die Kulturstadt Bayreuth über kein adäquates Gebäude mit Konzertsaal. Aus diesem Grund wird demnächst die Oberfrankenhalle für 650.000 Euro operntauglich gemacht.

Kulturpfleger und Stadtrat Dr. Stefan Specht: "Nach allen Verzögerungs- und Verhinderungsmanövern der letzten Monate, Wahnfried, Jean-Paul-Museum, Kongresszentrum, müssen wir alles daransetzen, dass wir bald wieder über ein modernes, funktionstüchtiges und konkurrenzfähiges Theater- und Konzerthaus für die kulturelle Grundversorgung unserer Stadt verfügen." Das Markgräfliche Opernhaus bleibt ja bekanntlich während der umfassenden Sanierung für jeglichen Konzert- und Theaterbetrieb geschlossen. 1#googleAds#100x100 Danach wird das Weltkulturerbe wohl in erster Linie mu seal genutzt werden.

Die Oberfrankenhalle ist für 2013 als Interims-Spielstätte sämtlicher Frühwerke Richard Wagners vorgesehen. Verschiedene Ortstermine mit Verwaltung und Veranstalter ergaben, dass sowohl bauliche wie auch optische Maßnahmen erforderlich sind. Vorgesehen sind die Anschaffung absorbierender und reflektierender mobiler Seitenwände, der Bau einer Orchester umfassung, die Möglichkeit die Halle mittels elektrischer Rollos zu verdunkeln. Außerdem soll die Dachkonstruktion durch farbige Stoffe abgedeckt werden können, farbige Stoffe und Reflektoren sorgen zudem für den rückwärtigen Abschluss der künftigen Oberfranken(konzert)halle. Darüberhinaus verhüllen Stoffe die türkisfarbenen Metallgeländer. Das gesamte Maßnahmenpaket beläuft sich, so die Sprecherin der Stadt auf Nachfrage, auf zirka 650.000 Euro. Trotzdem bleibt die Oberfrankenhalle ein Ausweichquartier. Der ersehnte Konzertsaal, quasi durch die Hintertür, lässt sich so nicht schaffen.

Zumal sich die Stadtratsmitglieder in der vergangenen Woche bei ihrer Abstimmung bezüglich der Stadthallensanierung weder am früher verabschiedeten Zeitplan festhielten, noch sich für den Umbau zu einem reinen Theater- und Konzerthaus durchringen konnten.

Die Abstimmung erfolgte mit einer hauchdünnen Mehrheit von 20:19 Stimmen zugunsten eines multifunktionalen Gebäudes, also neben Theater- und Konzertaufführungen auch ein Haus für Bälle, Kongresse und Seminare. Der Beginn der Sanierung wird verschoben und soll voraussichtlich Mitte 2014 beginnen. Die CSU-Fraktion, Dr. Dieter Schweingel (FDP) und Teile der SPD-Fraktion um den früheren Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Kern hatten dafür plädiert, das Große Haus künftig nur noch rein für Theater und Konzerte zu nutzen. In diesem Falle wäre die Sanierung des bestehenden beziehungsweise der Einbau eines neuen Hubbodens im Großen Haus entbehrlich gewesen. Laut CSU-Fraktionschef Stefan Specht würde der Hubboden Kosten von 1,8 bis 2,2 Millionen Euro verursachen. Dr. Specht berief sich dabei auf Aussagen des früheren Baureferenten Friedrich Taubmann.

Dr. Specht führte weiter aus, dass das Große Haus der Stadthalle als reines Konzert- und Theaterhaus ganzjährig von Bühnen und Ensemb les bespielt werden kann. Bislang muss in der Ball- und Faschingszeit eine Pause von in der Regel zwei Monaten eingelegt werden. In dieser Zeit finden im Großen Haus diverse Bälle und Faschingsveranstaltungen statt. Die dazu notwendige Festdekoration lässt da keine andere Nutzung zu.
Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe vertrat die Auffassung, dass in jedem Fall auch künftig in der Stadthalle wie gewohnt die Bälle stattfinden sollten. Diese seien schließlich auch eine Einnahmequelle für die Stadt. Bei manchen Theateraufführungen sei das Große Haus auch nicht so ausgelastet, wie man es sich vielleicht wünschen würde. Mit Theateraufführungen könnte während der Ball- und Fa schingssaison auch ins demnächst sanierte Internationale Jugendkulturzentrum ausgewichen werden.

SPD-Fraktionschefin Christa Müller-Feuerstein pflichtete der Oberbürgermeisterin bei: "Wenn wir das neue, multifunktionale Kulturzentrum haben, wird die Stadthalle auch von außerhalb mehr nachgefragt. Die Mehrkosten für den Hubboden werden sich so im Laufe der Zeit amortisieren".
Die multifunktionale Lösung wird auch von der Bayreuth Marketing und Tourismus GmbH (BMTG) favorisiert, berichtete Stadtdirektor Ulrich Pfeifer.
Gegen die Stimmen der Bündnis 90/Grünen-Fraktion beschloss der Stadtrat, dass die Stadthalle an die erste Stelle einer neu zu erstellenden Prioritätenliste für städtische Groß investitionen der kommenden Jahre gesetzt wird.
Die Liste ist laut Oberbürgermeisterin Merk-Erbe eine Forderung der Regierung von Oberfranken angesichts der angespannten finanziellen Lage der Stadt. Als nächster Schritt wird ein Architektenwettbewerb für die Stadthallensanierung ausgeschrieben.

Nach einer konzeptionellen Studie sollen im Zuge der Sanierung der bisherige Balkonsaal gedreht und die früheren Räumlichkeiten der Handwerkskammer mit einbezogen werden. Im Großen Haus soll eine neue Seitenbühne entstehen und das Foyer in Richtung Geißmarkt bis zu den Fundamentmauern der Tiefgarage erweitert werden.

Baubeginn soll nicht vor Mitte 2014 sein, die sanierte Stadthalle stünde dann 2016 wieder zur Verfügung. Über die voraussichtlichen Gesamtkosten der Sanierung können laut Stadtdirektor Pfeifer erst nach Abschluss des Architektenwettbewerbs verlässliche Zahlen genannt werden.

von Gabriele Munzert