Ja so waren's garantiert nicht, die alten Rittersleut! Oder doch? Muss die Geschichte um König Artus neu geschrieben werden? Alles Lüge, etwa dass Britanniens Erster unter Gleichen sein Schwert Excalibur, Sinnbild des Herrschafts anspruchs, nicht aus einem Stein gezogen hat? Nein, eine Fee aus irgendeinem See hat ihm das Teil mehr oder minder nachgeschmissen. Eine Fee, die auch noch singt, Star-Allüren hat und selber mehr im Mittelpunkt stehen will, als es einer untertänigen Nebenfigur der Legende eigentlich geziemt. Von ihr wird noch zu reden sein.

Die Luisenburg ist auf die Python gekommen. Auf die Monty Python. Die schräge Filmgang um John Cleese & Co. hat mit "Die Ritter der Kokosnuss" das Ritterfilmgenre - sagen wir: verhohnepipelt. Eric Idle, selbst Ex-Mitglied der englischen Juxtruppe, lieferte das Drehbuch für ein Musical nach dem Heldenstoff. Die Luisenburg-Künstler haben daraus eine 140-Minuten-Version ins felsige Bühnenbild gezaubert, die bei der Premiere am Freitagabend die Zuschauer zu Ovationen im Stehen hinriss (was angesichts von drei Stunden Sitzen bei acht Grad Außentemperatur auch als lebenserhaltende Maßnahme verstanden werden kann).

Klappern gehört auch auf der Bühne zum Handwerk. Zum Knappenhandwerk. Mangels echter Pferde müssen zwei aneinander geschlagene Kokosnusshälften genügen, um das Galoppgeräusch von Hufen zu imitieren. Wenn's sein muss, auch im Gangnam-Stil. Artus' einzige Pferdestärke ist sein im wahrsten Wortsinn klappriger Vasall Patsy (gespielt von Ex-Blues-Brother Michael Kamp). Der König hat von Gott höchstselbst den Auftrag, den Gral zu finden. Und das mitten im Fichtelgebirge! Keine leichte Aufgabe, zumal wenn man stimmlich angeschlagen ist wie Artus-Double Hardy Rudolz, der trotz Kehlkopfkratzens selbst seinen Gesangpart bestens meistert.

Theoretiker und Haudrauf

Nach anfänglichen historischen Ungenauigkeiten (und dem fälschlicherweise ins Finnische verlegten ersten Aufguss der Sage) nimmt die Gralssuche Fahrt auf. Zu Artus stoßen: Dennis Galahad (famos: Sebastian Winkler), seines Zeichens Staatsformen-Theoretiker; der staatstragende Sir Bedevere (souverän: Andreas Bittl); der überängstliche, zum Ausdruckstanz neigende Sir Robin (saukomisch: William Danne) und schließlich der Markus Lanz des Frühmittelalters: Sir Lanz-elot (urig: Matthias Lehmann), ein Haudrauf mit ganzen Nüssen in der Pluderhose. Was eher nach den vier Musketieren klingt, ist ein Haufen verschütteter Einzelkämpfer, die dem König nach und nach abhanden kommen.

Von Camelot aus ziehen sie von dannen unter die Fichten der Luisenburg. Aber auweia: Der Thronsitz des Königs ist ein Sündenpfuhl, ein Mekka des Glücksspiels mit Flackerlicht und Las-Vegas-Anhauch. Die Tafelrunde verkommt zum Pokertisch, auf dem ein kurzbehostes Table-Dance-Girl um eine Stange kreist und die Gedanken der Suchenden sich um alles, nur nicht ihre Mission drehen. Nix Heiliger Gral - nur heiliger Bimbam des Zasters und des Lasters!

Mittendrin: wieder diese Fee vom See, gefangen im Körper einer Nachtclub-Sängerin. April Hailer, sicher das bekannteste Gesicht der Inszenierung, gießt diese Rolle in eine Form aus Stimmgewalt und Slapstick. Eine wunderbare Mischung, die im hautengen weißen Einteiler genauso ihre Wirkung entfaltet wie im schulterfreien Schlitzkleid. Die 54-Jährige ist das Epizentrum der Sage und füllt das Theaterrund mühelos mit Präsenz und Organ.

Ilja Richter mit Kautschuk-Mimik

Aber noch einer aus der Riege der Darsteller verdient eine separate Würdigung: Was Michael Kargus aus seinen Rollen als Noch-Nicht-Toter mit Leichenbittermiene und vor allem Prinz Herbert, dem Eingesperrten, herauskitzelt, lässt die Zuschauer johlend auflachen. Die Stimme: eine Mischung aus Ilja Richter und Drohne Willi; sein Gesicht: gesegnet mit Kautschuk-Mimik und Treudoof-Blick. Als ob er kein Wässerchen trüben könnte, greift die menschliche Dürrleimung sogar mal kurz nach dem Gral und nimmt ihn an sich - angeblich ist Pfand drauf und außerdem "made by Hutschenreuther" eingraviert. Als Herbert verhilft Kargus Ritter Lanzelot en passant auch noch zum Coming-Out und den Village-People um Indianer, Bauarbeiter und Cowboy zu einem unverhofften Ausritt.

Nicht nur der 70er-Jahre-Pop-Vierer kommt auf einen Zeitsprung vorbei. Regisseur Christoph Zauner lässt beim militärischen Ausfall der Franzosen gegen Artus auch Obelix anrennen, während Jean D'Arque in ihrer Rüstung ungelenk abdrehen muss. Eine Vielzahl liebevoll arrangierter Einsprengsel in einer Tanz-Revue voller Irrsinn und mit Irrsinnstempo. "Spamalot" hat definitiv das Zeug, die "Blues Brothers" als Mega-Erfolg zu beerben.

Tickets sind erhältlich bei der Tourist-Information Wunsiedel 09232/602-162; www.luisenburg-aktuell.de