Neue Spinnenart von Forscherin der Uni Bayreuth entdeckt: Charlotte Hopfe hat im Hochland von Kolumbien eine neue Spinnenart entdeckt, berichtet die Universität Bayreuth. Die Doktorandin promoviert zum Thema "Spinnenseide" und befand sich auf einem Forschungsaufenthalt in Kolumbien, als sie das bislang unbekannte Tier fand.

Die Spinne ist in einer Höhe von über 3.500 Metern in der zentralen Kordillere unweit der Pazifikküste heimisch. In der Zeitschrift PLOS ONE stellt die Bayreuther Wissenschaftlerin die von ihr "Ocrepeira klamt" genannte Spinnenart vor.

"Den zoologischen Namen 'Ocrepeira klamt' habe ich gewählt, um an meine Deutschlehrerin Ulrike Klamt aus meiner Gymnasialzeit zu erinnern. Der Enthusiasmus, mit dem sie ihrem Beruf nachgeht, und das Interesse, das sie für ihre Schüler und für Literatur aufbringt, sind für mich ein Vorbild", sagt Charlotte Hopfe.

Wissenschaftlerin sammelt mehr als 100 Spinnen ein

Die Kordilleren in Kolumbien sind bekannt für eine ungewöhnliche große Artenvielfalt. Dabei verteilen sich die Lebensräume dieser Arten auf Höhenlagen mit sehr verschiedenen Klimabedingungen, Vegetationen und Ökosystemen.

Exemplare von mehr als 100 Spinnenarten hat die Bayreuther Forscherin in diesen Habitaten gesammelt und zoologisch bestimmt. Dabei war sie überwiegend in einer Region unterwegs, die erst seit dem Ende des kolumbianischen Bürgerkriegs im Jahr 2016 wieder für Forschungsarbeiten zugänglich ist.

In Höhenlagen von über 3.500 Metern hat sie die neue Spinnenart entdeckt, die sich von verwandten Arten durch die auffällige Struktur ihrer Fortpflanzungsorgane unterscheidet. Bei der Bestimmung dieser und vieler weiterer Spinnen-Exemplare erhielt Hopfe tatkräftige Unterstützung von Forschern der kolumbianischen Universidad del Valle in Cali, mit der die Universität Bayreuth eine Forschungskooperation hat. Kolumbien wurde im Rahmen der Internationalisierungsstrategie der Universität Bayreuth als ein Schwerpunkt-Land identifiziert, weswegen die Universität Bayreuth mit mehreren kolumbianischen Universitäten enge Zusammenarbeit pflegt.

Im Januar fand eine Frau aus Oberfranken eine Nosferatu-Giftspinne in ihrem Schlafzimmer. Seit ein paar Jahren werden immer wieder Exemplare nördlich der Alpen gesichtet.

Universität Bayreuth: Forschung könnte helfen, neue Biomaterialien zu entwickeln

In der Untersuchung von Spinnenarten aus klimatisch und ökologisch sehr verschiedenen Regionen liegt eine Chance, Antworten auf zwei bislang unerforschte Fragen zu finden: Es ist noch unbekannt, ob Temperaturen, Niederschläge und andere klimatische Faktoren die Evolution von Spinnenarten und ihrer Seideneigenschaften beeinflussen. Ist beispielsweise im Tieflandregenwald der Anteil der Spinnenarten mit extrem elastischer Spinnenseide höher als in der Halbwüste? Und ebenso ist noch offen, ob die Eigenschaften der von einer Spinnenart produzierten Seide durch klimatische Faktoren modifiziert werden.

Würde eine im Hochgebirge lebende Spinnenart, wie etwa Ocrepeira klamt, dieselbe Spinnenseide herstellen, wenn sie in einer weitaus tiefer gelegenen Region der Kordilleren heimisch wäre? Die Antwort auf diese Fragen könnte aufschlussreiche Hinweise enthalten, unter welchen Voraussetzungen sich außergewöhnliche Spinnenseiden entwickeln.

Interessant ist auch, ob auf diese Weise Proteine der Spinnenseide gefunden werden können, die aufgrund ihrer Eigenschaften für bestimmte Anwendungen in der Biomedizin und Biotechnologie noch besser geeignet sind als die bisher bekannten Seidenproteine. "Je größer die Vielfalt der Spinnenseiden ist, deren Strukturen und Eigenschaften wir kennen, desto größer ist das Potenzial, um auf der Basis von Seidenproteinen bereits bekannte Biomaterialien optimieren oder neuartige Biomaterialien entwickeln zu können", erklärt Hopfe.