Der Weg zum Polizeidienst ist nicht einfach. Auch für Vierbeiner nicht. Zwei Jahre lang haben die beiden Junghunde Bertram, ein Hannoveraner Schweißhund, und Erwin, ein Griffon Bleu de Gascogne, ein französischer Laufhund mit einer Schwäche zum Knutschen die Schulbank gedrückt. Mit Erfolg. Die beiden dürfen sich jetzt Personensuchhunde nennen und sind offiziell im Polizeidienst angestellt.

Das Besondere: Die beiden Neuen sind ganz nomale Familienhunde, die bei ihren Hundeführerinnen zu Hause leben. Sie haben ihr Körbchen im Wohnzimmer und versuchen auch schon mal die Couch für sich zu beanspruchen - nach Dienstschluss. "Kaputt genagt hat Erwin noch nichts. Wahrscheinlich, weil er einfach immer dabei ist und immer gefordert wird", erzählt Severine Landgraf. Severine Landgraf liebt Hunde. Sie hat privat noch eine Deutsche Dogge. Und diese Dogge namens Sir Bam-Bam wurde 2011 sogar Deutscher Meister in der Unterordnungsprüfung.



Wie typische Polizeihunde sehen die beiden Neulinge beim Polizeipräsidium nicht aus. Denn Erwin hat lange Schlappohren, ein raues Fell. Mit fast zweieinhalb Jahren ist er der ältere. Doch das fällt nicht auf. Erwin ist ein Hund, der Menschen liebt. Er freut sich jedes Mal wieder, wenn er auf hundeliebende Menschen trifft, lässt sich streicheln. "Seine Schwäche ist, dass er unheimlich verfressen ist. Man kann ihn mit einer Belohnung richtig locken", lacht sein Frauchen.

Auch "Kollege" Bertram hat eigentlich nicht viel von einem klassischen Polizeihund. Denn auch er hat fliegende Schlappohren und begrüßt Menschen gerne herzlich. Betram ist kniehoch und wiegt 29 Kilo. "Er ist nicht zu groß, aber er hat unheimlich Potential", schwärmt sein Frauchen Anja Tittmann, warum die Wahl für sie genau auf einen Hannoverscher Schweißhund fiel. Außerdem passt Betram gut zu ihrem Privathund - einem Schnauzer.

Im Gegensatz zu andere Polizeihunden werden Personensuchhunde zur Suche von Vermissten eingesetzt. Manchmal auch zur Suche von Straftätern, aber nur im Einzelfall. Denn dann müssen Hund und Hundeführer geschützt werden, erklärt Polizeipräsident Reinhard Kunkel.

"Der Jagdtrieb ist von Wild auf Menschen umgelegt worden", erklärt Anja Tittmann, Frauchen von Bertram kurz und prägnant, was die Hunde lernen sollten. Doch was so einfach klingt, ist eine komplizierte Angelegenheit.
Tatsächlich können die Hunde anhand eines Taschentuches, eines Kleidungsstückes oder auch nur durch Schnüffeln an irgend etwas, was mit der gesuchten Person in Berührung gekommen ist, die Spur aufnehmen.

Sie brauchen nicht - wie Fährtenhunde - verletzte Böden. Sie orientieren sich nicht an zerdrücktem Gras, sondern sie nehmen auch im Asphaltdschungel die Witterung auf. Und das ist auch das große Plus, das Betram und Erwin haben: Sie können in der Stadt auf asphaltierten Straßen Personen aufspüren. Auch in riesigen Menschengruppen. So können sie sogar am Bayreuther Volksfest oder bei sonstigen Großereignissen Vermisste finden, in Gebäuden, im Wald, überall.

Aus diesem Grund verwendet man als Personensuchhunde auch Jagdhunde, die eine besonders feine Nase haben. Eigentlich sind alle Jagdhunde geeignet, erklärt Polizeipräsident Reinhard Kunkel und lässt die beiden Polizei-Neulinge zum Praxistest antreten.

Zwei Polizeibeamte spielen die Vermissten und verstecken sich. Als erstes ist Erwin an der Reihe. Seine Hundeführerin steckt ihm die Nase in einen Plastikbeutel, in dem sich ein benutztes Taschentuch ihre Kollegen befindet. Schon tigert Erwin los. Über den Parkplatz, er schlängelt sich durch die Autoreihen, biegt zielstrebig um die Ecke - und steuert schnurstracks auf einen Hauseingang zu. Tatsächlich hat sich dort der Vermisste versteckt - und wartet schon mit einer Dose Futter.

Nun kommt Anja Tittmann mit ihrem Bertram an die Reihe. Bertram bekommt eine besonders knifflige Aufgabe. Denn die Täter waren zu zweit. Er soll aber nur einen finden. Erst flüchteten die Täter gemeinsam. Dann stutzt der Hund, denn die Gerüche trennen sich. Brav folgt der Hund auf dem Polizeigelände "seiner Spur", einer Speichelprobe. Und tatsächlich kommt auch er ans Ziel und findet den Gesuchten.

In diesem Jahr waren die Hunde schon neun Mal in Oberfranken im Einsatz, haben aber mit ihrer wertvollen Arbeit auch schon mehrere Male in Mittelfranken und Unterfranken für ihre Kollegen ausgeholfen. Alarmiert werden sie allerdings mehr als doppelt so oft, berichten die beiden. Doch die Hundeführerinnen müssen mit den Kräften der Junghunde haushalten. Denn wenn die Hunde einen sogenannten "Trail aufnehmen", dann steigt ihre Körpertemperatur. Sie kommen regelrecht in ein "Jagdfieber". Natürlich hat das Durchhaltevermögen immer etwas mit den äußeren Bedingungen zu tun, doch eine Strecke von sechs oder sieben Kilometern ist für die Hunde kein Problem - und am Endpunkt nimmt dann Hund Nummer zwei die Suche auf. Auch Stunden, nachdem ein Mensch verschwunden ist, nehmen die Hunde noch die "Duftwolke" auf.