Es war durchaus eine moderne Entscheidung damals. 1843 - Bayern, eine Monarchie, war feudal geprägt. Der König und seine Minister sagten, wo es langgeht. Doch Handel und Gewerbe gewannen immer mehr an Bedeutung. Schließlich erließ König Ludwig I. ein Dekret: Die Kaufleute sollen ihre Angelegenheiten künftig möglichst selbst regeln. Und sie sollten der Regierung fortan als Berater in Wirtschaftsangelegenheiten zur Seite stehen.
Jeder Kreis habe eine Industrie- und Handelskammer zu erhalten; wo Industrie und Handel einen hohen Entwicklungsstand erreicht hätten, müsse jede wichtige Handels- und Gewerbestadt eine eigene Kammer haben, so die Vorgabe an die Regierung von Oberfranken, die ihren Sitz damals wie heute in Bayreuth hatte.


Bamberg, Hof oder Bayreuth

Der ehemalige International-Bereichsleiter der Bayreuther Kammer, Hans Kolb, hat in seiner "Geschichte der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth" vor einigen Jahren herausgearbeitet, warum zunächst Bamberg der Standort dieser vom bayerischen König initiierten Selbstverwaltungseinrichtung war: Die Regierung von Oberfranken habe sich für Bamberg als Kammersitz ausgesprochen im Hinblick auf die "bedeutungsvolle Fluss- und Kanalschifffahrt und künftige Eisenbahnverbindung".
Von den zwölf Mitgliedern der Kammer sollten sechs auf Bamberg, zwei auf Bayreuth und vier auf Hof entfallen. Diese Aufteilung habe dem damaligen wirtschaftlichen Gewicht der genannten Städte entsprochen. "Bamberg war zu dieser Zeit der bedeutendste Handelsplatz in Oberfranken. In der industriellen Entwicklung aber nahm Hof bereits die erste Stelle ein, die es dann bis zum Jahr 1945 behaupten sollte."


Industrie und Emigranten

Im Sitzungssaal des Alten Rathauses in Bamberg konstituierte sich dann am 8. Mai 1843 die neue Handelskammer.
Es war eine Zeit, die von Aufbruch geprägt war. Bayern und speziell Oberfranken wandelten sich vom Agrar- zum Industrieland. Das schaffte neue Probleme. Der Zuzug von Arbeitern in die Städte führte zu hohen Wohnungspreisen, die sanitären Zustände waren zum Teil erbärmlich. Viele wollten nur noch weg, auswandern, nach Amerika.
1852 hatte die Auswanderungswelle einen Höhepunkt erreicht. 1847 war der heute wohl bekannteste Amerika-Auswanderer Oberfrankens in die Neue Welt aufgebrochen: der Buttenheimer Löb (Levi) Strauß, der die Jeans salonfähig machte.
Bamberg blieb nicht allzu lange Sitz des oberfränkischen Kammerwesens. Nach Bestrebungen, dass es auch in Hof und Bayreuth eine eigene Gewerbe- und Handelskammer geben sollte, wurde 1854 der Sitz nach Bayreuth verlegt. Die Nähe zur dortigen Regierung von Oberfranken war sicher einer der Hauptgründe.
Die NS-Zeit und der Zweite Weltkrieg bedeuteten im Laufe der IHK-Geschichte den gravierendsten Einschnitt. Im April 1945 wurde das Bayreuther Kammergebäude durch alliierte Bombenangriffe zerstört. Nach dem Einmarsch der Amerikaner wurde die sogenannte "Gauwirtschaftskammer Bayerische Ostmark" aufgelöst. Aber schon im Sommer 1945 blühte die ehemalige Selbstverwaltung der oberfränkischen Wirtschaft langsam wieder auf.


Weibliche Doppelspitze

Heute kümmert sich die öffentlich-rechtliche Selbstverwaltungskörperschaft um die Belange von rund 50 000 Unternehmern in Oberfranken. Die Aufgaben haben sich zum Teil in 175 Jahren kaum geändert. Die Kammer erfüllt die vom Staat übertragenen Aufgaben, erbringt Serviceleistungen oder vertritt gegenüber Politik und Verwaltung die Interessen ihrer Mitglieder. Die kommen aus Industrie, Handel, Tourismus oder dem Dienstleistungssektor.
Ein Dauerbrenner ist und war in 175 Jahren immer der Verkehr - egal, ob es um Gebühren für den Ludwig-Donau-Main-Kanal, die Eisenbahn oder den Straßenausbau ging.
Eines hat sich in der Bayreuther Kammer aber doch spürbar geändert. Hatten jahrzehntelang nur die Männer das Sagen, so besitzt die oberfränkische IHK heute eine weibliche Doppelspitze in Hauptgeschäftsführung und Präsidium - als erste IHK in Deutschland.