Der Fahrer des Tiefladers war verdutzt: Er hatte zehn gebogene Betonfertigteile hier abliefern sollen, ein jedes eineinhalb Meter breit und 16 Tonnen schwer. Genau hier, am Rand von Glashütten, ein 1400-Seelen-Fleckchen im Landkreis Bayreuth. Aber wo war die entsprechende Brückenbaustelle dazu? Werner Leykam konnte den hilflos Suchenden aufklären: Er lag goldrichtig mit seiner Fracht, aber die Träger waren für ein Wohngebäude bestimmt. Wie bitte? Zehn Betonriesen für ein Einfamilienhaus?

Natürlich nicht für irgendein Haus. An diesem Objekt, das sich wie eine Fata Morgana hinter der verwaisten Gastwirtschaft "Zum Hirschen" aus der Böschung erhebt, ist vieles ungewöhnlich. Es sprengt nicht nur manche Baunorm (und damit Behördenvorgabe), sondern dürfte in Franken einmalig sein.


Denn Werner Leykam bewohnt mit seiner Frau Claudia und den Kindern Tamara und Joshua seit kurzem ein Erdhaus mit 240 Quadratmetern Fläche. Fünf Meter tief buddelte sich der Bauherr dafür in den Untergrund. "Andere breiten ihren Aushub im Garten aus oder lassen ihn für teures Geld abholen - wir haben die zig Kubikmeter einfach aufs Dach gepackt." Der selbstständige Kfz-Mechaniker, dessen Werkstatt nur einen Schraubenschlüsselwurf entfernt liegt, deutet nach oben. Auf einer Höhe von 80 Zentimetern ist die krümelige Schicht ausgebreitet; die tragende Konstruktion schützen mehrere Lagen Drainage aus Styropor, Vlies und Lavasplitt. "Ich wüsste keine bessere Dämmung", sagt Leykam, "und blühen tut sie auch." Noch wächst zwar nur Gras über die Sache, im nächsten Jahr sollen es Blumen sein.

Auch von unten hat der 41-Jährige ordentlich aufgetürmt, um Kälte draußen zu lassen. "Die komplette Bodenplatte liegt auf einem Bett aus Glasschaum-Schotter, einen Meter dick." Überhaupt dominierte der Hang zum Energiesparen das gesamte Projekt, das der Eigentümer auch selber plante. "Ich wollte einerseits kein Haus von der Stange und andererseits so wenig wie möglich für Folgekosten aufbringen." Das Gebäude kostet zwar mindestens das Doppelte eines Neubaus in konventioneller Bauweise, ist dafür aber ein Energie-Plus-Haus. Bedeutet: Es erzeugt dank 20-Kilowattpeak-Photovoltaik-Anlage mehr Strom als die Bewohner verbrauchen. Dreifach verglaste Fenster lassen die Wärme drin, ebenso wie eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

Nicht mehr als 20 Euro pro Monat

Ein weiterer Clou: festungsdicke Mauern. Der Bauherr hat in der vorderen Hälfte 42,5 Zentimeter starke Ziegel verbaut. "Das ist noch effektiver als ein Vollwärmeschutz - und zudem komme ich ohne künstliche Stoffe wie Styropor aus." Der k-Wert unterschreitet mit 0,12 sogar die aktuellen Topnormen bei Passivhäusern. Wie viel Geld er fürs Heizen benötigt? Darauf ist Leykam ebenso gespannt wie die Energieberater, die dem Glashüttener zur Seite standen. "Der erste Winter wird's zeigen. Laut meiner Kalkulation sollten es nicht mehr als 20 Euro im Monat sein." Die Hauptwärme liefert eine Sole-Wärmepumpe, die ihr Wasser über 500 Meter Erdkollektoren vorwärmt.

Als "Not-Ofen" steht im vorgebauten Wintergarten ein Pellet-Einzelofen parat; im 65 Quadratmeter großen offenen Wohnzimmer soll noch ein Stückholzofen eingebaut werden. "Wenn's sein muss", so glaubt der Häuslebauer, "müssten auch drei Dutzend Teelichter ausreichen, um es einen Tag lang mollig warm zu haben."
Weil es immer wieder Anfragen zu ihrem ungewöhnlichen Bauvorhaben gab, hatten die Leykams im Juli - kurz vor dem Einzug - zu einer Begehung eingeladen. Mehr als 500 Besucher nutzten die Gelegenheit. Und sie konnten sich auch davon überzeugen, dass die Bewohner eines Erdhauses keine lichtscheuen Wesen sind, die auf jedwede Helligkeit verzichten müssen. Ein lichtdurchfluteter Eingang mündet in eine helle Küche, danach geht es in die offene Wohnstube. Die Galeriefensterfront schaufelt das Licht geradezu üppig in Kinderzimmer, zwei Bäder, die Schlafräume.

"Ich will zwar Energie sparen", sagt der Bauherr, "aber deshalb nicht in einer Höhle hausen oder mit Prismen und Spiegeln das Licht künstlich ins Innere lenken müssen." Weswegen seine Begrüßung "Willkommen in meinem Kellerverlies" stets von einem Schmunzeln begleitet wird.