Erst machte es pling, dann plopp. Als Daniel Sevo seinen Sturmkollegen Kevin Altmann jubelnd abdrehen sah, wusste auch der Verteidiger: Sein Schuss war von der Unterkante der Latte geprallt und hinter der Linie auf dem Eis aufgesprungen. Soeben hatte der 29-Jährige seinen ERC Bayreuth in Führung geschossen. Dieses 2:1 40 Sekunden vor Ende des zweiten Drittels: Es war bezeichnend für das gesamte Derby - das erste seit vier Jahren -, denn eine Einzelleistung führte zum Torerfolg. Das 1:1 hatte Verteidiger Jozef Potac erzielt, ebenfalls mit einem mächtigen Pfund durch Freund und Feind hindurch.
Beinahe hätte das Last-minute-Trauma die Gastgeber erneut heimgesucht. Nach dem dritten Tor durch Altmann (wieder ein Hammer von der blauen Linie, 46.) bestimmten die Tigers das Geschehen und ließen die Hochfranken ein ums andere Mal ins Leere laufen. Dass es 39 Sekunden vor der Schlusssirene doch noch einmal eng wurde, hatten wohl nicht einmal die Wölfe gedacht, denen die Tiger schon den Zahn gezogen zu haben schienen.
Die etwa 4000 Zuschauer sahen im ersten Abschnitt ein Heimteam, das zum Teil mit vier Mann an des Gegners blauer Linie den Spielfluss zu stören suchte. Selb, von der Tiefe des Kaders eigentlich spielerisch im Vorteil, musste es oft über Einzelaktionen versuchen.

Unnötiger Rückstand

Eine solche des auffälligsten Wolfs Kyle Piwowarczyk führte in der 27. Minute zur Gästeführung, nachdem der schlaksige Center zwei Gegenspieler ausgetanzt hatte. Ein Treffer, dem zunächst eine vergebene Überzahlmöglichkeit der Tigers sowie eine dumme Strafe von Jari Pietsch vorausgegangen war, die den EHC um weitere zwei Minuten im Powerplay brachte.
Bayreuth jedoch bewies Moral, ließ sich auch in prekären Situationen nur selten aus der geordneten Formation bringen. Torwart Julian Bädermann bildete den nötigen Rückhalt, ließ kaum Abpraller zu und war an beiden Toren schuldlos.
Was EHC-Trainer Sergej Waßmiller jedoch nach dieser Partie nochmals genauer analysieren sollte, ist das Überzahlspiel der Tigers: Spätestens der zweite Pass ins Angriffsdrittel kommt zu unpräzise. Und wenn er einen Schwarz-Gelben erreicht, wissen die Powerplay-Reihen zu wenig mit dem Freiraum anzufangen. Selbs aggressive Unterzahlbox konnte durch einfache Blocks immer wieder den Spielfluss unterbinden und die Scheibe rausschießen.
Nach vorne allerdings blieben die "Westböhmen", wie einige EHC-Fans den VER im Online-Forum bezeichneten, bisweilen erschreckend ideenlos. Immerhin kamen die Mannen um Trainer Corey Holden mit der Empfehlung von 28 Treffern aus sechs Spielen. Natürlich trug die dicht gestaffelte Bayreuther Abwehr dazu bei, dass die Tor garanten Jared Mudryk und auch der Ex-Bayreuther Dan Heilmann oft aus ungünstigem Winkel draufhalten mussten.

EHC Bayreuth - VER Selb
3:2 (0:0, 2:1, 1:1)
EHC Bayreuth: Bädermann - Wolsch, Sevo, Göldner, Kasten, Hermann, Franz, Potac - Müller, Holzmann, Geigenmüller, Altmann, Pietsch, Kolozvary, Thielsch, Bartosch, Pleger, Zeilmann, Schadt - Trainer: Sergej Waßmiller.
Tore:
0:1 (27.) Piwowarczyk (Schadewaldt/Mudryk, 4 gegen 4), 1:1 (32.) Potac (Bartosch, Kolozvary), 2:1 (40.) Sevo (Holzmann, Göldner), 3:1 (47.) Altmann (Kolozvary, Potac), 3:2 (60.) Piwowar czyk (Mudryk, Schadewaldt, 6 gegen 5).
Zuschauer: 4000. - Strafminuten: Bayreuth 8 - Selb 14.