Forscher*innen der Universität Bayreuth wollen die Folgen von eingeatmetem Mikroplastik ergründen. Um diese besser zu verstehen, hätten sie in einer interdisziplinären Studie die Zusammenhänge der Gesundheitsgefahren von Partikeln wie zum Beispiel Ruß, Schleifstaub oder Asbest mit deren physikalischen Eigenschaften herausgearbeitet. Durch Vergleiche mit den Eigenschaften von Mikroplastikpartikeln könnten so exaktere Aussagen über deren potenziell gesundheitsgefährdende Wirkungen getroffen werden, wie die Universität Bayreuth erklärt.

Mikroplastik sei überall in der Umwelt zu finden, auch in der Atmosphäre. "Dadurch atmen wir in unserem Alltag ständig mikroskopisch kleine Plastikpartikel ein. Dringen diese in die Atemwege ein, kann das möglicherweise gesundheitsschädlich sein. Um die Gefahren, die von Mikroplastik in der Luft ausgehen, verlässlich einschätzen zu können, gibt es jedoch noch nicht ausreichend viele wissenschaftliche Studien", heißt es. In einem Übersichtsartikel habe nun ein an der Universität Bayreuth koordiniertes Forschungsteam das Wissen über die bereits gut untersuchten Gesundheitsgefahren verschiedener Mikropartikel zusammengetragen und mit den Eigenschaften von Mikroplastik verglichen, um damit mögliche Gefahren von Mikroplastik zu erkennen.

Das Team habe sich auf Mikropartikel wie beispielsweise Asbest, Rußpartikel aus Autoabgasen oder Stäuben konzentriert, die beim Schleifen von Holz oder Stein entstehen. Das Augenmerk lag laut Uni dabei besonders auf der Rolle von physikalischen und chemischen Eigenschaften der Partikel für deren Toxizität. Parameter wie die Größe, Form und Oberflächenladung der Partikel, aber auch deren Beständigkeit in der Lunge und an den Partikeln haftende Bakterien und Biomoleküle können ihr Gefahrenpotential beeinflussen.

Zum Beispiel seien lange Fasern oft gefährlicher als kompakte Partikel, da lange Fasern aufgrund ihrer Form schlechter vom Körper beseitigt werden könnten und so dauerhafte Entzündungen in betroffenen Geweben möglich seien. Dadurch könnten solche faserförmigen Mikropartikel krebserzeugend sein, was beispielsweise für Asbest bereits lange bekannt ist, heißt es.

Jetzt komme es darauf an, die neu gewonnenen Erkenntnisse zur Anwendung zu bringen. „Zu den physikalischen und chemischen Eigenschaften von Mikroplastik gibt es noch viele offene Fragen. Mikroplastik ist nicht gleich Mikroplastik, sondern setzt sich aus vielen verschiedenen Partikeln unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung, Oberflächeneigenschaften, Form und Größe zusammen“, so Prof. Dr. Christian Laforsch, Sprecher des Sonderforschungsbereichs Mikroplastik der Uni Bayreuth.

Die Studie „From properties to toxicity: comparing microplastics to other airborne microparticles” entstand im Rahmen des Lebenswissenschaftlichen Kollegs der Studienstiftung des deutschen Volkes in einer Zusammenarbeit mit dem Sonderforschungsbereich 1357 Mikroplastik der Universität Bayreuth. Sie erschien im Journal of Hazardous Materials und ist frei abrufbar unter: https://doi.org/10.1016/j.jhazmat.2021.128151