Update vom 02.02.2021: Oberbürgermeister springt Krankenhaus-Angestellten zur Seite

Bayreuths Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU) hat sich an die Mitarbeiter des Klinikums gewandt. In einer Videobotschaft spricht er den Krankenhaus-Mitarbeitern seinen Respekt aus. Die Angestellten arbeiteten am Limit und erlebten hautnah, was Corona mit einst gesunden Menschen mache. Die Mitarbeiter seien dabei ständig der Gefahr ausgesetzt, sich selbst anzustecken.

"Und nun wird Ihnen auch noch die Pendlerquarantäne auferlegt", betont der Oberbürgermeister. So dürften die Mitarbeiter ausschließlich den Weg zur Arbeit bestreiten und seien ansonsten unter Quarantäne gestellt. "Sie tun das aus Pflichtgefühl, aus Solidarität uns allen gegenüber", erklärt Ebersberger.

Diese Solidarität wünscht sich der OB auch von den Mitbürgern. Er appelliert: "Bieten Sie den Mitarbeitern der Klinikum Bayreuth GmbH Ihre Hilfe an." Außerdem fordert er Respekt und Dankbarkeit für die Angestellten und ihre Familien. Man könne das Virus nur gemeinsam besiegen: "Da helfen kein Ausgrenzen, kein Egoismus." Jeder könne das Virus bekommen und unwissentlich weitertragen - "und zwar unabhängig davon, wo wir arbeiten!"

Ebersberger bitte deshalb alle Bürger, durchzuhalten und die Corona-Maßnahmen mitzutragen. "Wir wollen alles Mögliche unternehmen, um schnell wieder Schulen, Kitas, Gastronomie, Handel, Dienstleister, Kultur et cetera weitgehend in den Normalbetrieb übergehen zu lassen."

Erstmeldung vom 29.01.2021: "Behandelt uns nicht wie Aussätzige" - Klinikum-Mitarbeiter mit emotionalem Post

Klinikum Bayreuth schildert Negativ-Erlebnisse von Mitarbeitern - Facebook-Post geht viral. Auch nach über einem Jahr seit dem Corona-Ausbruch in Deutschland wirkt sich die Pandemie stark auf den Alltag aus. Vor allem Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern sind seit geraumer Zeit massiv gefordert. Wie viele andere Krankenhäuser befindet sich das Klinikum Bayreuth seit Monaten in einer absoluten Ausnahmesituation. Wegen mehrerer Corona-Mutation-Verdachtsfälle hat das Krankenhaus unlängst einen Aufnahme-Stopp für Patienten verhängt. Mehr als 3000 Mitarbeiter des Klinikums wurden zudem in "Pendler-Quarantäne" geschickt. 

Die Lage sei nach wie vor sehr angespannt, erklärt Frank Schmälzle, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Klinikums Bayreuth. In einem emotionalen Facebook-Post bedankt er sich im Namen der Krankenhaus-Angestellten für viel Zuspruch und Unterstützung vonseiten der Bevölkerung. Gleichzeitig berichtet er von äußerst unschönen Erfahrungen, die einzelne Mitarbeiter des Klinikums in ihrem Privatleben machen mussten - und das offenbar nur, weil sie derzeit unter Quarantäne stehen. Der Post wurde innerhalb weniger Stunden bereits mehr als 1180 Mal geteilt.

Klinikum Bayreuth: Krankenhaus-Mitarbeiter berichten von unschönen Erfahrungen

"Dass wir in der Klinikum Bayreuth GmbH gerade in einer reichlich angespannten Situation sind, das brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen", schreibt Schmälzle im Namen vieler Kollegen. "Wir bekommen - auch hier auf Facebook - viel Zuspruch, viel Unterstützung. Das tut gut. Vielen Dank."

Leider gebe es jedoch - auch in der realen Welt - durchaus auch andere Reaktionen. Eine Kollegin mit weitem Arbeitsweg habe beispielsweise tanken müssen. Sie hatte demnach das Parkschild des Klinikums an ihrer Windschutzscheibe. Sie sei schließlich aus der Tankstelle geworfen worden, berichtet Schmälzle. 

Ein weiteres Beispiel: "Eine Dame aus einem Mehrfamilienhaus beschwert sich über eine Kollegin. Die Kollegin hat unter Einhaltung aller Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen die gemeinsame Waschküche betreten."

"Bitte behandelt uns menschlich"

Ein Kind einer anderen Kollegin dürfe zudem in der Kita nicht mit den anderen Kindern spielen. "Es wird von den anderen getrennt", teilt Schmälzle mit.

Am Ende seines Facebook-Posts wendet sich der Pressesprecher des Klinikums mit einem emotionalen Statement an die Öffentlichkeit.  "Bei aller berechtigter Sorge. Bei aller gebotenen Vorsicht. Bitte behandelt uns nicht wie Aussätzige, weil wir in Quarantäne sind."

Niemand sei besonders gefährdet, nur weil er Kontakt mit einem Mitarbeiter des Krankenhauses gehabt habe, lautet die Kernaussage. "Bitte macht Euch klar, dass die patientennahen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich getestet werden. Das gilt für die allermeisten anderen Menschen nicht. Von uns geht keine besondere Gefahr aus. Ihr müsst uns nicht beklatschen. Aber bitte behandelt uns menschlich."