Am Montag (21.02.2022) fand in Bayreuth erneut eine Aktion der Bewegung "Aufstand der letzten Generation" statt. Die Initiative hatte in der vergangenen Woche Aufsehen mit einer Blockade des Wittelsbacherrings erregt und fordert ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung, wie der "Aufstand der letzten Generation" selbst mitteilt.

Bei der zweiten Aktion in Bayreuth ging es nun nicht darum eine Störung des Alltags zu erzeugen und damit Aufmerksamkeit für das Thema zu bekommen, sondern es wurde gerettetes Essen vor dem Norma am ZOH verteilt. Dieses wurde in den letzten Tagen aus Containern von Bayreuther Supermärkten gerettet, trotz Tafel, Foodsharing und anderen Initiativen.

„Es gibt ja bereits Initiativen wie Foodsharing, die Lebensmittel retten und trotzdem fallen immer noch solche Mengen an weggeworfenen Lebensmitteln an.“, sagt Niklas mit Blick auf die zu verteilenden Lebensmittel. Er fügt hinzu: „Deswegen brauchen wir eine verbindliche, gesetzliche Regelung. Freiwillige Initiativen und guter Wille reichen offensichtlich nicht, um Lebensmittelverschwendung effektiv zu vermeiden. Wir brauchen jetzt ein Essen-Retten-Gesetz“.

Währenddessen ging eine Person der Gruppe beim Norma containern und zeigte sich darauf telefonisch bei der Polizei selbst an. „Es ist absurd, dass es strafbar ist noch genießbare Lebensmittel aus dem Müll zu retten, während das Wegwerfen erlaubt ist. Gerade vor dem Hintergrund von hunderten Millionen hungernden Menschen weltweit und der Gefahr von Hungersnöten auch in Europa in der Zukunft. Das möchte ich mit der Selbstanzeige betonen.“, sagt Marlen.

Die Polizei kam vorbei, nahm die Anzeige auf und informierte die Marktleitung. Diese zeigte sich einsichtig und ihr Eigentumsrecht am Essen aus der Tonne an Marlen, welche das Essen dann auch vor dem Eingang verteilen konnte. Ein weiteres Mal zur Tonne zu gehen, um noch mehr Lebensmittel zu retten wurde anschließend von der Polizei verboten.

Normalerweise erhalten Menschen, die beim Containern erwischt werden eine Anzeige wegen Diebstahl und Einbruch für das Retten der Lebensmittel. Dies bleibt Marlen vermutlich erspart, weil der Markt die Eigentumsrechte abgetreten hat. Sie hat mögliche Konsequenzen für die Aktion in Kauf genommen, weil diese in keinem Verhältnis zu den katastrophalen Folgen der Klimakrise stünden.

Ein paar Meter weiter vor dem Supermarkt lief währenddessen das Verteilen der geretteten Lebensmittel sehr gut. Viele Menschen griffen zu und ließen sich dabei über das Thema Lebensmittelverschwendung informieren. Am Ende konnten sowohl alle Flyer als auch der allergrößte Teil des geretteten Essens verteilt werden. „So gut wie alle Menschen, mit denen ich heute gesprochen habe, sind der Meinung, dass Lebensmittelverschwendung in Deutschland ein Problem darstellt. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass ein Essen-Retten-Gesetz auch ein Schritt in Richtung sozialer Gerechtigkeit ist, muss die Politik jetzt handeln und unser Essen und Leben retten.“, kommentiert Niklas die Reaktion der Passant*innen. Vielen sei das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung und die Bedeutung für die Klimakrise noch nicht bewusst gewesen.

Gut ein Drittel der produzierten Lebensmittel wird in Deutschland weggeschmissen und die Verschwendung von Lebensmitteln ist für etwa 4% der deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Vor dem Hintergrund von sinkenden Ernten auch aufgrund von Dürren und Starkregenereignissen und einem steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln durch das Bevölkerungswachstum, befänden wir uns geradewegs in eine Klimakrise, welche gleichzeitig auch eine Ernährungskrise darstellt. „Die Bundesregierung muss endlich ihren Job machen und sicherstellen, dass die Menschen heute und in der Zukunft ein gutes und sicheres Leben in Deutschland führen können. Dieses wird gerade durch die Vernichtung unserer Lebensgrundlagen akut gefährdet und wir brauchen jetzt einen radikalen Wandel, um zu überleben.“, fügt Marlen hinzu.

Bis auf Kommentare in Sozialen Medien wurde von politischer Seite bislang noch nicht auf die Forderungen der Letzten Generation eingegangen. Deswegen geht die Störung durch die Aktionen erstmal noch weiter. Vermehrt werden nun auch mit Häfen und Flughäfen kritische Infrastruktur gestört, um die Störung noch zu erhöhen. In Bayreuth sind bislang keine weiteren Aktionen geplant.

Eine weitere Aktion mit geretteten Lebensmitteln wird am 12.03. von Foodsharing organisiert. Mehr Infos zur Situation der Klimakrise und zur Strategie der Letzten Generation gibt es bei einem Vortrag der Initiative, welcher am Dienstag (22.02.) um 18 Uhr stattfinden wird. Interessierte können sich unter anmeldung.sued@letztegeneration.de für den Vortrag anmelden.