Ein Muffin, schwarz wie die Nacht (oder die CDU), darauf ein Brustbild der Kanzlerin. Brustbild im wahrsten Wortsinn: Es ist das Marzipan gewordene Abbild jenes Skandalkleides, das einst den höchsten Busen im Staat bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth so unstaatsmäßig präsentierte und als Lauffeuer um die Welt brannte. Seither geht es doch eher hochgeschlossen zu im Merkel'schen Kleiderfundus. Gestern wieder, als die Kanzlerin in züchtigem Petrol zur Premiere des "Fliegenden Holländers" schritt. Und sich nur auf dem Muffin am Rande des Promiauflaufs offenb(l)usig gab.




"Wenigstens so isse genießbar." Der junge Mann nickte verächtlich Richtung Original-Kanzlerin auf dem roten Teppich und biss in die überzuckerte Angie-Variante. Wohl nicht sein Gusto, denn das Törtchen flog davon. "Nee, isse auch nich...!" Eine einzelne Meinung, denn die absolute Mehrheit der Schaulustigen spendete Merkel Applaus.
NSA-Spitzelaffäre? War da was?



Oder Gustl Mollath - war da was? Ein vereinzelter "Buh"-Ruf verhallte bei 30 Grad über der Grünen-Hügel-Wüste, als Justizministerin Beate Merk aus der Limousine stieg. Unbegleitet. "Vielleicht hakt sich ja der Gustl heut' Abend bei ihr unter." Eine Frau in der zweiten Reihe hinter der Absperrung rief das aus, prustete dann los.

Rätselraten über Pauli/Mollath
Sie spielte auf die Nachricht an, die sich auch unter den Promi-Guckern verbreitet hatte: Demnach wollte Gabriele Pauli, einstige CSU-Rebellin und mittlerweile von Bedeutungslosigkeit geplagt, für den bekannten Bayreuther Psychiatrie-Insassen allen Ernstes eine Ausgangs erlaubnis erwirken und mit ihm beim abendlichen Staatsempfang des Ministerpräsidenten im Neuen Schloss erscheinen. Der Anzug hänge schon bereit.

Das wäre ein schönes Schlossgespenst geworden für Beate Merk und ihren Chef Horst Seehofer. Quasi eine eigene Premiere nach der Premiere, eine Tragikomödie mit dem Titel "Hui Gu oder: Die Schöne und das Biest".

Böse Zungen tuschelten so auch über Gloria von Thurn und Taxis und ihre diesjährige Begleitung: Die Fürstin hatte einen Priester aus Afrika im Schlepptau. Der Hüne mühte sich zunächst vergebens, seine Soutane von der Rückbank im Auto zu hieven und um seinen wuchtigen Leib zu drapieren. "Der hat wohl aus Versehen die Abdeckplane fürs Auto angezogen." Wieder die Frau in Reihe zwei.

Die Damen auf der anderen Seite der Absperrung hatten es einem jüngeren Mann angetan, der seine kleine Tochter auf den Schultern balancierte. "Guck ma, das ist die Veronica ausm Fernsehn." Gemeint war die Ferres, ebenfalls mit viel Applaus bedacht. Genau wie das Ehepaar Stoiber, die Becksteins, Philipp Rösler und seine Frau, Guido Westerwelle und sein Mann. Und sogar Kristina Schröder, die Familienministerin. War da was? Betreuungsgeld? Herdprämie? Egal, heut' ist Festspielzeit, da macht das Langzeitgedächtnis Pause.

Was die Dezibelzahl des Beifalls anging, stahl ein Premierenneuling allen die Schau. Als das Auto mit der Bundes-Standarte vorfuhr und Bundespräsident Joachim Gauck mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt ausspuckte, brandete regelrecht Jubel auf. Der erste Mann im Staat war der erste seit Heinrich Lübke in Bayreuth. Wäre auch einen Muffin wert gewesen.