Das Schiff Kasbah ist umgeben von dicken Eisschollen. Doch der Kapitän Benni Besjes und seine Frau Marianne lassen sich davon die Laune nicht verderben. Sie liegen im Bamberger Hafen vor Anker, da der Schiffsverkehr auf Grund von Eis eingestellt wurde. Das Ehepaar aus der Nähe von Rotterdam freut sich über etwas Freizeit.

"Wir arbeiten für gewöhnlich sieben Tage die Woche, je 14 bis 16 Stunden pro Tag", berichtet der Schiffsführer. Voraussichtlich in einer Woche könne die Fahrt nach Österreich weitergehen. Bis dahin genießen die beiden ihren Aufenthalt in der Weltkulturerbestadt Bamberg.


Sperre seit einer Woche

Seit über Woche ist auf dem Main-Donau-Kanal kein Schiff mehr unterwegs. Das Eis ist dafür zu dick, entschied das Wasser- und Schifffahrtsamt vergangenen Montag in Nürnberg. 2012 wurde das letzte Mal der Schiffsverkehr auf dem Kanal wegen Eis lahm gelegt. "Während der Sperre legen im Bayernhafen Bamberg Schiffe an, die ihre Fahrt aufgrund des Eises nicht fortsetzen können und im Hafen das Aufheben der Sperre abwarten", erklärt Verena Riehl, Mitarbeiterin der Bayernhafen-Gruppe.

Momentan liegen wegen Eis fünf Schiffe in Bamberg vor Anker. Außerdem ein Schubleichter (ein Schiff ohne eigenen Antrieb, das geschoben oder gezogen wird) und ein Schubverband (eine Kombination von Leichtern und einem Schubschiff).


Der Umschlag ist geringer

"Natürlich führt eine Sperre der Wasserstraßen zeitweise zu einem niedrigeren Schiffsgüterumschlag in den Häfen, da die Schiffe ihre Zielorte später erreichen", berichtet Riehl. Doch die Standorte der Bayernhafen-Gruppe seien trimodal, das heißt Wasser-, Schienen- und Straßenverkehr seien gut miteinander verknüpft. Falls es notwendig sein sollte, könnten Güter auch per Bahn oder Lkw transportiert werden.


Mit den Hunden spazieren gehen

Von dieser Möglichkeit macht das Ehepaar Besjes nicht Gebrauch und nutzt den Leerlauf zum Durchschnaufen. "Wir gehen essen und einkaufen, fahren Fahrrad und gehen mit den Hunden spazieren. Außerdem bringen wir die Wohnung und das Schiff in Ordnung. Für solche Dinge bleibt sonst eher wenig Zeit", erzählt Marianne Besjes. Sie helfe ihrem Mann bei allem, egal ob sie als Kapitänin, Sekretärin oder Hausfrau gefragt ist. "Wir sind 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr gemeinsam unterwegs, und es klappt sehr gut", sind die beiden sich einig.

Das Ehepaar lebt und arbeitet auf dem Schiff. Benni Besjes ist auf dem Wasser groß geworden und seit 21 Jahren Kapitän. Auch sein Vater und sein Opa seien das schon gewesen. "Es ist harte Arbeit, aber es gefällt uns. Ich kenne es nur so", sagt der Mann aus Holland.

Er habe sein Leben lang dafür gearbeitet ein eigenes Schiff zu besitzen und sei nun seit zehn Jahren Eigentümer der Kasbah. Neben seinem Schiff besitze er ein Haus in Holland, allerdings würden er und seine Frau die meiste Zeit auf dem Wasser verringen. "Selbst unseren Urlaub machen wir nicht an Land. Wir gehen segeln oder auf ein Kreuzfahrtschiff", lacht Marianne Besjes.

"Die Kasbah transportiert gerade 1000 Tonnen Sojaschrot. Das entspricht der Ladung von 40 Lkw. Der Transport mit dem Schiff ist also günstiger und umweltfreundlicher", berichtet der Bamberger Hafenmeister Harald Holzschuh.

Da Kapitäne auf neue Aufträge angewiesen sind, vermietet Besjes sich und sein Schiff an die Multinaut Donaulogistik GmbH. Diese zahlt ihm eine sogenannte "Tagesmiete" und verschafft ihm neue Aufträge. "Gerade bekommen wir, da wir im Eis festsitzen, zwei Drittel der Tagesmiete", erklärt der Kapitän. Somit verliert er durch die Zwangspause Geld. Aber gewinnt auch etwas Freizeit.