Die Stadt Scheßlitz hat die Weichen für die Ansiedlung weiterer Gewerbebetriebe gestellt. Nach mehreren öffentlichen Auslegungen und der Abstimmung mit bereits ansässigen Unternehmen beschloss der Stadtrat jetzt einstimmig die Ausweisung eines weiteren, etwa 9,6 Hektar großen Areals östlich der Stadt entlang der Bundesstraße 22 in Richtung Würgau bis zur Demmelsdorfer Straße als Industriegebiet. Damit stehen jetzt insgesamt etwa 25 Hektar Gewerbeland zur Verfügung, die zum Teil bebaut sind. "Neue Arbeitsplätze können entstehen", betonte Bürgermeister Franz Zenk (CSU) die Bedeutung für die Stadtentwicklung.

Dass die Stadt trotzdem schon jetzt auch den zweiten Teilabschnitt der zweiten Erweiterung ausgewiesen hart, ergibt sich laut Bürgermeister Zenk aus dem Bedarf an großen Grundstücken.
Im Rathaus liegen offenbar Anfragen vor, die die Ausweisung rechtfertigen, weil die noch vorhandenen Grundstücke nicht die erforderliche Größe aufweisen.

Erfreulich war es für Stadtrat und Planer, dass bei einer erneuten vierwöchigen öffentlichen Auslegung der Pläne von Bürgerseite keine Einwände gegen das Gewerbegebiet kamen. Die Stellungnahmen der Behörden waren mit der Planung durchwegs vereinbar und wurden per einstimmigen Beschlüssen eingearbeitet. Das galt vor allem für die Belange des Naturschutzes. Das Erfreulichste nahm Planer Willi Steinhoff vom Büro Höhnen und Partner vorweg: "Wir brauchen keine zusätzlichen ökologischen Ausgleichsflächen", ließ er gleich zu Beginn wissen.

Und zwar deshalb nicht, weil man dafür Flächen heranziehen könne, die ursprünglich für den Wegebau am Bach entlang nach Würgau gedacht waren. Damit stünden allein für die zweite Erweiterung etwa zwei Hektar für ökologische Zwecke zur Verfügung, auch Rückhaltungen für Oberflächenwasser könnten hier entstehen.

Profitieren könnten davon auch die Amphibien, die angeblich im Frühjahr von den Hängen des Schlappenreuther Berges zum Laichen in Richtung Würgauer Bach wanderten. Hier gelte es noch herauszufinden, "wo Kröten und Frösche wirklich wandern", betonte der Planer. Dazu müsse die Stadt noch "was unternehmen", auch um die Größe der Population zu erfahren.

Belassen werde man auf jeden Fall einen Durchlass unter der B 22, wo die Amphibien schon seit längerer Zeit die Straße unterqueren könnten, sowie den anschließenden Graben (etwa 0,7 Hektar) durch das Gewerbegebiet zu den Ausgleichsflächen mit Teichen und Wasserläufen. Denkbar sei auch die Anlage von Teichen nördlich der B 22. "Völlig unvorhersehbare Dinge werden bei dieser Untersuchung nicht herauskommen", meinte Bürgermeister Zenk auf Anfrage von Stadtrat Helmut Zillig (CWG).

Beschlossen wurde, ein Gutachten in Auftrag zu geben, um nähere Erkenntnisse über die Krötenwanderungen zu gewinnen. Im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde am Landratsamt werden die ökologisch notwendigen Maßnahmen umgesetzt. Belassen werden sollen auf Vorschlag Steinhoffs zudem die Hecken in der nordwestlichen Ecke des Gebietes.

Lärm kein Problem

In Sachen Lärm prognostiziert der Planer für das nächstgelegene Wohngebiet "Burgblick" keine zusätzlichen Belastungen. Tagsüber gelte in Gewerbegebieten ein Höchstwert von 60 Dezibel, nachts ein solcher von 50 dB/A. Das sei zwar "auch noch sehr laut", allerdings befänden sich die nächsten Wohngebiete weit genug entfernt, damit dort keine zusätzlichen Belastungen entstünden.

"Mehrdeutig" sind nach Aussage Steinhoffs die Vorgaben des Wasserrechts, die bei Gewerbegebieten umzusetzen sind. Die Lösungen dafür seien bei der Erschließung der Areale zu finden. Steinhoff plädierte für eine Abflussmenge von maximal 7,5 Liter Oberflächenwasser pro Hektar und Sekunde. Die späteren Betriebe, die bis zu 80 Prozent der Fläche versiegeln können, sind verpflichtet, die Oberflächenwasser auf ihren eigenen Grundstücken vorzureinigen. Damit könne man eine einzige übergroße Vorreinigungsanlage für die gesamte Fläche vermeiden. Bürgermeister Zenk bezeichnete eine solche Lösung als sinnvoll, vor allem sei die Abwassermenge messbar.

Zur Kenntnis nahmen die Räte die Aussage der Autobahndirektion Nordbayern, dass der Verkehr auf der A 70 nicht beeinträchtigt oder geblendet werden dürfe. Weil das Gewerbegebiet tiefer und hinter Wald liege, sei dies nicht möglich.