Wie wäre es um die Freizeit von den gut 148 000 Menschen im Landkreis Bamberg bestellt, wenn ihnen dafür nicht die Angebote von gut 1200 Vereinen zur Verfügung stehen würden? Unendlich langweilig, darf man hier wohl getrost antworten. Nicht nur die vielen Ehrenamtlichen stemmen in zahllosen Stunden ein breites Spektrum an Aktivitäten. Es sind auch die 36 Gemeinden, die dies mit ermöglichen, weil sie ihre Vereine finanziell unterstützten. Die Redaktion hat nachgefragt und kommt zu dem Schluss, dass nach Kräften gefördert wird. Außer eben, es ist einem seitens der Rechtsaufsicht untersagt, so wie Heiligenstadt, weil bei finanziell angespannter Situation zuallererst die freiwilligen Leistungen - und dazu zählen die an Vereine - gestrichen werden müssen.

Wie sich zeigt, haben vor allem die größeren Kommunen genaue und oft sehr komplexe Richtlinien nach denen sie ihre Vereine unterstützen. Oft spielen dabei die Jugendarbeit, aber zunehmend auch die Berücksichtigung von Seniorenprojekten, sowie Ferienprogramme und ähnliches eine Rolle.

Mit einer Fördersumme von über 100 000 Euro liegt Hallstadt unangefochten an der Spitze. Der bekanntermaßen wohlhabendsten Gemeinde im Landkreis folgt mit Hirschaid die einwohnerstärkste mit knapp 95 000 Euro. Zwecks Vergleichbarkeit hatten wir generell nach den Zahlen des vergangenen Jahres gefragt, da dieses bereits abgerechnet ist.

Kommunen fördern mit Pauschalen und Grundbeträgen. Dazu kommt oft auch eine separate Bezuschussung für Bauwerke, deren Sanierung, Anschaffungen aller Art und bisweilen ist die Zahl von Übungsleitern ein Förderfaktor. Neben Geldzuwendungen (57 000 Euro) unterstützt Memmelsdorf die Vereine zusätzlich mit Übernahme der Kosten für Aerifizierung und Vertikutierung der Sportplätze. Als zweitgrößter Kreisumlagenzahler ist die Gemeinde zudem erheblich am Rettungsschirm auch für Vereine beteiligt, betont sie. Bisweilen orientiert man sich bei der Förderung aber auch an an sportlichen Erfolgen, so etwa in Frensdorf; an Meisterschaften und Jubiläen in Breitengüßbach. Ihren Vereinen kommen Gemeinden zudem oft in der Weise entgegen, dass sie auf Hallennutzungsgebühren verzichten oder diese niedrig halten, Grundstücke kostenfrei zur Verfügung stellen.

Neben diesen Arten von Unterstützung zeigen sich die Kommunen insbesondere im Corona-Jahr solidarisch mit ihren Vereinen: Obwohl ihre Einnahmen gerade bei Einkommen- und Gewerbesteuern rückläufig sein werden, behalten die meisten die bislang gewohnte Förderung bei. Bischberg zum Beispiel betont, dass die Vereine dadurch Planungssicherheit haben sollen. Die Marktgemeinde Burgebrach geht heuer sogar noch einen Schritt weiter und erhöht die Zuschüsse (von 47 804 Euro letztes Jahr auf heuer 57 417 Euro). Und weil den Vereinen durch ausgefallene Veranstaltungen wichtige Einnahmequellen weggebrochen waren, wird eine einmalige Zuwendung in Aussicht gestellt.

 Wegen Corona, so heißt es aus Oberhaid, werde heuer nun sogar ein insgesamt doppelt so hoher Zuschuss wie im vergangenen Jahr - 10 400 Euro - gezahlt. Das Gleiche hat Pommersfelden geplant, möglich wird dies dank einer Firmenspende (bisherige Förderung knapp 5000 Euro). Gemeinden wie beispielsweise Litzendorf wollen dieses Jahr noch abwarten, dann bei den Vereinen nachfragen, die sich über Zuschauer finanzieren. Im Anschluss soll dann entschieden werden. Die Stadt Scheßlitz will über eine eventuell erhöhte Förderung im Stadtrat beraten. Auch Pettstadt überlegt. Die Vereine hier werden übrigens - auch das eine Form der Förderung - in Rechts- und Verwaltungsangelegenheiten sowie durch den Bauhof unterstützt. Speziell im Zusammenhang mit Corona hat Gundelsheim beispielsweise heuer Mieten nicht verrechnet und zudem kostenlos für coronakonforme Treffen und ähnliches größere Räumlichkeiten gestellt. Den für 2020 eingeplanten Betrag von 12 500 Euro stockt man zudem um 5000 Euro auf.

Interessant ist auch der Blick auf die Vereinsdichte: Die höchste hat Schönbrunn: Hier kommt auf 40 Einwohner ein Verein, dicht gefolgt von Gerach mit 42; am niedrigsten ist die Quote in Gundelsheim mit einem Verein pro 234 Einwohnern, gefolgt von Pettstadt mit 225. Was freilich nichts über die Qualität der Vereine an sich besagt. Insgesamt können sich Vereine wohl nicht beklagen: Das Statement aus Viereth-Trunstadt "Wir stehen zu 100 Prozent hinter unseren Vereinen und respektieren das hohe ehrenamtliche Engagement" sagt alles.

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VEREINE GEBEN HALT

Das laufende und von den Auswirkungen der weltweiten Pandemie bestimmte Jahr bleibt auch für die Sportvereine nicht ohne Auswirkungen. Carsten Joneitis hat als Kreisvorsitzender des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV) den Überblick. Aufgrund nicht möglicher Wettbewerbe und Veranstaltungen sind den Vereinen geschätzte 80 Prozent ihrer Einnahmen weggebrochen. Weil die jüngsten Vereine bereits zwischen 40 und 50 Jahre sind, und wenn sie ein Heim benötigen ein solches bereits gebaut ist, stehen in diesem Jahr zumindest keine Projekte auf der Kippe oder vor dem Aus. An die 130 Vereinsheime finden sich in dem Bereich, in dem der BLSV-Kreisverband zuständig ist.

Allerdings gibt es doch 18 Vorhaben, die teils auch längeren Vorlauf hatten. Sie reichen Joneitis zufolge von einer neuen Rasenbewässerung über die Umstellung der Flutlichtanlage bis hin zur energetischen Gebäudesanierung wie er sie als Oberhaider Bürgermeister beim FC Oberhaid praktisch hautnah mitbekommt.

All die Vorhaben sind unter aktuellen Vorzeichen natürlich finanziell schwerer zu stemmen. Allerdings vergisst Joneitis nicht, generell das Engagement des Landkreises auch für Vereine zu loben. Insgesamt sieht er die Region Bamberg, zu der auch die Stadt Bamberg und insgesamt 246 Sportvereine und deren rund 76 000 Mitglieder gehören, solide aufgestellt. Freilich weiß Joneitis aber auch, dass zwischen fünf und acht große Hallen nötig sind, um den Bedarf zu decken. Durch das Corona-Jahr "werden die Perspektiven dafür jedenfalls nicht unbedingt besser", findet er

Abgesehen davon, dass den Vereinen finanzielle Mittel weggebrochen sind, haben sich die Aktivitäten und Angebote auch drastisch reduziert. Mit eventuell drastischen Folgen gerade für die Jugend: Bolz- und Basketballplätze sind verwaist. Statt sich also sportlich zu betätigen, würden viele vor Konsolen sitzen und "virtuell Sport treiben". Der Kreisvorsitzende sieht hier längerfristig zudem die Gefahr, "dass diese Kids sich anders orientieren". Ganz abgesehen von den Folgen, weil nebenher meist Spezi und Süßigkeiten konsumiert werden, also ganz andere Effekte als beim real betriebenen Sport. Sportvereine holen die Jugend ab und geben ihnen Halt, anders als Spielkonsolen.

Ein Beispiel für die Gemeinden, die ihren Vereinen in diesem Jahr besonders unter die Arme greifen, ist der Markt Burgebrach. "Die Vereine haben einen hohen gesellschaftlichen Wert, wobei die Jugendarbeit - der Nährboden für eine gute Entwicklung- heraussticht", betont Bürgermeister Johannes Maciejonczyk. In diesem Jahr unterstütze man die Vereine gerne mit mehr Geld, weil man darin auch eine Prophylaxe sieht. Lieber investiere man so, als später in die Jugendhilfe, argumentiert der Bürgermeister. Burgebrach setze generell auf eine Förderbreite, die umfasse Pauschalen ebenso wie Zuschüsse für Investitionen und auch Baumaßnahmen, die mit bis zu 20 Prozent gefördert werden. "Bei großen Projekte sind wir immer dabei." Vereine sieht Maciejonczyk auch ganz persönlich als sehr wichtig. Selbst gehört er als teils aktives und teils passives Mitglied etwa 20 an. Denn schon als Jugendlicher war er unter anderem im Sport aktiv und hat selbst erlebt, wie junge Menschen hier "einen Rahmen haben, in dem sie heranwachsen können, Gemeinschaftsgeist erleben und man gesellschaftlich auch eingebunden wird". Seine Frau hat gleichfalls einen Vereins- und Ehrenamtshintergrund. So ist es für das Ehepaar selbstverständlich, dass die drei Kinder zum Vereinsleben hingeführt werden und ausprobieren dürfen.

So sieht Macienjonczyk, der in einem sehr großen Verein Vorsitzender war, nun auch als Bürgermeister "Vereine als eine tragende Säule unserer Marktgemeinde". Bei knapp 9000 Einwohnern gibt es hier 88 Vereine. Die wurden im vergangenen Jahr mit annähernd 50 000 Euro unterstützt. Dieser Betrag wurde heuer um 10 000 Euro aufgestockt. Die politische Gemeinde kompensiert zudem 25 Prozent des coronabedingten Erlösausfalls.

KOMMENTAR: VEREINE BEDEUTEN LEBENSQUALITÄT

In diesem Ausnahme-Jahr merkt man es wohl mehr als in den sogenannten normalen zuvor: Wir sind mit einer wahrhaft blühenden Vereinslandschaft gesegnet, die Ihresgleichen sucht. Derzeit, wo eben noch kaum eines dieser bislang selbstverständlichen Angebote gemacht und genutzt werden kann, wird alles schmerzlichst vermisst. Auch die Gemeinden haben schon längstens die unschätzbare Leistung für das Gemeinwohl erkannt und unterstützen die Vereine nach ihren jeweiligen Kräften. Ganz besonders zu würdigen ist die Initiative derer, die ihren Vereine noch mehr entgegen kommen; die ihnen bei Gebühren und ähnlichem noch weniger oder nichts abverlangen, aber höhere Zuschüsse gewähren, und im kommenden Jahr noch großzügigere Unterstützung einplanen.

Unterstützen sollten auch die Mitglieder ihre Vereine und jetzt nicht etwa aus schierem Egoismus kündigen. Das wäre für manchen Verein der Todesstoß. Dabei brauchen wir jeden Verein, für unsere Identität, für die Jugend, für die Gesundheit und für die Lebensqualität.

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