Keine Veranstaltungen bis September - also keine Kerwa, kein Bamberg zaubert, kein Blues- und Jazzfestival?

Klaus Stieringer, Chef des Stadtmarketings, gibt die Hoffnung für die großen Maxplatz-Feiern noch nicht auf: "Wir prüfen Möglichkeiten, die Feste in den September oder Oktober zu verschieben", sagt er auf Nachfrage. Die Familientage (11. - 13. September) und das Weinfest (16. - 20. September) sind bereits verlegt worden. Stieringer stehe in ständigem Kontakt zu Sponsoren und Künstlern. Anfang nächster Woche werde das Thema zudem im Krisenstab besprochen. Spätestens am kommenden Mittwoch soll eine Entscheidung fallen.

Noch besteht Hoffnung

Auch Horst Feulner, Geschäftsführer der Sandkerwa Veranstaltungs GmbH, wird am Treffen des Krisenstabs teilnehmen und prüfen, ob das große Sandstraßenfest verschoben werden kann. "Die Hoffnung will ich nicht ganz aufgeben", sagt Feulner, "aber ich habe so meine Zweifel." Zum einen sei nicht sicher, ob der 31. August das letzte Wort zum Thema sein wird. "Und selbst wenn es am 1. September wieder losgeht, dürften viele Schausteller bereits anderweitig verplant sein", schätzt der Veranstalter. Verträge mit Künstlern und Schaustellern seien zwar schon unterschrieben worden, allerdings unter entsprechendem Vorbehalt. Doch die geleistete "Papier-Arbeit" ist nun nicht nur für die Tonne, sie muss auch wieder rückabgewickelt werden. "Aber besonders tut es mir für die Schausteller und Gastronomen leid", sagt Feulner. Außerdem bedauert er auch den Ausfall des Jubiläums: Die Sandkerwa würde in diesem Jahr zum 70. Mal stattfinden. Dauerhaft gefährdet sei das beliebteste Bamberger Fest seiner Einschätzung nach aber nicht.

Auch Barbara Kropf sieht die Zukunft nicht bedroht: "Wir hatten ja schon Mal einen Ausfall", sagt die Vorsitzende des Bürgervereins Sand. Und auch für 2020 "sehe ich die Sandkerwa noch nicht ganz gestorben. Wir müssen wohl kreativ denken". Weil alles noch so unsicher sei, könne Kropf sich etwa auch eine spontane Kirchweih vorstellen, sobald wieder Klarheit herrscht. "Die Sandkerwa ist schließlich nicht nur die größte Einnahmequelle für unseren Verein", sagt sie. "Sie wurde auch gegründet, um den ansässigen Wirtschaften Umsatz zu verschaffen. Wir sind den Gastronomen fast verpflichtet."

Das Veranstaltungsverbot trifft aber nicht nur die Großen. Auch die Stadtteil-Feste sind betroffen. Trotzdem steckt Dieter Gramß den Kopf nicht in den Sand: "Der Ministerpräsident hat's verkündet, jetzt ist es halt so", sagt der Vorsitzender des Bürgervereins Wunderburg. Die Maßnahmen will er nicht infrage stellen, "die Zahlen geben dem ja recht". Doch dem Verein steht nun ein schmerzhaftes Jahr bevor: In der Wunderburg findet Ende Juli eine der meistbesuchten Bamberger Kirchweihen statt. Diesmal fällt sie aus. Und nicht nur das: "Unser Programm ist heuer wie ein Schweizer Käste". Eine geplante Fahrt des Bürgervereins nach Stralsund ist bereits den Ausgangsbeschränkungen zum Opfer gefallen, der für 30. Mai geplante Trödelmarkt fällt ebenso aus.

Zwar sei die Wunderburg mit Veranstaltungen "reich gesegnet", so Gramß, und etwa für das Weinfest am 18. September bestehe noch Hoffnung. Aber der Ausfall der Kirchweih sei für alle Wunderburger schmerzhaft. "Wir sind ja auch stolz drauf, die zweitgrößte Kerwa Bambergs aufgebaut zu haben." Besteht die Möglichkeit, sie zu verschieben? "Auf keinen Fall!", betont der Vereinsvorsitzende. Der Termin am dritten Juli-Wochenende um das Fest Maria Magdalena habe eine lange Tradition, die man nicht brechen wolle.

Für den Verein fielen durch die Absage des "zentralen Punktes unseres Jahresprogramms" unter anderem die jährlichen rund 3500 Euro Tombola-Einnahmen aus, "aber der Verein steht auf gesunden Füßen", sagt Gramß. "Wir sind sehr vorsichtig und planen immer erst, wenn wir das Geld auch haben." Leid tun ihm vor allem die Standbetreiber und Musiker.

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