Heiner hat mit dem Schwimmen in der Regnitz offenbar kein Problem: "Alle reden von Risiko, ich finde keine", kommentiert er auf infranken.de die von den sommerlichen Temperaturen angeheizte Debatte in Bamberg. Der Kenner empfiehlt die Flussabschnitte oberhalb der Oberen Mühlen, unter anderem das Gewässer oberhalb des Jahnwehrs zum Baden. "Dort besteht für Schwimmer kein besonderes Risiko."

Ist das wirklich so? Einen Stein ins grünbraune Regnitzwasser wollen dieser Tage auch die Freien Wähler werfen. Die Fraktion nutzt die Gunst eines anhaltend heißen Sommers, um das Thema Badeverbot in Bamberg wieder auf die politische Tagesordnung zu holen.

Bereits vor zwei Wochen hatte diese Zeitung über den Trend bei vielen jungen Leuten berichtet, sich Abkühlung in den beiden Regnitzarmen zu verschaffen - völlig ungeachtet der Tatsache, dass Baden in den Bamberger Gewässern nur entlang eines 240 Meter langen Streifens am Hainbad erlaubt ist. Doch im Gegensatz zu diesem fast überall herrschenden Badeverbot förderte eine nicht repräsentative Umfrage auf infranken eine klare Mehrheit für mehr Flussbadestellen zu Tage. 73 Prozent sprachen sich dafür aus, eine zweite Verbotsaufhebung etwa gegenüber der Buger Spitze.

Jetzt also der offizielle Vorstoß einer Fraktion, das allgemeine Badeverbot in der Regnitz zeitnah zu überprüfen. Mit dem Ziel, das Badeverbot zumindest zu lockern. Die Freien Wähler begründen den Antrag mit der Tatsache, dass die Studentenzahl in Bamberg stark gewachsen ist. Außerdem: "Für die Bürgerinnen und Bürger besteht das Badeverbot an manchen Stellen augenscheinlich zu Recht, an anderen ist es nur schwer nachzuvollziehen", sagt Dieter Weinsheimer. Als Vergleich nennt er die kilometerlangen Naturstrände zwischen München und Bad Tölz, aber auch den Eisbach im Englischen Garten: "Da baden Tausende - und es gibt keinen Bademeister."

Bereits 2009 hatte das Thema Badeverbot in Bamberg hohe Wellen geschlagen, als im Aufsichtsrat der Stadtwerke Pläne darüber geschmiedet wurden, das auch im damaligen Hainbad gültige Badeverbot umzusetzen, was einer Stilllegung gleichgekommen wäre. In der heutigen "Hainbadesstelle" kräht kein Hahn mehr danach, dass die Sauberkeit der Regnitz vor sechs Jahren mit aufwändigen Untersuchungen erst nachgewiesen werden musste.

Flussbaden boomt seither wie nie. Und das umbenannte Hainbad hat eine zweite Erfolgsgeschichte hingelegt - es ist ebenso beliebt wie kostengünstig.

Die Stadtverwaltung hat nun den Auftrag, die Gründe auf den Prüfstand zu stellen, die in den 70er Jahren zu einem umfassenden Badeverbot geführt hatten. "Wir werden die Fachdienststellen, von der Wasserschutzpolizei bis zum Wassserwirtschaftsamt abfragen", sagt Christine Feldbauer vom Ordnungsamt.

Fakt ist: Viele haben mitzureden, wenn es um die Flüsse in Bamberg geht. Vor allem die Verkehrssicherungspflicht erschwert Naturfreunden den Zugang zu heimischen Gewässern, da der Hinweis "auf eigene Gefahr" offenbar nicht ausreicht. Das Ordnungsamt sieht jedenfalls gewisse Mindestanforderungen an ein freies Badegewässer. Das betrifft funktionstüchtige Ein- und Ausstiegstreppen, im Falle der Hainbadestelle auch die Bojenkette, die Schwimmer und Ruderer trennt.

Die Wenigsten, die in diesen sonnendurchfluteten Tagen die Flussarme in Bamberg zur Abkühlung nutzen, dürften überhaupt wissen, dass es ein Badeverbot gibt. Doch es würde die Polizei personell überfordern, die daraus resultierenden massenhaften Verstöße zu ahnden.

Zudem wäre es wohl auch nicht sinnvoll. Heinz Römmelt von der Wasserschutzpolizei spricht aber von "Härtefällen", bei denen die Polizei sehr wohl aktiv wird. Wer etwa unterhalb von Kleinvenedig die Schiffahrt gefährdet, muss mit einem Strafverfahren rechnen. Weniger schwere Verstöße werden mit Bußgeld zwischen 20 und 100 Euro geahndet. Dass Brückenspringen nicht geduldet werden kann, versteht sich von selbst. Schon wegen der Gefahr der im Wasser unsichtbar herumliegenden Gegenstände.
In den meisten Fällen setzt Römmelt aber auf die Vernunft der Badenden. Sie sollten nur das tun, was sie selbst und andere nicht gefährdet.