Von Protesten begleitet war die Zusammenkunft der Verbandsversammlung des Regionalen Planungsverbandes Oberfranken-West im Landratsamt Bamberg. Etwa 50 Mitglieder der Bürgerinitiative "pro Heimat" waren aus mehreren oberfränkischen Landkreisen mit Protestplakaten angereist, um die Verbandsräte und die Vertreter der Behörden von der allzu freizügigen Ausweisung von Vorranggebieten zur Aufstellung von Windrädern abzubringen. Der Erfolg hielt sich in Grenzen, vor allem die umstrittenen Vorrangflächen auf dem Jura in den Bereichen Stadelhofen - Wattendorf - Weismain blieben zunächst in der Planung.

Beeindrucken ließen sich die Verbandsräte von den Demonstranten nur wenig. Die meisten beließen es bei einer launigen Bemerkung gegenüber bekannten Personen aus ihrer Heimat, lediglich Landrat und Verbandsvorsitzender Günther Denzler suchte das Gespräch.
Der Vorsitzende des Vereins "proHeimat", Edwin Bergmann aus Fesselsdorf (Stadt Weismain) und andere Sprecher wiesen mehrfach auf den politischen Willen bei den Betroffenen hin, der zum Ausdruck kommen müsse. Der Jura sei Tourismusgebiet und Naturpark, das müsse in den Entscheidungen zum Ausdruck kommen.

Außerdem habe kein Geringerer als der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer zugesichert, dass Windräder nicht gegen den Willen der Bevölkerung aufgestellt würden. Günther Denzler hielt entgegen, der Schutz des Naturparks sei "nicht ausreichend", um die Aufstellung von Windrädern - von den Demonstranten als "Vermüllung" bezeichnet - verhindern zu können. "Es sind schon genug aufgestellt worden, Oberfranken ist in dieser Hinsicht führend", gab Bergmann nicht nach und forderte ein Konzept, das den Bedarf für solche Anlagen ausweist.

Sichere Versorgung ist nicht gegeben
Eine sichere Stromversorgung aus Wind und Sonnenenergie sei aber auch mit einem Konzept nicht gegeben, meinte eine Demonstrantin. Deshalb entstehe vor allem bei den Betrieben eine erhebliche Unsicherheit, ob sie noch in Deutschland investieren sollten. Um Nachteile für die Region zu vermeiden, solle man Windräder zumindest gleichmäßig in Bayern verteilen.

Zu Beginn der Verbandsversammlung erinnerte Landrat und Vorsitzender Günther Denzler nochmals an den bisherigen Ablauf. Bei der ersten öffentlichen Auslegung des Entwurfes gingen 1040 Stellungnahmen ein, in denen enthaltene Gebiete abgelehnt, aber auch neue vorgeschlagen worden seien. Einzelgrundstücke habe man dabei nicht aufgenommen. Die Verwaltung an der Regierung von Oberfranken habe unter der Regie von Amtsdirektor Thomas Engel und der Regionsbeauftragten Christiane Odewald daraus an die 300 Beschlussvorschläge vormuliert, die in mehreren Blöcken zur Abstimmung kamen.

Die Ergebnisse - also nur die Änderungen - sollen im Rahmen einer zweiten öffentlichen Auslegung nochmals zur Diskussion gestellt werden. Das wird voraussichtlich zwischen Juni und Oktober geschehen. Denzler bat, einen Mittelweg zu suchen und den Spagat zwischen Energiewende und anderen politischen Zielen zu schaffen. Landschaftsschutzgebiete sollten grundsätzlich ein Ausschlussgrund für den Bau von Windrädern sein, es sei denn es komme ein Zonierungsplan mit weniger schützenswerten Bereichen.

Mindest-Abstände beschlossen
Beschlossen wurden einstimmig Mindest-Abstände zwischen Windrädern und Gewerbegebieten von 300 Metern, zu Wohngebieten von einem Kilometer. Mehr lasse die Rechtsprechung nicht zu.

Im Landkreis Bamberg sollen - vorbehaltlich der öffentlichenAnhörung - im Vergleich zur ersten Entwurfsplanung mehrere Bereiche hinzu kommen. Das sind die vier Vorrangflächen in den Naturparks Fränkische Schweiz und Steigerwald, die der Kreistag jüngst beschlossen hat: in den Gemeinden Heiligenstadt, Königsfeld, Litzendorf und Priesendorf (insgesamt etwa 260 Hektar). Ferner ein etwa 91 Hektar großes Revier Frensdorf-Südost (Richtung Hirschaid), eine Vorrangfläche "Röbersdorf-Nord" (18 Hektar) sowie eine Ergänzungsfläche für Unteroberndorf-Ost (insgesamt 53 Hektar). Um ein Windrad erweitert werden soll das Revier Würgau-Ost.



Auf der anderen Seite stehen vier geplante Herausnahmen: Etwa 20 Hektar bei Oberorberndorf/Ebensfeld, weitere 33 Hektar im Bereich Scheßlitz-Starkenschwind. Wegen zu geringer Abstände zur Bebauung, aber auch ungünstiger Topographie, wird das zunächst 85 Hektar große Vorranggebiet Sassendorf-West nicht realisiert. Wegen der Nähe zur Burg Lisberg soll zudem das 80 Hektar große Vorranggebiet Walsdorf-West heraus genommen werden.

In einer ersten Stellungnahme zeigte sich "proHeimat"-Sprecher Edwin Bergmann nicht zufrieden mit dem Ergebnis. "Wir hoffen jetzt, dass Städte und Gemeinden ihre Planungshoheit nutzen, um Schaden abzuwenden", sagte er.