Was bedeutet die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts fürs Ertl-Zentrum und Mieter wie Decathlon? Karl-Heinrich Ertl wird das noch ausführlich mit seinen Anwälten beraten. Und kündigt bereits an: "Wir werden eine Möglichkeit finden, auch aus dieser vermeintlichen Niederlage noch das Beste zu machen." Doch Ertls Verärgerung ist groß, über eine juristische Auseinandersetzung, die das Familienunternehmen schon jetzt zwei Millionen Euro gekostet hat.

Die Stadt Bamberg vertritt die Position, dass der Hallstadter Bebauungsplan zum Ertl-Zentrum nicht mit den Zielen der Landesplanung vereinbar ist. Insbesondere seien Kaufkraftabflüsse für den Bamberger Handel nicht ordnungsgemäß durch die Stadt Hallstadt ermittelt und in die Planungserwägungen eingebracht worden. Auf Landes- und Bundesebene konnte Bamberg juristische Erfolge feiern, die diese Position stützen.

"Wir haben doch alle grad genug Arbeit und Probleme. Brauchen wir in diesen Zeiten solche Machtkämpfe?", fragt Karl-Heinrich Ertl. Der 55-Jährige ist einer der vier Mitgesellschafter des Unternehmens. "Wo war denn die Stadt Bamberg bei einem Market oder beim Industriegebiet Trosdorf? Da hat man gar nichts gehört. Aber uns bekämpft man, die wir hier leben und unsere Steuern zahlen."

Die Ertls wollten den Sportartikler Decathlon schon vor zehn Jahren in Hallstadt ansiedeln. Dorthin, wo sich jetzt das Kentucky Fried Chicken-Restaurant befindet. "Aber der Bebauungsplan hat es da ebenso wenig hergegeben wie dann später auf der Bamberger Seite, gegenüber vom Obi." Dann habe man am Ertl-Gelände einen Bebauungsplan entwickelt, der im Zuge der Erweiterung unter anderem eine Decathlon-Ansiedlung ermöglichte - die Pläne seien auch ausführlich mit der Regierung von Oberfranken besprochen worden. "Wir haben hier auf eine viel großzügigere Verkaufsfläche verzichtet und unsere Pläne auch frühzeitig dem Bamberger Oberbürgermeister und seinen Referenten vorgelegt." In diesem Gespräch sei von einer Weiterentwicklung des Ertl-Zentrums die Rede gewesen. Die Namen der später einziehenden Firmen (wie Decathlon) habe Ertl da noch nicht genannt. "Diese Fläche wollten wir schon seit 30 Jahren bebauen und immer wurden uns Steine in den Weg gelegt."

Als OB Andreas Starke (SPD) dann erfahren habe, dass Decathlon nach Hallstadt kommt, forderte er eine Begrenzung der Verkaufsflächen. "Aber solche Beschränkungen, die sich auch auf den Grundstückswert auswirken, macht eine Bank nicht so leicht mit." Und dass Starke damit Sportartikler in der Innenstadt schützen wollte, kann Ertl auch nicht nachvollziehen: "Welche Sportartikel-Geschäfte denn?"

Für die Stadt Bamberg gehe es nach dem Erfolg vor dem Bundesverwaltungsgericht nun darum, zu klären, "ob die vorliegenden Baugenehmigungen und genehmigten Nutzungsänderungen Bestand haben oder nicht".

Sollten die Genehmigungen durch das Verwaltungsgericht aufgehoben werden, sei es Aufgabe des zuständigen Landratsamts Bamberg, "über die Einleitung notwendiger Maßnahmen wie Nutzungsuntersagungen zu entscheiden". Das klingt nach schweren Geschützen, während die Stadt Hallstadt am Freitag festgestellt hat: "Das Urteil hat keinen Einfluss auf die derzeitige Nutzung des Ertl-Zentrums."

Die Nachbarstadt warnt hingegen davor, alles so zu lassen, wie es ist: "Ohne passenden Bebauungsplan dürften eine gerichtliche Aufhebung von Genehmigungen sowie anschließende Maßnahmen des Landratsamts Bamberg unumgänglich sein", erklärt dazu Steffen Schützwohl aus der städtischen Pressestelle. So weit müsse es jedoch nicht kommen: "Wie bereits mitgeteilt, ist die Stadt Bamberg im Hinblick auf eine allseitig interessengerechte Beplanung des betroffenen Gebiets gesprächsbereit."

Dieses Angebot hat für Karl-Heinrich Ertl angesichts der langen Vorgeschichte einen mehr als faden Beigeschmack: "Wir machen was und bewegen was. Wenn die Stadt Bamberg nur versucht, andere zu schwächen, wird ihr Licht deshalb auch nicht heller strahlen."

KOMMENTAR von Stefan Fößel

Lachende Dritte

Der Rechtsstreit um den Bebauungsplan zur Erweiterung des Ertl-Zentrums hat auf beiden Seiten schon einige Millionen Euro gekostet, er beschäftigt seit Jahren die Juristen. Wird sich das für die Stadt Bamberg bezahlt machen? Wird es in Hallstadt vielleicht irgendwann keinen großen Sportartikler mehr geben? Kommen deshalb mehr Käufer in die Bamberger Innenstadt? Oder profitieren am Ende doch wieder der Internet-Handel und andere Städte, in denen es dann noch Decathlon und Co. gibt? So kompliziert die juristische Materie auch ist, die dahinter stehenden Motive sind es nicht: Bamberg sind die Einzelhändler im eigenen Stadtgebiet näher als die in Hallstadt. Ob die eigenen Leute aber viel mehr Umsatz machen, weil die anderen weniger verdienen, darf bezweifelt werden. Denn die Zusammenhänge sind viel komplexer. Und wenn sich zwei Nachbarn zu lange streiten, freuen sich am Ende vielleicht einige ferne Dritte.