Kiros Tsegy hält einen Stapel Prospekte in der Hand, er befüllt den Beilagenanleger, der vollautomatisch die Werbeblättchen im Sekundentakt in die Tages- und Wochenzeitungen sortiert. Die Arbeit in der Druckerei macht ihm Spaß, sagt der 30-Jährige. Er ist aus dem ostafrikanischen Land Eritrea nach Bamberg gekommen und versucht nun, ein neues Leben aufzubauen.

Der anerkannte Flüchtling arbeitet seit kurzem mit zwei anderen Flüchtlingen und acht weiteren Hilfskräften, die vorher länger arbeitslos waren, im Schichtbetrieb bei der Z+S Zustell- und Service-Gesellschaft, einem Dienstleister der Mediengruppe Oberfranken. "Die Arbeit ist wichtig für mich", sagt er.

Zwar ist die Arbeitslosigkeit im Bamberger Raum gering: In der Stadt liegt sie im Januar bei 4,9 Prozent. Im Landkreis bei 2,9 Prozent. Dennoch gibt es viele Menschen, die dringend einen Job brauchen: Langzeitarbeitslose und Flüchtlinge. Und es gibt Firmen, die händeringend Arbeitskräfte suchen.


Erfolgreiche Suche

Insgesamt 16 neue Mitarbeiter hat Jürgen Töffling, Leiter Personaldienstleistungen bei Z+S, kurzfristig zum Januar gesucht - keine leichte Aufgabe. Schichtarbeit im Niedriglohnsektor schreckt viele ab. Doch wurde Töffling von den zahlreichen Rückmeldungen überrascht. "Das ist sehr gut gelaufen." Innerhalb weniger Wochen hatte er elf ausgeschriebene Stellen besetzt. Mehrere Arbeitskräfte haben bereits einen Jahresvertrag erhalten. Weitere Bewerbungen liegen vor.

Dass das nicht selbstverständlich ist, weiß auch Thomas Herbstsommer: "Annähernd täglich berichten uns Firmen von schwer besetzbaren Stellen und abgelehnten Aufträgen aufgrund des Personalmangels." Um das zu verhindern, hat sich der Arbeitsvermittler des Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg Ende November mit Töffling überlegt, wie das Unternehmen zügig an neue Arbeitskräfte kommen könnte und entsprechende Aktivitäten in Gang gesetzt.

Als glückliche Fügung bezeichnet Töffling dabei die Zusammenarbeit mit Christiane Alter vom Projekt "IdA Navigatoren" des Maßnahmenpakets Initiative Integration durch Ausbildung und Arbeit (IdA). Sie ist Ansprechpartnerin für Unternehmen, Flüchtlinge und Kooperationspartner bei Fragen rund um die Integration. Durch ihre Hilfe konnten über die Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg und die Projekte zur Integration des Vereins vbw-Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft entgegen dem Trend schnell Bewerber gefunden werden.

Das Besondere dabei: Parallel zu den Maßnahmen der Arbeitsagentur hatte Christiane Alter in den IdA-Integrationskursen für Flüchtlinge vorgefühlt, wer für eine Beschäftigung in Frage käme. Für viele könnte das auch der Einstieg sein, um später eine Ausbildung zu machen.

Interessierte Flüchtlinge und Arbeitsuchende wurden später zu einem Workshop eingeladen. Ganz wichtig dabei: "Aufgrund der geringen Zahl an Arbeitslosen, sollten die Firmen ihre Stärken immer mehr in den Vordergrund stellen - Stichwort Arbeitgeberattraktivität", erklärt Arbeitsvermittler Herbstsommer. Z+S zahle zwar zu Beginn der Beschäftigung nur Mindestlohn, doch habe das Unternehmen andere Vorteile: "Wir können einen dauerhaften Arbeitsplatz am Standort Bamberg bieten", sagt Töffling. Das sei einer der Vorteile des Unternehmens.


Hürden überwinden

In den Workshops ist es laut Töffling transparent zugegangen: Nicht alle hätten sich am Ende für eine Anstellung bei dem Dienstleister der Mediengruppe Oberfranken interessiert. Doch auch das Unternehmen musste Hürden überwinden: "Beim Thema Flüchtlinge ist viel Bürokratie vorhanden", findet Töffling. So stellten Fragen rund um die Aufenthaltsgenehmigung für Arbeitgeber einen großen Aufwand dar.

"Flüchtlinge brauchen am Anfang mehr Betreuung", bestätigt Christiane Alter. Gerade im Schichtbetrieb ist es für sie wie für viele Langzeitarbeitslose ohne Auto schwierig, von außerhalb nach Bamberg zu kommen.
Das wird am Beispiel von Amjed Shendel deutlich. Wenn der Iraker nachts um 2 Uhr mit der Arbeit beginnt, dann hat er ein Problem: Denn er wohnt derzeit in Zeil. "So spät fährt kein Zug mehr." Gut, dass er Kiros Tsegy, den Flüchtling aus Eritrea, als Kollegen hat. Shendel kann bei ihm in Bamberg die Zeit bis zum Arbeitsbeginn überbrücken.

"Wir haben ermöglicht, dass die beiden zusammen ihre Schicht haben", erklärt Jürgen Töffling. Möglicherweise kann Amjed Shendel mit dem Arbeitsvertrag in der Tasche bald nach Bamberg ziehen. Dann wäre dieses Problem in Zukunft ganz gelöst.


Mehr über die Beteiligten:

Firma Die Z+S Zustell und Service GmbH ist ein Dienstleister der Mediengruppe Oberfranken und in den Bereichen Brief- und Zeitungszustellung, sowie Transport- und Personaldienstleistungen tätig. Derzeit beschäftigt die Gesellschaft insgesamt rund 1450 Mitarbeiter. Im Bereich Personaldienstleistungen sind es 48 Mitarbeiter.

Arbeitgeber-Service Der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit ist der größte Dienstleister und Ansprechpartner für Arbeitgeber rund um das Thema Personal. Mehr Infos unter www.arbeitsagentur.de/unternehmen.

Ida-Navigatoren Das Projekt "Ida Navigatoren" wird finanziert durch die vbw-Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und das bayerische Wirtschaftsministerium. Aufgelegt wurde es gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit. Das bbw - Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft e.V. ist für die Umsetzung des Projekts zuständig.

IdA-Praktikums-Plattform Auf der Seite www.sprungbrett-intowork.de des Programms IdA stellen Firmen Praktikumsangebote für Geflüchtete ein. Diese können so einen Arbeitsplatz finden.