Auch eine Woche nach dem großen Regen lassen sich die Hochwasserschäden im Landkreis noch nicht annähernd beziffern. "500 000 Euro, Tendenz steigend", zog Oberhaid Bürgermeister Carsten Joneitis (SPD) am Freitag eine erste vorsichtige Zwischenbilanz für seine besonders betroffene Gemeinde. Die Summe umfasst aber lediglich Mobiliar und andere Einrichtungen in den Häusern. Schäden an den Gebäuden selbst sind bislang ebenso wenig erfasst wie Folgekosten, etwa die Entsorgung beschädigter Öltanks durch Spezialfirmen.

Die Besitzer von 40 bis 50 Anwesen hätten sich bislang bei der Gemeinde gemeldet, so der Bürgermeister. Joneitis berichtet, dass darunter auch Schicksale seien, wie das eines jungen Paares, das praktisch alles verloren habe, nicht in seine Wohnung zurückkehren konnte und nun bei anderen Oberhaidern untergekommen sei. Die Verwaltung wolle in der kommenden Woche weiter Meldungen sammeln, um diese dann an das Landratsamt weitergeben zu können. Derzeit werde zum Beispiel noch geprüft, wie groß der Schaden im Katholischen Kindergarten Maria Hilf in der besonders stark überfluteten Unteren Straße sei.

Bei der Verwaltungsgemeinschaft Baunach verzeichnet man ebenfalls zahlreiche Schadensmeldungen. Vollgelaufene Keller und Garagen, überschwemmte Gärten gab es vor allem in Dorgendorf und Priegendorf. Auch aus der VG-Gemeinde Lauter hätten Bürger Schäden an ihren Anwesen gemeldet - aber oft nur vereinzelt. Die VG-Verwaltung hat deshalb einen erneuten Aufruf zur Schadensmeldung ins Mitteilungsblatt setzen lassen.

In Breitengüßbach bittet die Verwaltung ebenfalls darum, möglichst umgehend Schäden anzuzeigen, denn die Gemeinde ist - wie die anderen - aufgerufen, diese Anfang kommender Woche an das Landratsamt weiterzuleiten. Im Landratsamt ist man derweil bemüht, finanzielle Unterstützung vom Freistaat zu erhalten.

Das bayerische Kabinett hat zwar bereits am 7. Juni ein neues Hilfsprogramm für Hochwassergeschädigte beschlossen, doch ob und wie Geschädigte im Raum Bamberg auf Hilfe aus diesem Topf hoffen können, ist noch unklar. Denn, wie der Abgeordnete Heinrich Rudrof (CSU) dazu ausführt, ist das Programm "gestaffelt nach der Intensität der Schadensereignisse in den betroffenen Gebieten" angelegt. Entscheidend sei, ob es sich um ein Jahrtausendhochwasser, ein 100-jährliches Hochwasser oder eines unterhalb dieser Schwelle handle.


Eine Frage der Berechnung

Als Jahrtausendhochwasser wurde nur das im Landkreis Rottal-Inn eingestuft. Den Geschädigten sollen dort wie beim Donauhochwasser 2013 geholfen werden. Soforthilfeprogramme sollen demnach auch den Betroffenen von 100-jährlichen Hochwasserereignissen zugutekommen. Nach derzeitigem Stand gilt dies für die Stadt Ansbach sowie die Landkreise Ansbach, Neustadt (Aisch)/Bad Windsheim, Weißenburg-Gunzenhausen, Landshut, Straubing-Bogen, Dingolfing-Landau, Kelheim, Passau und Weilheim-Schongau. Für Bamberg wird noch geprüft.

Zuständig für die Einstufung ist das Umweltministerium. Doch wie bewertet man ein Hochwasser, wenn es an den Bächen keine amtlichen Pegel gibt, keine offizielle Wetterstation den Regen misst?

Aus den Niederschlagsdaten des Deutschen Wetterdienstes lasse sich eine Jährlichkeit hochrechnen, erklärt Hans-Joachim Rost vom Wasserwirtschaftsamt Kronach, wo eine andere Abteilung die Berechnung für das Ministerium durchführt. Allein aus den Niederschlagsmengen vom vergangenen Freitag - berichtet wird etwa aus Oberhaid und anderen Orten von mehr als 50 Liter je Quadratmeter - komme man kaum auf ein 100-jährliches Ereignis, stellt Rost fest. "Aber es gibt eine Vorgeschichte: Nach einer Woche mit viel Regen waren die Böden extrem gesättigt. Wasser konnte kaum noch versickern. Alles, was dazu kam, floss sofort und nahezu ungehindert in tiefere Lagen ab." Dieser Faktor müsse in die Berechnung einfließen.

Ob es reichen wird, die Überschwemmungen vom vergangenen Freitag als Jahrhunderthochwasser einzustufen, wird mit darüber entscheiden, wie hoch die Hilfe vom Freistaat ausfällt.