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Bamberg
Stadtrat

Wer regiert nach der Wahl das Bamberger Rathaus?

515 Kandidaten ringen um 44 Mandate im Stadtrat. Die Ausgangslage scheint vor allem für die Grünen günstig. Doch auch die GroKo könnte sich erneuern.
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Spannende Fragten zwei Wochen vor der Stadtratswahl : Gerät die Mehrheit von CSU und SPD ins Wanken? Wie stark werden die Grünen? Welche Rolle spielt der OB-Bonus? Und schafft es  die  AfD?   Micho Haller
Spannende Fragten zwei Wochen vor der Stadtratswahl : Gerät die Mehrheit von CSU und SPD ins Wanken? Wie stark werden die Grünen? Welche Rolle spielt der OB-Bonus? Und schafft es die AfD? Micho Haller

Es sind viele Fragen, die die Stadtratswahl 2020 aufwirft: Wer hat im Bamberger Rathaus künftig das Sagen? Wird der neue oder alte OB wie bisher von einer Großen Kooperationsgemeinschaft aus CSU und SPD (GroKo) gestützt, oder bilden sich völlig neue Konstellationen? Droht angesichts der Vielzahl von Wahlvorschlägen gar eine Fragmentierung der Macht?

Anders als die erstmals zeitgleich stattfindende OB-Wahl sind Prognosen für die Verteilung der 44 Stadtratsmandate ungleich schwieriger. Das hat vor allem mit zwei Trends zu tun: das bundesweite Wachstum der Grünen und die Zersplitterung der so genannten bürgerlichen Parteien. Beide Entwicklungen könnten die gewohnte Bamberger Hierarchie im Rathaus kräftig durcheinanderwirbeln.

Dass die Grünen in Bamberg hinzugewinnen, ist dabei nichts Neues. In den zurückliegenden Wahlen konnte die GAL stets zulegen, zuletzt wurde sie mit acht Stadträten drittstärkste Kraft. Doch dieses Mal starten sie unter ungleich günstigeren Voraussetzungen. Die Bevölkerungsstruktur in Bamberg hat sich gewandelt; die um die 30-Jährigen sind die zahlenmäßig größte Gruppe noch vor den Baby-Boomern. Nicht wenige trauen es den Bamberger Grünen zu, die CSU, die 2014 noch auf zwölf Sitze (27,5 Prozent) kam, als stärkste Fraktion abzulösen.

Der zweite Trend, der das Rennen in Bamberg spannend und Prognosen unsicher macht, ist die Vermehrung der Kandidaten jenseits großer Parteien. Ein Rekord ist der Stadtratswahl deshalb schon heute sicher: Mit 515 Bewerberinnen und Bewerbern streben mehr Menschen als je zuvor eines von 44 Mandaten an, die Bamberg zu vergeben hat. Mit 14 Listen ist die Auswahl gleichzeitig bunter denn je. Freilich lässt sich an einer Hand abzählen, dass das Getümmel auf dem rund 1,30 Meter breiten Monster-Wahlzettel, dazu führen wird, dass die Großen kleiner und die Kleinen mehr werden. Das hat auch mit dem neuen Berechnungsverfahren der Sitzverteilung zu tun, das auch die kleineren Gruppierungen voll berücksichtigt. Um einen von 44 Stadtratssitzen zu erhalten, genügen in Bamberg gerade zwei Prozent.

Damit könnte es sein, dass 2020 nicht mehr nur drei Einzelkämpfer (Bamberger Realisten, FDP, Bamberger Linke Liste) im Rathaus sitzen wie 2014, sondern ungleich mehr. Zumal mit der AfD, mit Bambergs Mitte, der Partei, mit ÖDP und Volt etliche Gruppierungen antreten, die 2014 noch nicht dabei waren.

Was bedeutet das für die praktische Politik im Rathaus? Der künftige Chef der Verwaltung steht bei seinen politischen Initiativen und Entscheidungen möglicherweise einem noch nicht dagewesenen Flickenteppich von mittleren, kleinen und kleinsten Gruppierungen gegenüber. Sollte es nicht gelingen, in diesem Gemischtwarenladen Kooperationen zu schließen, könnten Mehrheitsfindungen zum schwer berechenbaren Kraftakt werden.

Spannung verspricht deshalb die Frage, ob sich angesichts dieser Voraussetzung die Große Kooperationsgemeinschaft aus CSU und SPD 2020 noch einmal erneuern kann und welche Rolle die Grünen bei der Wahl des Zweiten und Dritten Bürgermeisters spielen, falls es letzteren geben sollte. Ungewohnt ist das feine Austarieren der Machtbalance zwischen zwei Lagern aber nicht. Bereits 2014 bedurfte es einiger Anstrengungen, um CSU-Stadtrat Christian Lange mit 24 Stimmen zum Bürgermeister zu küren. Peter Gack von den Grünen unterlag damals knapp.

Erstmals wirbt Andreas Starke (SPD) nicht nur als OB-Kandidat um die Gunst der Wähler, sondern tritt auch als Erstplatzierter der SPD-Liste in Erscheinung. Klar, dass sich die SPD von einem amtierenden Oberbürgermeister hohe Zugkraft für ihre Liste verspricht. Was ein Wählerliebling reißen kann, zeigte 2014 Norbert Tscherner (BBB), dessen Ergebnis drei Kollegen mit ins Rathaus zog.

Zuletzt: Sollte es die AfD am 15. März in den Stadtrat schaffen, könnte das in Bamberg für Turbulenzen nach Thüringer Art sorgen. Denn angesichts der unklaren Mehrheiten wird es bei den anstehenden Bürgermeisterwahlen auf jede Stimme ankommen.

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