Der Dienstag war erst zehn Minuten alt, als Ingo Hagemeister von seiner Dachterrasse in der Schützenstraße den Blick nach oben richtete. Und etwas sah, das ihn schwer beeindruckte: "Ich habe einen Feuerball am Himmel gesehen. Er war in Richtung Nordnordwest für circa zwei Sekunden deutlich sicht- und hörbar." Hagemeister meldete seine Beobachtung dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und dem Arbeitskreis Meteore e.V. Zugleich wundert er sich: "Bin ich denn der einzige, der das gesehen hat? In dieser lauen Sommernacht waren doch sicher noch viele draußen."

Auch Weltraumschrott leuchtet

Eine Anfrage bei der Bamberger Sternwarte liegt nahe. Doch diese Außenstelle der Uni Erlangen teilt mit, dass dort in der Regel "leider keine nächtlichen Himmelsbeobachtungen" gemacht werden. Auch Frank Fleischmann von der Sternwarte Feuerstein in Ebermannstadt muss passen. Er weiß aber, dass derzeit wieder eine gute Zeit für nächtliche Himmelsbeobachtungen sei. "Sternschnuppen sieht man jetzt häufig. Die Erde fliegt durch Schwärme von Meteoroiden, von denen man manchmal zehn, manchmal 10 000 pro Stunde sehen kann." Mit den bekannten Perseidenschwärmen, die Mitte Juli beginnen, nimmt die Zahl der Sternschnuppensichtungen noch einmal zu. Von den meisten bleibe aber nur ein bisschen Staub, wenn sie in die Atmosphäre eintreten. "Meist handelt es sich um Brocken, die seit der Entstehung des Sonnensystems unterwegs sind und nun zufällig unsere Bahn kreuzen", weiß Fleischmann. Gelegentlich verglüht auch ein Stück Weltraumschrott, dass dann aufgrund des hohen Kupferanteils ein blaugrünes Licht erzeuge. Ingo Hagemeister habe mehr als nur eine Sternschnuppe gesehen: "Das war irgendwie viel größer und auch relativ nah, ein richtiger Feuerball." Auch ein Rauschen habe er gehört.

"Zur genannten Zeit liegt mir keine Sichtung vor, die mit der bei Ihnen eingereichten Beobachtung zusammen passt", sagt Jürgen Rendtel vom Leibniz-Institut für Astrophysik in Potsdam, Rendtel gehört auch dem Arbeitskreis Meteore e.V. an. "Es gab in der Nacht eine helle Meteorerscheinung um 1.37 Uhr. Diese wurde von einer Kamera von Paderborn aus aufgezeichnet, was von der Richtung her grob zu dem Bericht passen würde."

Rendtel selbst habe diesen Meteor von Potsdam aus recht tief am Westhimmel beobachtet. "Die Helligkeit war auffallend, aber nicht außergewöhnlich." Für einen Beobachter, der die Feuerkugel im Zenit sah, der sich also am dichtesten an der Bahn befand, sei die Helligkeit sicher deutlich heller als die Venus gewesen, aber nicht etwa mit dem Halbmond in der selben Nacht vergleichbar.

In diesem Fall seien auch Schallwahrnehmungen sehr unwahrscheinlich. Synchronschall (der also gleichzeitig mit der Lichterscheinung feststellbar ist) trete erst bei sehr hellen Feuerkugeln auf. "Normaler Schall" breite sich hingegen sehr viel langsamer aus - bei einem Abstand von etwa 80 Kilometer würde der Schall laut Rendtel nach circa vier Minuten eintreffen.

Im Forum des Arbeitskreises Meteore meldet sich kurz darauf Hermann Koberger aus Fornach in Oberösterreich. Er hat am 25. Juni um 0.10 Uhr eine helle Feuerkugel fotografiert. War es die, die auch Hagemeister über Bamberg gesehen hatte? "Spontan würde ich sagen, meine Beobachtung war schon so nah und niedrig, dass sie von Oberösterreich nicht zu sehen war. Die Richtung könnte aber stimmen", sagt der Bamberger. Und schickt zur Anschauung ein Bild aus dem Internet, das so ähnlich wie seine Sichtung aussehe. Es zeigt eine um ein Vielfaches nähere und entsprechend größere Feuerkugel.

Erinnerung an Heiligenstadt

Also doch ein anderer Himmelskörper als der zu dieser Zeit von Österreich aus fotografierte? Das lässt sich wohl nicht abschließend klären. Es sei denn, es melden sich im Nachgang weitere Augenzeugen.

So war es auch vor ziemlich genau einem Jahr: In der Nacht vom 29. auf den 30. Juni 2018 soll ein kleiner Meteorit in der Nähe der Marktgemeinde Heiligenstadt heruntergekommen sein. Kameras der tschechischen Akademie der Wissenschaften hatten eine knapp sechs Sekunden lange vollmondhelle Feuerkugel festgehalten.

Nach Auskunft des DLR-Feuerkugelnetzes war damals ein circa 16 Kilogramm schwerer Meteoroid unter recht steilem Winkel mit einer Geschwindigkeit von 67 000 Stundenkilometern in die Erdatmosphäre eingedrungen. Dabei erzeugte er eine Feuerkugelspur, die in 85 Kilometern Höhe begann und in einer Endhöhe von 32 Kilometern verlosch. Der kosmische Körper verlor auf der 90 Kilometer langen Leuchtbahn einen Großteil seiner Masse. Nur ein etwa 50 Gramm schweres Hauptstück, so groß wie ein Tischtennisball, und einige Fragmente könnten nach der damaligen Auskunft von Dieter Heinlein, dem technischen Leiter des DLR-Feuerkugelnetzes, den Erdboden erreicht haben.