Das Coaching beim Basketball erfordert vollen Körpereinsatz. Es wird gefuchtelt, die Finger verbogen und ausladend gestikuliert. Chris Fleming, Trainer der Brose Baskets, ist ein Musterbeispiel dafür - ein emotionaler, aber dennoch kontrollierter Vertreter seiner Zunft. Die nonverbale Kommunikation beschränkt sich aber nicht nur auf rein taktische Anweisungen, jeder Mensch sendet durch seine Körpersprache Signale, ob er möchte oder nicht.
"Als Mensch wollen wir wirken. Und gerade Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wissen um diese Ausstrahlung. Es sind aber diese Sekunden, in denen man sich unbeobachtet fühlt, an denen wir einiges ablesen können", sagt Michael Ehlers, Rhetorik-Trainer und Kommunikations-Experte aus Bamberg.

Wie ein Trainer sich an der Seitenlinie verhält, ob er aggressiv oder ruhig agiert, ob er pessimistisch oder zuversichtlich handelt - all das überträgt sich in der Regel auch auf Mannschaft und Fans. Wer beispielsweise schon mit hängenden Schultern in die Arena einläuft, gibt seinen Mitstreitern natürlich nur wenig Zuversicht in die eigene Leistungsstärke. "Die Körpersprache ist viel älter als die Sprache des Mundes oder gar der Schrift. Heutzutage deuten Wissenschaftler sogenannte Mikroausdrücke. Das sind kleine mimische Muskelzuckungen, die in nur einer Fünftelsekunde eine Emotion widerspiegeln: Freude, Angst, Ekel, Wut, Überraschung, Trauer oder Verachtung", sagt Ehlers.

Wirkung der Körpersprache wichtig für Fan, Mannschaft und Gegner

Körpersprache und Ausstrahlung ist in jedem Mannschaftssport elementar, bei den Basketballern der Brose Baskets aber besonders. Dort sorgt alleine schon der lautstarke Anhang dafür, dass die eigene Stimme nach wenigen Metern von den zahlreichen Trommeln erbarmungslos verschluckt wird. Umso wichtiger ist die Präsentation des eigenen Ichs. "Die Wirkung auf das Umfeld - Mannschaft, Fans, aber auch Gegner - ist enorm. Der Trainer als Bezugsperson strahlt natürlich auch aus, ob die Zuversicht echt ist oder nicht."

Freitagabend, vergangene Woche, Bundesliga-Heimspiel gegen Oldenburg. Dass diese Partie für Fleming und die Brose Baskets mit einer 75:82-Niederlage enden wird, ist dem Coach da noch nicht anzusehen: Hände fest in die Hüfte gepresst, Brust raus, Kopf nach oben gereckt, optimistisches Lächeln. Was Fleming ausstrahlt, unmittelbar vor dem Tipp-Off, ist die absolute Zuversicht.

Fleming, ein Trainer wie er im Buche steht

"Fleming führt stark mit Gesten und wirkt immer positiv - ein Trainer, wie er im Buche steht. Doch wenn seine Spieler ihn enttäuschen, seinen Erwartungen nicht gerecht werden, ist auch bei ihm zu sehen, was in ihm vorgeht. Denn wir können die wahren Emotionen eben nicht verstecken", sagt Ehlers. Auch Chris Fleming kann das nicht. Und wenn er wütend wird, sieht man es ihm auch an. Je weiter das Spiel gegen Oldenburg voranschritt, je geringer die Aussicht auf einen Sieg war, desto angespannter und unzufriedener wirkte auch der Brose-Coach. Enttäuschung ist bei Fleming ideal an seinen Schultern abzulesen, die Körperspannung nimmt dann rapide ab, die Schultern hängen - und die Arme baumeln nur herunter. "Eigentlich ist er gegen eine solche Reaktion chancenlos, das passiert automatisch. Fleming aber ist ein grundpositiver Mensch mit einer enormen Fachkenntnis, er findet nach jeder Enttäuschung zu einem Plan und baut sich sofort wieder auf", sagt Ehlers. Nicht nur sich. Auch seine Mannschaft richtet er wieder auf. Zwar ging das Oldenburg-Spiel in die Binsen, doch in zwei Auftritten danach (82:71 beim Mitteldeutschen BC und 88:68 gegen Bonn) durften die Brose Baskets jeweils mit breiter Brust das Parkett verlassen - genau so, wie sich Gewinner eben präsentieren.