"Denn der schönste Ort der Welt ist immer zu Hause - und zu Hause war immer auch hier . . ." Mit der Gitarre im Arm singt Max Kennel allen Franken aus der Seele, die um den Morph Club trauern. Und was ließen sich Freunde der Alternativkultur in den vergangenen Tagen nicht alles einfallen, um für den Fortbestand der Kultlocation zu kämpfen. Mahnwachen wurden veranstaltet, deren Organisatoren "Zeichen setzen" wollen. Die "Rettet-den-Morph-Club-Gemeinschaft" sucht via Facebook nach einem Ausweg, um das Kulturprogramm nicht sang- und klanglos sterben zu lassen. Und tatsächlich ist die Gefahr groß, dass Bands, DJs und andere Künstler abwandern, die sich längst auch jenseits regionaler Grenzen profilierten.


Wohin mit der Volxmusik?

Nehmen wir den Antistadl, der Karl Moik & Co. vor elf Jahren vom Morph Club aus erstmals den Marsch blies.
Zu Pionieren der progressiven Volksmusik, wie sie heute quer durch die Republik erklingt, wurden diverse Bands um David Saam: "Jetzt sind wir heimatlos und müssen mit dem Antistadl vermutlich in eine andere fränkische Stadt ziehen", sagt der Frontmann diverser Formationen wie auch dem Kellerkommando. In andere Bamberger Locations auszuweichen, käme kaum in Frage. "Wir brauchen ja eine Spielstätte, die den Geist der alternativen Kultur atmet und das entsprechende Publikum anzieht." Letztendlich hofft Saam darauf, dass Entscheidungsträger der Welterbestadt noch rechtzeitig reagieren statt "alles den Bach runtergehen zu lassen, was sich in 15 Jahren um den Morph Club entwickelte". Bestrebungen, ein neues Kulturzentrum zu schaffen, könnten aufleben. "Sonst tut mir die nächste Generation jetzt schon leid, die ohne all das aufwächst, wofür der Morph Club stand."

Von einer Art Schockstarre, aus der er langsam erwacht, spricht DJ Kermit. Sieben Jahre lang präsentierte er mit Mighty Mike und DJ Bustle im Morph Club den Greenclub als etablierte HipHop-Partyreihe. So steht der Veranstalter jetzt vor dem gleichen Problem wie die Protagonisten des Antistadls. "Einige Diskotheken- und Clubbetreiber sprachen uns schon an, ob wir künftig nicht bei ihnen auflegen möchten", meint Kermit. Allerdings kamen die Locations nicht in Frage, nachdem sie von den Räumlichkeiten oder vom Konzept her den Vorstellungen der DJs widersprachen. In den Sternen steht damit auch die Zukunft des Greenclubs. Während das "Rex-Report"-Team, das für Punkrock-Fans hinter den Reglern stand, sämtliche Offerten gleich sterben ließ: Einige Abschiedsworte widmeten die DJs auf Facebook noch dem Morph Club: "15 Jahre waren wir zusammen. Du hattest immer ein Herz für alternde Punkrocker. Jetzt ist Stille. R.I.P."


"Die Leere momentan nicht füllen"

Und wie geht's mit dem Bamberger Poetry Slam weiter, dessen Wiege ebenfalls im Morph Club stand? Von einer "großen Leere" spricht Christian Ritter im Netz unter Bamberg ist Slamberg. Dabei gibt's "viele Locations in der Stadt, die gerne den Poetry Slam hätten". Zumal sich "Slamberg" schon nach der Jahrtausendwende zur Hochburg der Bewegung entwickelte und dementsprechend positionierte. Aber, so der Veranstalter weiter: "Ich will die Leere momentan nicht füllen. Ich will jetzt nicht entscheiden, wo und wie es weitergehen soll. Das wird es irgendwann und irgendwo, nur hat das Zeit." Auch dann werde man den Slam allerdings kaum in den gewohnten Dimensionen weiterführen können, so Ritter noch abschließend.

Vielleicht findet sich noch ein Betreiber oder gemeinnütziger Verein, um die alternative Kultur im Sinne des Morph Clubs weiterleben zu lassen (eine Idee unter vielen auf "Rettet den Morph Club"). Vielleicht ziehen DJs und andere Künstler ohne feste Spielstätte wieder von Ort zu Ort: Schließlich waren das die Anfänge des Morph Clubs vor der Jahrtausendwende, bevor er in der Siechenstraße seßhaft wurde. Nur eines sollte man vermeiden: Das gemeinsame Ziel leichtfertig aufzugeben.