Der 39jährige Stefan Borrmann aus Burgpreppach ist eigentlich kein Weltenbummler. So reifte der Entschluss, einmal einen größeren Fußmarsch zu unternehmen, viele Jahre in ihm. Den Westfalen, 1975 in Werl geboren und gelernter Orgelbauer, verschlug es 1997 nach Hofheim, wo er die Altenpflegeschule besuchte und den Abschluss als Altenpfleger ablegte. Seine Arbeitsstelle fand er nach der Ausbildung in der ambulanten Pflegestation Haßberge bei Burkhard Schober in Königsberg. In Burgpreppach wohnt er jetzt mit seiner Freundin Petra zusammen.

Die Abenteuerlust ließ Borrmann schließlich im Juni 2012 seinen Arbeitsvertrag lösen, um sich von Birkach aus, dort wohnte Borrmann damals, auf die Pilgerreise nach Jerusalem zu begeben. Über das Pfarramt Hofheim bezog er von der Jakobs-Bruderschaft einen Pilgerpass, der ihm in der Folge mehrmals den Weg ebnete.
Was Borrmann damals noch nicht wusste: So ein Unternehmen kann auch sehr anstrengend werden. 3800 Kilometer reiner Fußmarsch warteten auf den Haßbergler. Nachdem nun über ein Jahr seit seiner Rückreise vergangen ist, kann Borrmann das Fazit ziehen, dass es sich gelohnt hat.

Große Gastfreundschaft

Im Sommer 2012 auf Reise gegangen, dauerte es bis zum 12. Dezember, dass er mit Gleichgesinnten in Jerusalem, dem Zentrum von Judentum und Islam, in den Judäischen Bergen zwischen Mittelmeer und Totem Meer gelegen, einzog. Sechs Monate hatte der Fußmarsch gedauert, bei dem der Burgpreppacher Land und Leute, aber auch Blasen an den Füßen kennenlernte. Borrmann beeindruckten besonders die große Gastfreundschaft und das Vertrauen, dass ihm in den verschiedenen Kulturen entgegengebracht wurde.

Manche Strecke musste der Burgpreppacher nicht alleine laufen, denn er konnte sich Gleichgesinnten anschließen. In der Türkei stieß sein Arbeitgeber Burkhard Schober zu ihm und wanderte eine Woche auf dem Pilgerweg mit. In Antalya am Mittelmeer in der Türkei begegnete Borrmann zum Beispiel Matthias und Anke aus Dresden, mit denen er heute noch Kontakt pflegt und die er in den nächsten Wochen besuchen möchte. Auch Mitpilger aus London traf er unterwegs, die er an Ostern besuchen wird. Borrmann: "Auf meinem Pilgerweg habe ich immer wieder Menschen getroffen, die das gleiche Ziel wie ich hatten." Borrmann war auf seiner Pilgereise erstaunt, dass es gar nicht um die Konfession geht, sondern jeder das gleiche Ziel, das Erreichen eines Pilgerortes, hat. Ohnehin stellte er bald fest, dass es bei Pilgerreisen "nicht auf Konfessionen ankommt".

Es gab aber auch Enttäuschungen. So zum Beispiel, als ihm in Griechenland eine wilde Hundemeute entgegenkam und er sich mit einem Hechtsprung über die Leitplanke in Sicherheit bringen wollte. Ein tiefer Riss am Schienbein zwang Stefan Borrmann zu einigen Tagen "Zwangsurlaub".

Eine Zugabe zum Schluss

Eine große Überraschung dann, als sie das Mittelmeer erreichten und feststellen mussten, dass die Fähre nach Zypern eingestellt war. Nach einem Umweg nach Tasuco konnten sie endlich die Insel erreichen, mussten dann aber mit dem Flugzeug ins gelobte Land, nach Haifa, denn Fähren fuhren keine mehr. Um vom früheren Kreuzfahrerhafen Akko aus, wo die Fähre anlaufen sollte, die Pilgerfahrt weiterzuführen, musste ein Umweg in Kauf genommen werden. Am 12. Dezember konnten die drei in Jerusalem einlaufen und waren stolz, so eine weite Strecke gelaufen zu sein. Die Besichtigung der Heiligen Stätten wie Klagemauer, Garten Gethsemane, Ölberg und Tempelberg mit Felsendom sowie ein Kurzurlaub am Toten Meer beendeten die anstrengende Pilgerreise.
Als Borrmann später wieder in den Haßbergen weilte, pilgerte er noch zu seinem Geburtsort Werl in Westfalen, um dann die gesamte Strecke von seinem Geburtsort ins Heilige Land gelaufen zu sein.