Unvergessen ist der vor drei Jahren verstorbene Bildhauer Reinhardt Klesse, der sich selbst immer bescheiden als "Handwerker" sah. Unvergessen auch deshalb, weil es gar nicht so leicht ist, ihn zu vergessen. Denn seine Skulpturen schmücken nicht nur Bamberg. Stellvertretend sei der bronzene Hoffmann samt Kater Murr vor dem Theater genannt oder die Büste Joseph Keilberths in der Konzerthalle.
Ein besonderes Verhältnis hatte Klesse immer zur Hoffmannsklause in Bug, jenem Künstlerrefugium vor den Toren der Stadt an der Regnitz, das heute ein weitläufiger Campingplatz umgibt. Fast zum zweiten Wohnsitz wurde die Hoffmannsklause, eng befreundet war Klesse mit Peter Hoffmann, und so stehen heute noch und wohl für immer etliche Klesse-Figuren am Ufer der Regnitz. Es sind treuherzige Figuren, urfränkisch, Zeugen einer ländlich-handwerklichen Vergangenheit, die größtenteils längst verschwunden ist.
Doch Reinhardt Klesse hat Wiedergänger aus der eigenen Familie. Sechs Kinder hatte er, und siehe, auf einmal ist ganz unverhofft noch ein Sohn aufgetaucht, Andreas Wagner aus Berlin, über 50 mittlerweile, der kurioserweise auch Bildhauer geworden ist. Holzbildhauer allerdings. Zusammen mit anderen Klesse-Nachkommen ist nun in der Hoffmannsklause eine Werkschau "Viermal Klesse" zu sehen, die am Sonntagvormittag um 11 Uhr eröffnet wird.
Das Gros der Arbeiten stammt von Reinhardt Klesses Sohn Christoph Klesse, der in Viereth eine Werkstatt für Steinrestaurierung betreibt. Ein gestiefelter Kater stammt von ihm und ein Zyklus von Figuren nach den Sternzeichen, alle handwerklich perfekt gearbeitet mit überraschenden, originellen Einfällen. Einen Wassermann hat er in die Badewanne gesetzt oder ein Löwenpärchen geschaffen: Sie mit Löwenkopf wie der berühmte Löwenmensch von der Schwäbischen Alb, allerdings mit üppigen Brüsten, er mit Löwenmähne und leicht katzenartigen Gesichtszügen. Die Waage ist bestückt mit Elefanten - der kleine wiegt schwerer -, der Skorpion ist eine verführerische Schönheit mit Stachel.
Nicole Hülswitt, Tochter Klesses, arbeitet filigraner und mit anderem Material: Pappmaschee. Ihre witzigen Figuren sind in Indoor-Vitrinen ausgestellt. Zoomorphe Musiker sind es oft, eine boteroähnliche Liegende mit Mops - Reinhardt Klesse liebte diese Tiere -, ein Fuchs mit Schirm und eine Ente mit Baskenmütze, jenem in den fünfziger und sechziger Jahren unentbehrlichen Utensil der Künstler und sich als kritisch verstehenden Intellektuellen.
Andreas Wagner schließlich hat eine Holzbüste beigesteuert, einen Frauenkopf. Eine Ausstellung, die sich gut mit einem Ausflugstipp kombinieren lässt.