"Eine hochinteressante Klientel" nennt Bambergs Tourismusdirektor Andreas Christel die Urlauber, die mit dem Wohnmobil anreisen. Wer sich so ein rollendes Eigenheim leisten kann, das schon mal 100 000 Euro und mehr kostet, der gebe auch unterwegs Geld aus.
"Da ist schon eine Küche drin. Aber da wird nicht gekocht." Das seien Leute, die gern essen gehen und auch Veranstaltungen besuchen, so der Chef des städtischen Tourismus- und  Kongress-Service' (TKS).

Tatsache ist: Bamberg erfreut sich bei Wohnmobil-Reisenden weiterhin wachsender Beliebtheit. Das belegt die Auslastung des Stellplatzes am Rhein-Main-Donau-Damm, der von Jahr zu Jahr steigende Nutzerzahlen aufweist: 2013 wurden 5026 Fahrzeuge gezählt, 2014 schon 6138, 2015 stieg die Zahl auf 6527.

Vier Jahre nach der Inbetriebnahme übertrifft die Resonanz bereits die Erwartungen der Stadtwerke GmbH, der Betreiberin der Anlage. Sie ging von etwa 6000 Fahrzeugen pro Jahr aus.
Die Aufwärtsentwicklung scheint sich 2016 fortzusetzen. Seit Beginn der Osterferien und damit der Reisesaison sind die 25 Plätze wieder nahezu täglich voll.

Camping liege im Trend und Bamberg erfahre immer mehr Zuspruch. Das hören wir auf Nachfrage auch von Familie Hoffmann, die seit Jahrzehnten den Campingplatz in Bug unterhält. Ihre Sorge, dass die Stadtwerke ihnen spürbar Konkurrenz machen würden, erwies sich als unbegründet. "Wir sind in der Saison trotzdem voll", berichtete Daniela Hoffmann. Zu Ostern sei man gut gebucht gewesen und an verlängerten Wochenenden seien auch in Bug meistens die Kapazitäten erschöpft.

Erweiterungsmöglichkeiten haben die Stadtwerke am Rhein-Main-Donau-Damm keine. Unternehmenssprecher Jan Giersberg verweist auf den Parkplatz am "Bambados", auf den Wohnmobil-Fahrer ausweichen könnten. Sie seien dort willkommen. Allerdings gibt es keinerlei Infrastruktur, weder Entsorgungsmöglichkeiten noch Frischwasser. Beides steht am Rhein-Main-Donau-Damm zur Verfügung.

Tourismusdirektor Christel bejaht die Frage, ob Bamberg weitere Stellplätze für Wohnmobile benötigt. Er spricht von einem Nachfrage-Überhang. Der werde auch nicht durch die Anlagen wettgemacht, die es inzwischen in vielen Landkreis-Gemeinden gebe.

Könnte er es sich aussuchen, wo ein zusätzlicher Platz angelegt wird, dann sähe Christel ihn gern "irgendwo am Stadtrand, an einer leistungsfähigen Tangente". Idealerweise wäre er an das Radwege- und Stadtbus-Netz angebunden.

Viele WoMo-Besitzer haben Zweiräder huckepack. So wie Karin Martschei und Andreas Reinold aus Duderstadt, die wir vor ihrem Wohnmobil am Rhein-Main-Donau-Damm trafen. Sie hätten die vergangene Nacht in der Nähe an einer Straße verbracht, erzählt das Paar; die Anlage sei leider schon belegt gewesen, als sie eintrafen. Für ihre zweite Nacht in Bamberg hätten sie gerade einen Stellplatz ergattert.

Nadine Schieber, die bei den Stadtwerken für alle Parkierungsanlagen zuständig ist, kennt die Situation in Stoßzeiten: "Wir wissen, dass viele ausweichen, wenn es hier voll ist." Sie berichtet davon, dass die Fahrer manchmal rangieren und näher zusammenrücken würden, so dass manchmal mehr als 25 Wohnmobile Platz finden.

Größere Probleme im Zusammenhang mit "wild" parkenden Wohnmobilen scheint es in Bamberg nicht zu geben. Rathaus-Sprecherin Ulrike Siebenhaar berichtet auf Anfrage von vereinzelten Klagen durch Anwohner, gehäufte Beschwerden seien nicht bekannt. Das einmalige Übernachten am Straßenrand wird von der Verwaltung toleriert.

Man gehe davon aus, so Siebenhaar, dass eine Fahrtunterbrechung und Übernachtung in einem Wohnmobil auf öffentlichem Verkehrsgrund zur Wiederherstellung der körperlichen Fahrtüchtigkeit diene: "Ein einmaliges Übernachten fällt zu diesem Zweck unter den Gemeingebrauch. . . Sofern Wohnmobile also über Nacht auf frei
en Parkplätzen geparkt wurden, blieben diese bisher durch den Parküberwachungsdienst unbeanstandet."
Kontakt mit den Urlaubern hat Nadine Schieber bei ihrer Tätigkeit nicht. Folglich kann sie wenig über die Herkunft der Gäste sagen. Außer, dass es sich um ein internationales Publikum handle. Und: "Zur Sandkirchweih sind die Italiener da."

Worüber sie umso besser Bescheid weiß, ist die Aufenthaltsdauer. Am häufigsten wird am Parkschein-Automaten das Ticket für eine Nacht (12 Euro) gezogen. Allenfalls fünf Prozent blieben zwei oder drei Nächte da. Viele sind wohl auf der Durchreise.

So, wie Oliver Haisler, den wir am Kartenautomaten trafen: Er legte auf der Rückfahrt von Prag nach Hameln einen Halt in Bamberg ein.