In den Anfangsjahren waren vor allem Hauswirtschaftskurse gefragt. In der heutigen Zeit wächst das Angebot an Seminaren, die mit Bewegung oder gesunder Ernährung zu tun haben. "Das erste Sportgerät in den VHS-Kursen war der Teppichklopfer", scherzt Landrat Johann Kalb in seiner Ansprache zum 50. Geburtstag der Volkshochschule (VHS) Bamberg-Land. Irgendwann ist der Bettvorleger der Yoga-Matte gewichen.

Auch berufliche Bildung hat an der VHS immer einen wichtigen Platz eingenommen. Und auch diese hat sich gewandelt im letzten halben Jahrhundert. "Früher standen Steno, Maschinenschreiben und technisches Zeichnen im Programmheft", blickt Kalb zurück. "Später dann Kurse in Word und Excel. Heute geht es meist um die Benutzung von Smartphone und Tablet-Computer."

Schon immer ein Renner waren Fremdsprachenkurse.
Kein Wunder: Bereits vor 50 Jahren wuchs Europa immer mehr zusammen, und die Deutschen entdeckten dank dem Wirtschaftswunder die Freuden des Reisens.

Im Wandel des VHS-Kursangebots spiegelt sich der gesellschaftliche Wandel. Festredner Klaus Meisel, Vorsitzender des Bayerischen Volkshochschulverbandes, bezeichnet die Einrichtungen als "Seismographen für die Bedürfnisse der Bürger": "Sie greifen Themen auf, die gesellschaftlich relevant sind, und sie sind offen für neue Methoden." Und offen für alle Lernbegierigen - ob jung oder alt, ob mit Abitur, Hauptschulabschluss oder ohne Schulabschluss.

Die VHS Bamberg-Land wurde im Jahr 1965 auf Initiative von Landrat Emil Kemmer gegründet. Sie ist eine relativ junge Volkshochschule. Viele andere entstanden schon in den 1920er Jahren oder kurz nach dem Krieg. Bereits in der Bayerischen Verfassung wird Erwachsenenbildung gefordert.

Mit ihren sage und schreibe 101 Außenstellen und rund 1000 Mitarbeitern bringt die VHS Bamberg-Land, die flächengrößte in Bayern, Bildung in die entlegensten Winkel des Landkreises. In der Verwaltung, die beim Landratsamt angesiedelt ist, gibt es neben Leiter Joachim Schön noch sechs Festangestellte. Die Außenstellen dagegen werden von Ehrenamtlichen getragen.

Und dabei werden die Arbeitsbedingungen nicht einfacher. Das SEPA-Lastschriftverfahren, der immer strengere Datenschutz und viele andere Dinge bescheren den Mitarbeitern mehr und mehr Bürokratie. "Manche sind schon seit Jahrzehnten dabei", sagt Joachim Schön. "Sie würden gern aufhören, aber es nicht so einfach, Nachfolger zu finden."

Doch wer genug Idealismus und die nötige Qualifikation mitbringt, kann seiner Kreativität freien Lauf lassen und zum Beispiel regelmäßige Tablet-PC-Kurse in Scheßlitz oder Kochseminare in Burgebrach anbieten. "Es gibt keinen Zwang", sagt Schön. "Man kann alles ausprobieren. Schlimmstenfalls muss eben ein Kurs abgesagt werden."

Mehr als nur Wissensvermittlung

In den Kursen geht es nicht nur um Wissensvermittlung, macht der Leiter der VHS Bamberg-Land deutlich: "Wenn die Leute zehn Wochen lang gemeinsam ihr Selbstbewusstsein trainiert oder eine Sprache gelernt haben, dann entstehen auch Freundschaften. In einer Gesellschaft, in der die Menschen immer mehr vereinzeln, ist das wahnsinnig wichtig."

Schön erwartet zudem, dass im VHS-Alltag in Zukunft auch das Internet eine immer größere Rolle spielen wird. Fernkurse, die über das Netz angeboten werden, und Unterrichtseinheiten über Skype sind in ein paar Jahren vielleicht nichts Ungewöhnliches mehr. Man sieht: Arbeit für die nächsten 50 Jahre gibt es genug.