Bamberg
Missbrauchs-Prozess

Verteidigung von Heinz W.: Gutachter ist befangen

Die Verteidiger des Angeklagten Chefarzt Heinz W. halten einen Sachverständigen für befangen und lehnen ihn ab. Solange dieser anwesend ist, möchte Heinz W. nicht weiter aussagen.
Rechtsanwalt Klaus Bernsmann (rechts) und der angeklagte ehemalige Chefarzt Heinz W. zweifeln daran, dass der Gutachter seine Stellungnahme unvoreingenommen geschrieben hat. Foto: Anna Lienhardt
Rechtsanwalt Klaus Bernsmann (rechts) und der angeklagte ehemalige Chefarzt Heinz W. zweifeln daran, dass der Gutachter seine Stellungnahme unvoreingenommen geschrieben hat. Foto: Anna Lienhardt
Eineinhalb Stunden. Was eigentlich ein kompletter Prozesstag hätte werden sollen, endete nach rund eineinhalb Stunden, verteilt auf den Dienstagvormittag.

Am achten Prozesstag ging es weniger um die Frage der Schuld oder Unschuld von Heinz W. Der 49-jährige Bamberger Chefarzt ist unter anderem angeklagt, zehn Patientinnen betäubt und vergewaltigt zu haben. Vielmehr konnte man als Zuhörer den Eindruck gewinnen, das plötzlich ein ganz anderer auf der Anklagebank sitzt: einer von insgesamt sechs Sachverständigen. Professor Doktor Dieter Patzelt, Gerichtsmediziner aus Würzburg.

Auf ihn hatten es die drei Verteidiger des angeklagten ehemaligen Chefarztes der Gefäßmedizin am Klinikum Bamberg abgesehen. Zwei Anträge gegen den Gutachter warten mittlerweile auf ihre Bearbeitung.

Der erste betrifft Fotos, die Heinz W. vom Intimbereich einiger seiner Patientinnen gemacht hat.
Die Verteidiger des ehemaligen Gefäßchirurgen warfen die Frage auf: Welche Fotos sind die Grundlage für das Gutachten des Sachverständigen? Dieter Patzelt gab gestern an, dass ihm die Kopie von W.s Festplatte mit Digitalfotos in sehr guter Qualität vorgelegen habe.

Zusätzlich habe er ausgedruckte Bilder in den einzelnen Unterlagen in schlechterer Auflösung betrachtet. Genau hier ging Verteidiger Klaus Bernsmann dazwischen: "Das ist jetzt die dritte Erklärung des Sachverständigen zu den Bildern!"

Es folgte ein verbaler Schlagabtausch zwischen Verteidigung und Sachverständigem, an dessen Ende der Zuhörer ratlos zurückblieb: Fotos in welcher Auflösung hat der Gutachter nun seiner Stellungnahme zu Grunde gelegt?

Zweiter Befangenheits-Antrag

Verteidiger Bernsmann brachte am Dienstag gleich noch einen zweiten Befangenheits-Antrag an: Gerichtsmediziner Patzelt sei voreingenommen. Denn: Er sei in seiner gerichtlichen Stellungnahme nicht davon ausgegangen, dass die Handlungen des Angeklagten und die angefertigten Fotos grundsätzlich medizinischer Natur seien.

Das will die Verteidigung aus einem Satz in Patzelts Stellungnahme herauslesen, in dem er schreibt, dass "die Details, auf deren Darstellung Doktor W. bei der Bildfertigung besonderen Wert legte, erst in der Hauptverhandlung" thematisiert beziehungsweise präzisiert worden seien.

Knackpunkt sei die Formulierung "besonderer Wert": Laut des Antrags hat der Gutachter damit von vorneherein ausgeschlossen, die Bilder aus dem Intimbereich der Frauen könnten schlichtweg aus medizinischen Gründen gemacht worden sein. Der "besondere Wert" habe aber darin bestanden, dass Doktor W. die Bilder zu Zwecken der klinischen Phlebologie gefertigt habe. Der Sachverständige habe von Anfang an die Haltung eingenommen, Heinz W. habe "sexuelle Handlungen" vorgenommen.

W. selbst stellte klar: Er sei nicht bereit, in Gegenwart von Dieter Patzelt weitere Angaben zu machen. Der Angeklagte will sich erst wieder äußern, wenn über den Befangenheitsantrag entschieden sei. Zu diesem werden die Vertreter der Nebenklage und die Staatsanwaltschaft nun Stellungnahmen abgeben.

Bereits für den Donnerstag (21. Mai) ist der nächste Verhandlungstag angesetzt. Allerdings ist fraglich, ob er tatsächlich stattfindet oder die Staatsanwaltschaft für ihre Stellungnahme möglicherweise länger braucht. Sollte der Gutachter letzten Endes tatsächlich abgelehnt werden, muss der Prozess möglicherweise neu aufgerollt werden. Denn Patzelt war stets im Gericht anwesend und stellte Fragen - an Doktor W.