Die Gesundheitsminister aller Länder haben kürzlich in einer Resolution klargestellt, dass Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen den Schutz vor Infektionen, aber auch soziale Kontakte benötigen.

Spielräume für mehr Besuche in den Einrichtungen sollen und können nunmehr aufgrund der sich positiv entwickelnden Infektionslage in jedem Heim ausgeschöpft werden. Mit entsprechenden Landesverordnungen wird den Heimträgern die notwendige Sicherheit im Handeln gegeben, so auch in Bayern.

Der VdK-Kreisverband Bamberg fordert, dass diese Spielräume für mehr Besuche nun auch in Stadt und Landkreis in allen Häusern umgesetzt werden.

Dazu äußern sich Kreisvorsitzende Erika Jäger und Geschäftsführerin Udja Holschuh im Interview.

Warum ist eine Lockerung in Pflegeeinrichtungen so wichtig?

Erika Jäger: Anders als in Krankenhäusern leben die Menschen in Alten- und Behindertenheimen dort dauerhaft und soziale Teilhabe ist elementar für die Lebensqualität. Sowohl die Versorgung mit Schutzmaterial wie auch die positive Entwicklung der Infektionszahlen erlaubt und fordert nun eine Normalisierung bei Kontaktmöglichkeiten.

Udja Holschuh: Nach Mitteilung des Bayerischen Pflegeministerium sind Besuche nun grundsätzlich unbeschränkt möglich. Die Besuchsbeschränkungen werden durch individuelle Schutz- und Hygienekonzepte der Einrichtungen ersetzt.

Wird das nicht zu vielen unterschiedlichen Konzepten führen?

Holschuh: Ja, die Regelungen werden auch in der Region Bamberg nicht identisch sein, aber eine Einschränkung der Besuche kann nur dann erfolgen, wenn sie zu einer unzumutbaren Beeinträchtigung des Heimbetriebs führen würde. Wir fordern Konzepte, die gleichermaßen Gesundheitsschutz und soziale Teilhabe umsetzen. Und das für alle Heime der Region.

Die Ausgangsbeschränkung für Heimbewohner ist seit 6. Mai in eine Kontaktbeschränkung umgewandelt. Was bedeutet das?

Jäger: Das Verlassen der vollstationären Einrichtungen der Pflege und von Einrichtungen für Menschen mit Behinderung ist seitdem jederzeit zulässig - auch ohne Vorliegen eines triftigen Grundes.

Konkret heißt das laut dem bayerischen Pflegeministerium, "dass neben dem unbeschränkten Ausgangsrecht die Kontaktaufnahme außerhalb der Einrichtung mit einem sogenannten privilegierten Personenkreis erlaubt ist".

Wer gehört zu diesem Kreis?

Jäger: Dazu zählen Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, Verwandte in gerader Linie, Geschwister und Angehörige eines weiteren Hausstands. Treffen in Gruppen von bis zu zehn Personen sind zulässig. Somit können Heimbewohner mit dem privilegierten Personenkreis beispielsweise gemeinsam spazieren gehen, sie besuchen oder bei ihnen übernachten.

Was fordern Sie nun für die Region Bamberg?

Jäger: Der VdK setzt sich dafür ein, dass in der Region Bamberg in allen Einrichtungen die erweiterten Möglichkeiten der sozialen Teilhabe umgesetzt werden. Unsere Forderungen umfassen sechs Punkte:

1. Möglichkeiten für mehr Besuche werden umgehend in allen Einrichtungen in Stadt und Landkreis Bamberg geschaffen.

2. Alle Träger in Stadt und Landkreis Bamberg entwickeln ihre Konzepte zeitnah dahingehend weiter, dass soziale Teilhabe und Infektionsschutz eine gleiche Wertigkeit haben.

3. Besuchszeiten, z.B. für Spaziergänge, werden nicht nur auf 30 Minuten beschränkt, sondern entsprechend den jeweiligen Gegebenheiten flexibel vereinbart.

4. Das Verlassen der Einrichtung ist möglich.

5. Die Normalisierung der therapeutischen, medizinischen und sonstigen Versorgung wird vorangetrieben.

6. Betreuer und Bevollmächtigte haben ab sofort uneingeschränkten Zugang zu den Einrichtungen, da sie nur dann den Willen ihrer Betreuten erkennen und umsetzen können.

Holschuh: Für die Erstellung individueller Schutz- und Hygienekonzepte ist das Rahmenkonzept des bayerischen Staatsministeriums in Form einer Handlungsempfehlung maßgeblich, das online abrufbar ist.

Was empfehlen Sie Heimbewohnern und Angehörigen, wenn solche Konzepte in den sie betreffenden Einrichtungen ausbleiben?

Holschuh: Grundsätzlich empfiehlt sich zunächst immer die interne Rücksprache bei der Heimleitung oder dem Träger. In einem zweiten Schritt kann die Heimaufsicht von Stadt oder Landkreis Bamberg - je nachdem, wo sich das Heim befindet - eingebunden werden. Wenn keinerlei Klärung herbeigeführt werden kann, besteht zudem die Möglichkeit das bayerische Pflegeministerium über die Situation zu informieren. Der VdK wird ebenfalls weiter ein offenes Ohr für dieses Thema haben. Die Fragen stellte

Michael Memmel.