Schon bei der Definition wird es schwierig. Was Volksmusik ist, darüber gibt es vielfältige Meinungen. Einigkeit besteht in der Abgrenzung zur "volkstümlichen Musik". Das, was Moderatoren wie Carmen Nebel oder Florian Silbereisen im Fernsehen präsentieren, hat mit Volksmusik zunächst einmal nichts zu tun - auch wenn viele es gerne über einen Kamm scheren.

"Weil die Medien volkstümliche Musik unter dem Titel Volksmusik senden, ist das für viele Menschen heute das Gleiche", beschreibt Armin Griebel die Situation. So wie er beschäftigt sich in der Region kaum ein anderer mit dieser Art von Musik. Der Leiter der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik in Uffenheim (Landkreis Neustadt an der Aisch - Bad Windsheim) weiß aus eigener Erfahrung, dass eine Definition nicht leicht ist. "Jeder versteht unter Volksmusik etwas anderes", berichtet er.


Oft ohne Noten

Gleichwohl kann der promovierte Volkskundler Merkmale aufzählen, die dieses Genre von anderen Musikrichtungen abgrenzen. Volksmusik sei eine musikalische Praxis, die vom Mündlichen lebe und oft ohne Schriftkultur auskomme. "Dass man sich auf Tradition bezieht, ist ganz wichtig", sagt Griebel. Wer Volksmusik mache, orientiere sich immer an der Tradition - bewusst oder unbewusst.

Werner Bauer kann diese Sichtweise nur unterstreichen. Der 1. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Fränkische Volksmusik in Mittelfranken nennt als Schwerpunkt der Vereinstätigkeit die Pflege der Musik und des Gesangs sowie die Förderung junger Menschen, die einen Zugang zur traditionellen Volksmusik finden wollen. Rund 950 Mitglieder weist die Arge Mittelfranken auf. Erfasst sind laut Bauer derzeit 130 Musik- und Singgruppen in unterschiedlicher Besetzung sowie 22 Tanzgruppen.

"Früher war Volksmusik generell Tanzmusik. Das war zunächst die einzige Funktion", erklärt Wissenschaftler Griebel. Gespielt worden sei in wechselnden Besetzungen. Ziel: Die Leute zum Tanzen zu animieren. "Am leichtesten fiel das den Blechbläsern. Da reichten oft sieben Personen, um sich Gehör zu verschaffen."

Instrumentalmusik, Gesang und Tanz - auf diesen drei Säulen ruht die Volksmusik noch heute. 24 Volkstanzgruppen seien in Unterfranken registriert, erzählt Reinhard Hüßner, Vorsitzender der dortigen Arge. Insgesamt habe man 312 Vereinsmitglieder, davon 104 aktive Gruppen. "Aber viele Gruppen sind nicht organisiert und daher nicht erfasst", gibt Hüßner zu bedenken. Schließlich gehe es bei dieser Art von Musik nicht um Mitgliederzahlen oder Konzerte, sondern darum, "dass das Volk Musik macht". Die drei Arbeitsgemeinschaften für fränkische Volksmusik finanzieren sich laut Hüßner vor allem über Zuschüsse der Bezirke, daneben über Mitgliedsbeiträge und Spenden.

Musikantenstammtische, Konzertinaspieler-Kurse oder Wirtshaussingen - auch im Bezirk Oberfranken ist eine Arge engagiert dabei, die Volksmusik zu pflegen. 60 bis 80 Veranstaltungen im Jahr zeigen dies. "Die Zahl der Tanzgruppen nimmt leider ab", berichtet Arge-Vorsitzender Bertram Popp. 14 seien es momentan. Hinzu kämen 38 Musik- und 20 Gesangsgruppen, die in Oberfranken registriert seien. Insgesamt zählt die Arge laut Popp knapp 280 Mitglieder.

Bleibt abschließend die Frage, ob es typische fränkische Volksmusikinstrumente gibt. Griebel verneint. Er nennt als Gegenbeispiel das Alphorn. Das sei keineswegs auf die Alpenregion beschränkt, sondern als (kürzeres) Hirtenhorn in ganz Europa verbreitet gewesen. Die Alphornbläser aus der Rhön werden es gerne hören.