Bamberg Tierschutz hat immer etwas mit Emotionen zu tun - das betont Liebhard Löffler, Vorsitzender des Tierschutzverein Bamberg e.V., im Gespräch immer wieder. "Das Wohl des Tieres steht im Mittelpunkt unserer Arbeit. Nicht das, was wir für das Beste erachten", stimmt Elke Pohl, Leiterin des Tierheims Berganza zu.

Die beiden haben in ihrer Zeit im Bamberger Tierheim schon einige Geschichten erlebt, die ihnen vor Augen geführt haben, wie wichtig es ist, auch auf die Bedürfnisse der Tiere einzugehen. Ein Beispiel, das besonders in Erinnerung geblieben ist, ist das von Nero. Der Hund lebte acht Jahre in einem Erdloch mit einem eingewachsenen Halsband an der Kette. "Das Tier kam total verwahrlost und verängstigt zu uns", erinnert sich Pohl. Vor allem vor Männern und anderen Hunden hatte Nero Angst und ließ diese nicht an sich heran. Doch dann kam Robert, ein "Gassigeher" des Heims. "Es war Liebe auf den ersten Blick zwischen den beiden. Auch wenn es sich beide erst einmal nicht eingestehen wollten", so Pohl. Nach monatelanger Annäherung beschloss Robert Nero aufzunehmen. Heute lebt Nero mit seinem Besitzer auf einer Ranch in den USA.

Positive Geschichten motivieren

"Solche positiven Geschichten motivieren uns bei der täglichen Arbeit", erklärt Elke Pohl. Die Leiterin des Heims ist seit einem Jahr im Tierheim Beganza tätig. Aber auch andere Geschichten sind in Erinnerung geblieben. Zwei Geschwisterhunde, die im Wald ausgesetzt worden waren und nur durch Zufall gerettet wurden - in den mehr als zehn Jahren, in denen Liebhard Löffler für den Tierschutzverein tätig ist, haben sich viele Geschichten ereignet, die im Gedächtnis bleiben.

Um solche tragischen Geschichten zu vermeiden, achtet das Tierheim bei der Vermittlung von Tieren genau darauf, an wen sie die Tiere abgeben. "Bei Katzen wird darauf geachtet, dass sie Freigang haben. Aber letztendlich hängt alles vom Tier ab. Das müssen wir ganz individuell entscheiden", erklärt die Tierheimleiterin die Anforderungen für eine Vermittlung.

Anstieg an Kleintieren & Exoten

Eine Entwicklung, die Löffler und Pohl Sorgen bereitet, ist die starke Zunahme an Exoten. "Es ist unverantwortlich. Zum Teil sind die Tiere giftig und somit auch für unsere Mitarbeiter gefährlich." Ein weiterer Trend, den Liebhard Löffler in den vergangen zehn Jahren feststellen konnte, ist, dass immer mehr Kleintiere abgegeben werden. "Obwohl wir darauf aufmerksam machen, dass diese nicht verschenkt werden sollen, haben wir in den letzten zehn Jahren eine Zunahme um das zehnfache festgestellt."

Die Kleintierabteilung des Tierheims ist eine von dreien. Hier leben Hasen, Kaninchen, Meerschweinchen und Co. Um eine vorschnelle Abgabe der Tiere zu vermeiden, haben sich die Mitarbeiter des Tierheims etwas besonderes einfallen lassen. Das "Kleintierstandesamt" soll überforderten Tierhaltern helfen, ihre unverträglichen Tiere gesellschaftsfähig zu machen. Hier werden Tiere vergesellschaftet, um auch zu Hause dann gemeinsam mit anderen Tieren gehalten werden zu können.

Hochbetrieb in Sommermonaten

Momentan herrscht Hochbetrieb im Katzenhaus. Gerade im Sommer sind viele Jungkatzen dort untergebracht. Bis zu 150 Stück sind teilweise in Pflegestellen. "Die Katzenbabys lassen sich besonders gut vermitteln." Dabei betont Pohl das Wort vermitteln. "Wir verkaufen hier keine Tiere - das würde dem Wert des Tieres nicht gerecht werden. Wir erheben lediglich eine Schutzgebühr - die deckt die Kosten aber bei weitem nicht. Hätten wir keine Spender, könnten wir das hier nicht betreiben."

Im Jahr sind circa 1300 Tiere im Tierheim. Manche sind nur wenige Tage da, andere mehrere Jahre. Ein solches Beispiel ist der Hund Jacky. Er lebt bereits seit zwölf Jahren im Bamberger Tierheim.

Moderne Ausstattung

Besonders stolz sind Pohl und Löffler auf den Anbau mit einer Tierarztpraxis und einer Quarantänestation. "Jetzt können wir auch vor Ort etwas für unsere kranken Tiere machen. Das hat den Vorteil, dass die Tierärztin die Tiere jeden Tag sieht und somit die Entwicklung besser beurteilen kann", erklärt Löffler. Für die Zukunft plant das Tierheim einen Tierfriedhof auf dem Nachbar-Grundstück. Hier haben alle Bamberger Tierbesitzer die Chance, sich von ihren Tieren zu verabschieden.
Beim Rundgang durch das Heim fallen an den Wänden immer wieder selbstgebastelte Collagen auf. "Die Bilder kriegen wir von vielen unserer Tierbesitzer", erzählt Pohl mit einem Lächeln. "Dass sie uns an der Entwicklung und Leben ihrer Tiere teilhaben lassen, ist die größte Anerkennung, die wir für unsere Arbeit bekommen können."