Horst Feulner ist in diesen Tagen der einsamste Mitarbeiter des so genannten Konzerns Stadt Bamberg. Nur noch eine Auszubildende hält zusammen mit dem Geschäftsführer der Arena Betriebs GmbH die Stellung in der Mußstraße, im Obergeschoss der Konzerthalle. Alle 55 Mitarbeiter von drei Gesellschaften, die sich um die Vermarktung, Verwaltung und Gastronomie der Arena, der Konzert- und Kongresshalle sowie der Harmoniesäle kümmern, sind mittlerweile in Kurzarbeit, die Stimmung liegt am Boden: "Es ist schon verdammt schwer mit anzusehen, wie das, was man über Jahre hinweg aufgebaut hat, nun in so kurzer Zeit zwischen den Fingern zerrinnt. Das ist eine Katastrophe."

Noch vor wenigen Wochen schien dieses Szenario undenkbar. Jahrelang war es Feulner gelungen, den lange Zeit defizitären Betrieb der drei Bamberger Veranstaltungsstätten aus dem Minus herauszuhalten. In der Arena schafften es er und sein Team sogar zu einem kleinen Plus. Doch nun rutscht der Betrieb unweigerlich in die roten Zahlen. 2020 wird sehr wahrscheinlich mit einem sechsstelligen Minus abschließen.

Das ist kaum noch zu vermeiden, nachdem am 12./13. März die letzte Veranstaltung stattfand und auf absehbare Zeit Umsätze ausbleiben. Selbst für die Zeit nach Ende August sieht es derzeit mau aus: "Können Sie sich Veranstaltungen mit 7000 Besuchern vorstellen?", fragt Feulner wenig zuversichtlich.

Der Krisenstimmung rund um die Konzerthalle zum Trotz gibt es auch gute Nachrichten aus der Mußstraße. Trotz der prekären Situation stockt die Arena GmbH das Kurzarbeitergeld der Mitarbeiter auf, so dass diese mit etwa 95 Prozent des Nettogehalts rechnen können, was beileibe nicht bei allen Arbeitgebern so großzügig gehandhabt wird. Auch das Risiko einer Insolvenz schätzt Feulner "gering" ein, da es sich mit Stadt, Stadtwerken und Stadtbau um öffentliche Eigentümer handelt.

Freilich ist die Sicherheit des einen die Kostenlawine für den anderen - in diesem Fall die Stadt. Bambergs Kämmerer Bertram Felix muss mit drastisch ansteigenden Verpflichtungen infolge der Coronakrise rechnen, die mit dem Verzicht auf den Neubau der Buger Brücke wohl nicht auszugleichen sind. Intern ist schon die Rede von einer Haushaltssperre und von weitreichenden Kürzungen.

Doch in der letzten Sitzung des alten Stadtrats spielte diese Gewissheit nur am Rande eine Rolle. Bambergs OB Andreas Starke (SPD) holte sich die Zustimmung des Gremiums für fünf Eilverfügungen, die er aufgrund der abgesagten Stadtratssitzungen selbst beschlossen hatte. Sorgen machen dem OB die fehlenden Einnahmen im Bambados und der drastische Rückgang der Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr. Zwar ist es offenbar noch zu früh für verlässliche Zahlen. Doch die Richtung ist klar, wie SPD-Fraktionschef Klaus Stieringer sagt: "Es ist abzusehen, dass es Bamberg hart treffen wird."

Mit Gehaltsverlusten muss in Kürze auch eine Reihe weiterer städtischer Mitarbeiter leben, die nach Informationen aus der Pressestelle in Kurzarbeit gehen - Beschäftigte der budgetierten städtischen Regiebetriebe: des Theaters, der Volkshochschule, den städtischen Museen und des Tourismus- und Kongressservice. Die Stadt reagiere damit auf die in diesen Bereichen wegfallenden Arbeiten. Die Kernverwaltung sei aber nicht betroffen, sagte Sprecherin Ulrike Siebenhaar. Deshalb könnten Bambergs Bürger auch davon ausgehen, dass die Dienstleistungen der Stadt in gewohntem Umfang aufrecht erhalten würden.

Ganz ohne Konflikt scheinen diese Maßnahmen aber nicht abzulaufen. So halten sich in der Personalvertretung Befürchtungen, dass nicht in allen genannten Bereichen der Arbeitswegfall so groß ist, wie es der Gesetzgeber vorschreibt: "Sollte die Stadt die Regelungen nutzen, um in erster Linie Personalkosten von der Stadt auf den Bund abzuwälzen, sehen wir das kritisch", sagt Personalrat Franz Eibl. Im Falle von wegfallender Arbeit könnte man auch prüfen, Mitarbeiter in andere Abteilungen zu verlegen: "Es gibt Ämter, in denen infolge der Corona-Krise der Arbeitsanfall deutlich zugenommen hat."