Auch zwei Tage nach dem großen Regen ist die Staatsstraße von Scheßlitz hinauf nach Wattendorf noch teilweise überflutet. Vor allem in Roßdach kommen den Autofahrern wahre Sturzbäche entgegen.

"Am Sonntag um Mitternacht war er draußen", berichtet Eva Schickentanz. Sie wohnt dort, wo der Ellenbach durch eine doppelte Verrohrung unter der Straße hindurch in den Leitenbach geleitet wird - normalerweise. Zwei, drei Mal im Jahr ist die Straße vor ihrem Haus nach starkem Regen oder während der Schneeschmelze überflutet, sagt Schickentanz. "Aber so schlimm wie diesmal war's noch nie!" Offenbar ist eines der beiden Durchlassrohre verstopft. Die Wassermassen, die noch den Berg herabkommen sind bis Dienstagmittag nicht weniger geworden, obwohl es nicht mehr regnet.
Und sie finden den Weg nicht mehr unter der Straße hindurch, sondern darüber hinweg.

Viel Schwerlastverkehr

Es geht aber nicht nur um das Wasser, das in Fontänen hochspritzt, wenn Autos und vor allem die vielen Schwerlaster auf dem Weg von und zum Steinbruch bei Wattendorf hier vorbeifahren. Es ist auch Geröll im Wasser. Nach und nach wird die Straßenkante weggespült, Kies und Ton aus dem Straßenaufbau sind inzwischen dabei, auch Eisenklammern finden sich. Und nach und nach auch Asphalt, der von den Rändern her auf- und abbricht.
Eva Schickentanz fürchtet, dass bald auch ihre Hofzufahrt in Mitleidenschaft gezogen wird. Von der Straßenseite her sind die Pflastersteine schon teilweise freigespült. "Die roten Steine hat man vorher nicht gesehen", sagt Schickentanz und deutet auf den Grund des reißenden Baches, also auf die Staatsstraße. "Diesmal hat es alles rausgespült." Und nach jedem Laster, die hier ungefähr im Fünfminutentakt vorbeikommen, bricht weiteres Gestein aus der Straße.

Situation seit Jahren bekannt

Um wenigstens ihre Hofeinfahrt ein bisschen zu schützen, hat Eva Schickentanz nun Pflanzkübel dort aufgestellt. Denn die Auffahrt wurde von den Lastwagen auch gerne als Ausweichplatz benutzt. Sie beklagt auch, dass die Situation schon seit Jahren bekannt, aber nichts unternommen worden sei. Schilder wurden nun am Montag aufgestellt: "Fahrbahn überflutet" und Tempo "30". Bürgermeister Franz Zenk (CSU) habe ihr auch einen Ortstermin mit dem zuständigen Straßenbauamt zugesagt. Doch das könne dauern.

Ortstermin mit Straßenbauamt

Zenk bestätigt, dass er am Dienstag informiert wurde. Er habe den Betroffenen zugesagt, einen Ortstermin mit dem Staatlichen Bauamt zu vereinbaren. Wann dieser zustande komme, liege allerdings nicht in seinem Ermessen. Auch die Entscheidung was baulich an der Staatsstraße gemacht werden könne, liege allein beim Amt. "Ich kann ja nicht auf fremden Grundstücken rumarbeiten", sagt der Bürgermeister der Stadt Scheßlitz. Zenk bestätigt auch, dass eine umfassende Sanierung wohl erst dann in Angriff genommen wird, wenn die neue Kanalisation verlegt werde. Die prinzipielle Zustimmung des Wasserwirtschaftsamtes, dass man in eine solche Maßnahme aufgenommen werde, sei da. Doch wann es so weit sein wird, in ein, zwei oder fünf Jahren, darauf will sich der Bürgermeister nicht festlegen.

Kein Einzelfall

Zur Überflutung in Roßdach merkt Zenk an, dass dies kein Einzelfall auf dem Jura sei und auch keine völlig überraschende Erscheinung. "Die Geschichte hat sich mit der Zeit verdichtet", sagt Zenk. Früher sei es alle paar Jahre passiert, nun häufiger.

Eva Schickentanz würde sich wünschen, die zuständigen Stellen wären dann einmal vor Ort. "Es wäre besser, wenn sie das hier jetzt sehen würden", meint sie halb resigniert. Die Aussicht, dass der Zustand andauern könnte, weil in den kommenden Tagen neue starke Regenfälle drohen, hebt ihre Laune auch nicht.