Video: Michael Stoschek zu Besuch bei der Sandkerwa - mit dem Amphibienfahrzeug

 

Als Brose-Chef Michael Stoschek vor genau einem Jahr an der Sandkerwa vergnügt mit seinem Amphibienfahrzeug auf der Regnitz an "Klein Venedig" vorbeischipperte, schlug dies hohe Wellen. Die Spazierfahrt auf dem Landesgewässer war nicht offiziell genehmigt. Deshalb handelte sich der Unternehmer von der Stadt Bamberg einen Bußgeldbescheid in Höhe von 250 Euro wegen einer Ordnungswidrigkeit ein.

Um dem zu entgehen, hat er diesmal eine Genehmigung beantragt. Zumal die Gefahr bestand, dass man ihm Vorsatz unterstellen könnte, wenn er ein weiteres Mal mit seinem VW 166 unerlaubt unterwegs wäre. Was wiederum den Verlust des Bootsführerscheines nach sich ziehen könnte.

Dieses Jahr jedoch ist alles legal. Denn, so heißt es vonseiten der Stadt Bamberg, Stoschek habe rechtzeitig im Vorfeld eine Genehmigung beantragt, um mit seinem Amphibienfahrzeug den linken Regnitzarm während ausgewählter Zeiten zur Sandkerwa befahren zu können.


Stoschek hat eine Genehmigung

"Nach eingehender Prüfung hat die Stadt Bamberg einen entsprechenden Genehmigungsbescheid unter bestimmten Auflagen erteilt", teilt Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin Stadt Bamberg, mit. So müsse er bei der Fahrt beispielsweise sicherstellen, dass eine Verschmutzung des Gewässers durch das Fahrzeug ausgeschlossen sei. Auch müsse er die Beleuchtung an seinem Auto verbessern sowie von einem vereidigten Sachverständigen die Sicherheit des Amphibienfahrzeugs nachweisen. "Da alle Auflagen erfüllt wurden, ist es Herrn Stoschek möglich, im genehmigten Zeitraum von wenigen Stunden am Abschlusstag der Sandkirchweih die Regnitz mit seinem historischen Amphibienfahrzeug zu befahren", sagt die Pressesprecherin.

Die Fahrt selbst erfolge im Benehmen mit der Wasserwacht, da diese seit vielen Jahren während der Sandkirchweih zuverlässig und im Interesse der Öffentlichkeit einen wertvollen Beitrag für die Sicherheit der Besucher leistet. Begleitet werde Michael Stoschek dabei von einem "der erfahrensten Mitarbeiter der Wasserwacht". Dieser könne als Lotse fungieren und den Fahrzeugführer, wenn es nötig ist, beraten. Zusammen mit der Wasserwacht wurde dafür Wolfram Winkler ausgewählt, seit über 50 Jahren Mitglied der Wasserwacht.

Somit dürften alle rundum glücklich und zufrieden sein, oder etwa doch nicht? Wir haben nachgefragt. Die Geschäftsführerin der Sandkerwa Veranstaltungs Gmbh, Ulrike Heucken, wollte die Genehmigung nicht weiter kommentieren, sondern erklärte kurz: "Solange wir nicht behindert werden, der Wasser- und Rettungsweg nicht gestört wird und vor allem solange ein Sicherheitsradius von 20 Metern um das Schiff, von dem aus das Feuerwerk gezündet wird, eingehalten wird, tolerieren wir die Genehmigung."

Ebenso bündig und sachlich reagiert Marcus Petermann, Erster Vorsitzender der Wasserwacht: "Wir hoffen nur, dass durch die Aktion der Rettungsweg nicht behindert wird. Zumal ich selbst aus Erfahrung weiß, wie schwierig es ist, auf diesem Teil der Regnitz mit einem Boot unterwegs zu sein."


Begründung "vorgeschoben"

Großer Unmut hingegen herrscht bei der Fischer- und Schifferzunft. So wettert der sichtlich verärgerte Vorsitzende der Fischer- und Schifferzunft, Josef Kropf: "Die Goldene Gans zahlt und sponsert, dafür gibt es eine Sondergenehmigung, die ein normaler Bürger, der nur Steuern zahlt, nicht bekommt." Die Begründung für die Sondergenehmigung sei lächerlich und nur vorgeschoben.

Dazu muss man Folgendes wissen: Jeder, der motorisiert auf dem linken Regnitzarm mit einem Fahrzeug unterwegs ist, braucht eine Ausnahmegenehmigung der Stadt. Selbst die Fischer müssen alle fünf Jahre für ihre Schelche eine Genehmigung einholen, damit sie mit Außenbordmotor zum Fischen fahren dürfen. "Dazu müssen wir extra eine TÜV-Untersuchung nachweisen und spezielle Kennzeichen anbringen. Und ganz streng genommen, müssten wir bei jeder Fahrt zum Fischen eine weiße Flagge an den Schelchen anbringen", schildert Kropf. Für das Fischerstechen oder um die Ufer und die Häuser zur Sandkerwa dekorieren zu können, bräuchten sie eine weitere Sondergenehmigung.
Um eine dieser Sondergenehmigungen zu erhalten, bedarf es jedoch eines öffentlichen Interesses. Dieses werde im Falle von Stoschek, wie Kropf kritisiert, damit begründet, dass die Mitfahrt von Wolfram Winkler von öffentlichem Interesse sei. "Abgesehen davon, dass diesen kaum jemand in Bamberg kennt, ist es - anders als auf einem Binnengewässer - nicht ganz ungefährlich, hier herumzuschippern."

Denn das Gewässer habe Untiefen, bei denen man leicht auflaufen könne. Zudem sei an der Sandkerwa viel los auf der Regnitz. Dort verkehren die großen Schiffe der Personenschifffahrt, die Boote der Rettungskräfte und auf dem angelegten Schiff werde das Feuerwerk vorbereitet.


Tür und Tor geöffnet?

"Hier wurde ein Präzedenzfall geschaffen. Wir haben nun die Befürchtung, dass Hunderte von Anfragen von Bootsfahrern kommen, die mit ihren motorisierten Sportbooten ebenso dort umherfahren möchten. Dann wäre das Chaos perfekt", sagt Josef Kropf. Hier sei nun Tür und Tor geöffnet worden - zumindest wenn man davon ausgehe, dass vor dem Gesetz alle Antragsteller gleich behandelt und gestellt sein würden.