Stefanie Kromm will mit ihrem Mann, ihrem Sohn und ihrer Tochter die Kreuzung Margaretendamm/ Magazinstraße in Richtung Europabrücke überqueren. Während Vater und Sohn die Ampel bereits hinter sich haben, wartet Kromm mit ihrer Tochter. "Sie hat gerade erst Radfahren gelernt und sich geziert", erzählt sie. "In diesem Moment schießt ein Rechtsabbieger mit weit über 50 Stundenkilometern vorbei. Hätte meine Tochter nicht gezögert, wäre sie vielleicht überfahren worden", zeigt sich die junge Mutter bestürzt.

Schwer einsehbar

Deshalb engagiert sich Kromm zusammen mit weiteren Nachbarn dafür, die Kreuzung sicherer zu machen. Unter anderem wünschen sich die Anwohner eine Warnleuchte "Achtung, Fußgänger" an dieser Stelle (weitere Forderungen im Infokasten). Denn die weitläufige Kreuzung sei schwer einsehbar. Abbiegende Autofahrer würden bei gelber Ampel häufig versuchen, noch schnell über die Kreuzung zu kommen - ohne dabei Fußgänger und Radfahrer im Blick zu haben. Gerade mit Kindern schaffe man die Ampelüberquerung kaum in einer Grünphase, was die Autofahrer zum Trugschluss führte, sie könnten ungehindert abbiegen.

"Es gibt hier immer wieder brenzlige Situationen", meint auch Anne Sprenger von der Anwohnerinitiative. "Hier wohnen viele junge Familien, die die Kreuzung täglich auf dem Weg zum Kindergarten, zur Schule, zur Erba und zum Biomarkt überqueren müssen. Wir wollen jetzt etwas ändern und nicht auf den nächsten Unfall warten."

Initiative nach Unfall gegründet

Zustimmendes Nicken unter den sieben Anwohnern, die mit sechs Kindern zum Termin vor Ort erschienen sind. Denn im Juni hatte dort ein abbiegender Autofahrer eine an der Ampel wartende Mutter und ihre drei Kinder erfasst und teils schwer verletzt. "Als der Rettungshubschrauber kam, haben wir in der Nachbarschaft herumgefragt, wer das war, wie es ihr geht. Und in den Gesprächen kam heraus, dass jeder hier schon gefährliche Situationen erlebt hat", erzählt Sprenger. So sei die Anwohnerinitiative entstanden, die nun mit einem Bürgerbegehren für mehr Sicherheit vor Ort sorgen will. Über 300 Unterschriften seien bereits gesammelt worden. Rund 500 sind nötig, damit das Bürgerbegehren im Stadtrat besprochen wird.

Das sagt die Verkehrspolizei

"Die Kreuzung ist an sich sehr gut ausgebaut", sagt Andre Nelle, Sprecher der Bamberger Verkehrspolizei - vor allem in Anbetracht der vor vier Jahren abgeschlossenen Umgestaltung mit Radweg, barrierefreien Fußwegen und neuer Straßenoberfläche. Nach der Neugestaltung seien die Unfälle rückläufig, was aber noch genauer weiter beobachtet werden müsse. Auch die Anwohner-Initiative hält die Umgestaltung für eine Verbesserung halten.

Durch die neue Geometrie der Kreuzung kämen den Passanten die vorbeiziehenden Autos oft schneller vor, als sie seien, so Nelle weiter. Allerdings sei es auch physikalisch möglich, mit erhöhter Geschwindigkeit abzubiegen. "Die Straßenverkehrsordnung sagt aber ganz klar, dass Abbiegern eine besondere Sorgfaltspflicht zukommt." Warnlichter sehe er skeptisch: "Wenn sich die Leute nicht dran halten, können wir aufstellen, was wir wollen."

Die Kreuzung sei bei den Unfallzahlen nicht auffällig: In den vergangenen fünf Jahren gab es dort insgesamt 25 Unfälle mit 17 Verletzten - davon 15 leicht. Allerdings: "Die Hauptunfallursache an dieser Kreuzung liegt beim Abbiegen. Insgesamt kann jfestgestellt werden, dass hier häufig Radfahrer vom Regensburger kommend beim Abbiegevorgang von Kraftfahrzeugführern übersehen werden," so Nelle.

Das Unglück im Juni taucht nicht in der Statistik der Verkehrspolizei auf, weil die Kriminalpolizei von einem Herzleiden beim Verursacher ausgeht. Das habe also nichts mit der Regelung an der Kreuzung zu tun.

Info: Die Forderungen der Anwohner

Tempo 30 im Umfeld der Kreuzung

Bauliche Maßnahmen zur Entschärfung der Gefahrensituation (insbesondere hohe Abbiegeschwindigkeiten)

Warnleuchte "Achtung Fußgänger" für Rechtsabbieger

Absicherung der Wartebereiche an der Fußgängerampel z.B. durch Poller und breitere Fußwege

Fußgängerübergänge wie Verkehrsinseln auch beim Verlassen des Seilerei-Geländes in der Lichtenhaidestraße. Unterstützen kann man das Bürgerbegehren über ausliegende Unterschriftenlisten im "Ebl-Naturkost" (Magazinstraße) und weiteren Geschäften sowie im Internet unter http://bit.ly/sichereseilerei.