Nach sechs Jahren in der Basketball-Diaspora in Gotha und Erfurt sowie bei den Handballern des HSC Coburg kehrt Wolfgang Heyder wieder zu Brose Bamberg zurück. Der 63-jährige Bamberger Unternehmer, Gemeinde- und Kreisrat (SPD) sowie Basketball-Tausendsassa wird beim einstigen Serienmeister den Nachwuchs koordinieren.

Heyder war von 1999 bis 2014 als Geschäftsführer mit dafür verantwortlich, dass sich der Bamberger Klub von einem Abstiegskandidaten zum Bundesliga-Dominator entwickelte. Das Nachwuchsprogramm hatte er federführend zu einem der besten in Deutschland entwickelt.

Dass Heyder nach der Saison 2013/14 nicht im Guten vom Klub und Geldgeber Michael Stoschek schied (siehe Artikel unten) und nun zurückkommt, spricht für beide Seiten. Die beiden Alphatiere Stoschek und Heyder ziehen nun wieder an einem Strang - ein spannendes Projekt.

Kein Groll gegenüber Stoschek

Heyder beschreibt sein Verhältnis zu Stoschek als "professionell auf Augenhöhe". So habe er ja auch auf verschiedenen Ebenen in den vergangenen sechs Jahren oft mit Stoschek zu tun gehabt und auch in den vergangenen Wochen viele Gespräche geführt.

"Klar war ich in den letzten Jahren ein intensiver Kritiker. Zurecht, wie ich meine. Ich habe aber auch hohen Respekt vor der Leistung von Michael Stoschek. Dabei stimmt es nicht", betont Heyder, "dass Brose und Michael Stoschek viel Geld aus dem Jugendbereich ziehen. Die Strukturen sind gut, die Mittel sind da, mit Halle und Kraftraum im Aufseesianum haben wir tolle Voraussetzungen, nur hat man damit in den letzten zwei, drei Jahren einfach schlecht gearbeitet."

Heyder, als ein Mann klarer Worte bekannt, setzt noch einen drauf: "Ich bin entsetzt, wie in den letzten sechs Jahren der Jugendbereich heruntergewirtschaftet wurde."

Wenn der Nachwuchsbereich nun, wie es der Vorsitzende des Brose Bamberg e.V., Norbert Burkard, sagte, "von der Bamberger Basketball GmbH in den Verein überführt werden soll", ist wirtschaftlich eine Trennung vorhanden. Doch wenn Heyder aus dem Nachwuchsbereich laut Burkard "wieder erfolgreiche Jugendmannschaften zusammenstellen, an frühere Erfolge anknüpfen und Spieler für den Kader unserer BBL-Mannschaft entwickeln" soll, kommt es spätestens dann unweigerlich zu einer Schnittmenge zwischen Nachwuchs- und Profibereich, die Konfliktpotenzial birgt. "Bis wir dazu kommen, brauchen wir erst einmal wieder Spieler, für die das infrage kommt", wiegelt Heyder ab und will sich nicht an Spekulationen über mögliche Machtkämpfe beteiligen.

Dabei kommt es überraschend, dass Heyder überhaupt wieder ein offizielles Amt im Bamberger Basketball übernimmt. Noch am Dienstag im virtuellen Fantalk mit dem neuen Geschäftsführer der Bamberger Basketball GmbH, Philipp Galewski, klang es so, dass Heyder nur eine beratende Tätigkeit ausübt. Galewski wusste - wie er zugab - bei Amtsantritt nicht, "ob wir tatsächlich ein Nachwuchsteam in der NBBL, der U19-Bundesliga, haben, was nicht für eine Koordination in diesem Bereich spricht. Inzwischen weiß ich: Wir haben ein NBBL-Team und ein JBBL-Team." Galewski will vor allem mit der breiten Masse im U16- (JBBL) und U14-Bereich das Nachwuchsprogramm mittelfristig wieder hochfahren.

Auch das Internat für Talente im Aufseesianum, das bereits vor der Auflösung gestanden hatte, wird weiterbetrieben. "Die Grundlagen sind da. Wir müssen das Thema sehr konzentriert angehen, und an den richtigen Rädchen drehen." Mit Heyder hat Galewski ein Rädchen gefunden, das prächtig ins Getriebe des neunfachen deutschen Meisters passt.

Schabacker wird NBBL-Coach

Der Basketball-Verrückte Heyder, der im Bayerischen Basketball-Verband Vizepräsident und Ressortleiter für Jugend und Leistungssport ist, ist schon voll in seinem Element und stellt die ersten Weichen. Mit Ulf Schabacker, Freund und Geschäftspartner in der gemeinsam betriebenen Konzertagentur, hat er den bisherigen Cheftrainer des ProB-Ligisten BBC Coburg als NBBL-Trainer verpflichtet. Schabacker - er gewann 2012 mit der NBBL des Brose-Programms den deutschen Titel - hatte sich in Coburg als Trainer zurückgezogen, fungiert dort aber noch als Sportlicher Leiter. An Schabackers Seite wird Walter Tadda, Vater von Nationalspieler Karsten, neuer Co-Trainer. Wer das JBBL-Team coacht, soll zeitnah entschieden werden. Den Mini-Bereich wird Simon Bertram (34) betreuen. Bertram ist ehemaliger Coach des BBC Coburg und derzeit NBBL-Trainer der Nürnberg Tornados. Das ganze Projekt bezeichnet Heyder "als sehr große Herausforderung". Probleme sieht der neue Jugendkoordinator aktuell vor allem darin, ein schlagkräftiges NBBL-Team zusammenzustellen.

Koorperation mit Coburg

Fest steht, dass nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Baunach als Farmteam die Zusammenarbeit mit dem BBC Coburg intensiviert wird. Die Kooperation bezeichnet Heyder in dieser Situation als "beste Lösung". Unter Schabacker-Nachfolger Valentino Lott will der BBC auf ausländische Spieler verzichten und auf den Nachwuchs setzen. Da dürften aus dem Baunacher Team neben U20-Nationalspieler Elias Baggette (18) auch Leon Bulic (19), Leo Saffer (20) und Mateo Seric (21) aus dem Bundesliga-Kader gerade recht kommen. Die Zwillinge Nicholas und Brandon Tischler (19) dürften für den BBC ebenfalls interessant sein. Sie nennt Heyder "die größten Talente aus der Region".

Der Bruch Heyders mit Brose im Jahr 2014

Es war im Sommer 2014, als die Klubführung um Michael Stoschek, Aufsichtsratsvorsitzender der Bamberger Basketball GmbH, nach einer wenig erfolgreichen Saison einen Trainerwechsel forcierte.

Headcoach Chris Fleming, in den Jahren davor viermal Meister hintereinander und dreimal Pokalsieger, schied mit seinem Team ausgerechnet gegen sein Ex-Team, die Artland Dragons, im Viertelfinale aus.

Der bei den Fans beliebte Amerikaner, der noch einen laufenden Vertrag über zwei weitere Jahre besaß, wurde Opfer einer Neuausrichtung der Klubleitung. Da Heyder Fleming für einen Spitzentrainer hielt, "mit dem man auch einmal durch eine schwierige Phase gehen muss", sich klar hinter den Coach stellte, gegen die Entlassung Flemings war und dessen Schicksal mit dem seinen verband, endete auch Heyders Ära im Sommer 2014. Dabei wurde viel Porzellan zerschlagen. "Chris wurde in Bamberg verkannt", sagt Heyder noch sechs Jahre später. Er sorgte zusammen mit seinem Nachfolger Rolf Beyer noch für die Verpflichtung von Coach Andrea Trinchieri. Nun steigt Heyder wieder ins Boot. "Ich stehe nach wie vor zu meinem Vorgehen von 2014", sagt er. Vertrag habe er keinen unterschrieben. "Mir geht es um die Sache. Die Jugend liegt mir am Herzen."