Fünf Tage nach dem Gewinn des Pokals in Berlin war die Ernüchterung groß bei den Bamberger Brose-Basketballern: Nach der 86:91-Heimniederlage im Schlüsselspiel gegen Zalgiris Kaunas beträgt in der Euroleague der Rückstand des deutschen Meisters auf Tabellenplatz 8, den derzeit Anadolu Efes Istanbul beansprucht, bereits acht Punkte - der Traum von den Play-offs ist damit endgültig geplatzt. Doch es bleibt nicht viel Zeit, die Wunden zu lecken: Bereits am Rosenmontag (Spielbeginn bereits um 19 Uhr) wartet in der Bundesliga mit den Braunschweigern eine Pflichtaufgabe. Ein Heimsieg ist Pflicht, damit die tollen Tage nicht in einem vorzeitigen Kater enden.

"Wir haben schlecht begonnen, schlampig gespielt und waren in der Verteidigung nicht bereit. Das hat Kaunas Selbstvertrauen gegeben und uns ein schweres Spiel beschert", ärgerte sich Trainer Andrea Trinchieri, dass seine Jungs den Start verschliefen und schon nach vier Minuten einem zweistelligen Rückstand (5:15) hinterherrennen mussten. Doch seinTeam kämpfte sich ins Spiel zurück: "Wir hatten ein starkes drittes Viertel und konnten das Momentum auf unsere Seite ziehen." Jetzt fand endlich Nicolo Melli (17 Punkte) seine zuletzt vermisste gute Form wieder und kippte zusammen mit Daniel Theis (17), Leon Radosevic (10), Darius Miller (15) und dem stark auftretenden Youngster Ali Nikolic (9) das Spiel - nach 28 Minuten stand eine 66:60-Führung zu Buche.


Lekavicius nicht zu stoppen

Doch das reichte nicht: Vor allem den wie entfesselt aufspielenden Lukas Lekavicius bekam die Brose-Abwehr nie in den Griff. Mit 29 Punkten (5 Dreier ohne Fehlversuch) verbuchte er eine Karrierebestleistung in der Euroleague (bisher 17 Zähler) und wies zusammen mit dem blendend aufgelegten Paulius Jankunas (24/4 von 6 Dreiern) die kampfstarken Gastgeber in die Schranken. "Wir hätten ein paar gute defensive Aktionen gebraucht, stattdessen haben wir Fehler gemacht und Zalgiris wieder ins Spiel kommen lassen", analysierte Trinchieri und ergänzte: "In den letzten Minuten haben sie einige wichtige Würfe getroffen."

Den Bamberger dagegen fehlte am Ende das Glück und die Treffsicherheit des an der Schulter verletzten Janis Strelnieks. Der zuletzt starke Fabien Causeur fand überhaupt nicht ins Spiel. Nikos Zisis verteilte zwar fünf Assists, hatte aber kein Händchen beim Wurf (2 von 9).

"Zwei Litauer erzielten fast 60 Punkte. Wir haben in der Pick-and-Roll-Verteidigung keinen guten Job gemacht. Unsere schwache Verteidigung war der Grund für die Niederlage", stellte Melli nüchtern fest.
"Das ist eine richtig gute Mannschaft, die unseren schwachen Start eiskalt ausgenutzt hat. Und am Ende, als wir uns eine Führung erkämpft hatten, gelangen ihnen die big plays", zog Darius Miller Bilanz. Und im Hinblick auf Montag ergänzte der US-Amerikaner: "Daheim stehen wir immer unter Druck, denn wir wollen alle unsere Heimspiele gewinnen."


Krasser Außenseiter zu Gast

Die Braunschweiger stehen mit nur vier Saisonsiegen auf dem 16. Tabellenplatz und kassierten nach dem eindrucksvollen 82:63-Heimsieg gegen Bayreuth zuletzt vier Niederlagen in Folge. Bereits im Hinspiel zu Beginn der Saison gerieten sie mit 48:96 in der heimischen Volkswagen Arena gegen den deutschen Meister ebenso unter die Räder wie zuletzt gegen Spitzenreiter Ulm (76:100). Die Aufbauspieler Carlos Medlock (22) und Carlton Guyton (11) sowie 2,13-Meter-Center Geoffrey Groselle (14) waren dabei noch die Besten im Team von Trainer Frank Menz. Im bisherigen Saisonverlauf punkteten zudem die Flügel Dyshawn Pierre (13,1) und Jamal Boykin (12,3) im Schnitt zweistellig.

Trinchieri wird am Montag sicher wieder einigen seiner Leistungsträgern eine Pause gönnen, denn am Donnerstag wartet bei Roter Stern Belgrad bereits die nächste hohe Hürde in der Euroleague.