Für den FC Eintracht Bamberg 2010 ist das Kapitel höherklassiger Fußball fürs Erste beendet. Der einstige Regionalligist geht künftig nur noch in der Bezirksliga auf Torjagd."Es nützt uns wenig, dass wir nach einem Großteil der Spiele festgestellt haben, dass wir auf Augenhöhe waren. Entscheidend sind die Punkte, und die haben wir nicht geholt", meinte Sascha Dorsch nach dem Abstieg aus der Landesliga Nordwest. Nachfolgend ein Interview mit dem FCE-Vorstandsmitglied.

Wie stark trifft der dritte Abstieg in Folge den Verein, der sich nach Abschluss des Insolvenzverfahrens ja gerade im Neuaufbau befindet?
Sascha Dorsch: Für alle Beteiligten war der Abstieg sehr emotional. Beim letzten Spiel in Röllbach waren ja 40 Fans mit im Bus, die auf der Rückfahrt alle Tränen in den Augen hatten. Ich als Vorstandsmitglied sehe den Abstieg aber auch als Chance, uns als Verein zu konsolidieren. Wir sind dabei, neue Strukturen aufzubauen und uns in der Breite zu entwickeln, was Themen wie beispielsweise die Pflege des Vereinsgeländes, die Struktur der Jugendabteilung oder der Organisation des Vereins angeht. Dabei brauchen wir weitere personelle Unterstützung. Aktuell agieren wir als Vorstand des Gesamtvereins in Personalunion auch als Abteilungsleitung Fußball. Insofern war es von uns immer auch ein Appell an die anderen Abteilungen, sich im Gesamtvorstand zu engagieren, damit die Fußballabteilung sich wieder mehr auf die Hausaufgaben in ihrem Bereich konzentrieren kann. Das ist eine Entwicklung, die aufgrund der Historie sicher Zeit braucht. Da der Aufwand in der Bezirksliga nicht so groß ist wie in der Landesliga, haben wir jetzt ein Jahr mehr Zeit, uns da personell aufzustellen. Sportlich gesehen gibt es durch den Abstieg wieder die Möglichkeit, wieder einmal vorne mitzuspielen. Das ist wichtig für die Psyche der Jungs, damit sie merken, dass sie Fußball spielen können und Erfolgserlebnisse haben. Insgesamt betrachtet ist der Abstieg verdient, aber für uns sportlich kein Rückschlag, da wir eine langfristige Zielsetzung haben.

Die Trennung von Trainer Georg Lunz hat letztlich nichts bewirkt. War die Qualität des Kaders schlicht nicht landesliga-tauglich?
Das würde ich nicht in Gänze so sagen, aber es gab sicher Situationen, in denen man sagen musste: Ja, die Qualität ist nicht vorhanden, um in der Klasse zu bestehen. Da hat uns manchmal in der Breite die Qualität gefehlt. So wurde unsere Viererkette zum Beispiel mehrfach brutal ausgehebelt. Das haben wir über die ganze Saison nicht in den Griff bekommen. Ein großes Manko war auch, dass wir in entscheidenden Phasen keine ordnende Hand im Spiel hatten. Der Trainerwechsel hatte andere Gründe. Die Trennung war aus verschiedenen Gründen nicht zu vermeiden. Aber wir sind Georg Lunz unendlich dankbar dafür, was er vor dieser Saison aufgebaut hat. Dafür hat er unsere Hochachtung und unseren Respekt.

Zur neuen Saison übernimmt Michael Hutzler das Traineramt. Wohin soll mit ihm die Reise gehen?
Wir wollen mit Hutzi endlich eine Nachhaltigkeit in die Trainerfrage hineinbringen. Unsere Idealvorstellung ist, dass er ähnlich wie in Forchheim hier mit uns gemeinsam über vier, fünf Jahre nachhaltig etwas aufbaut. Und extrem wichtig für uns ist, das mit der Jugend zu machen. Das ist mit Hutzi auch abgesprochen, und wir werden das auch vom Trainer einfordern. Wir suchen eine enge Verzahnung mit der U19, das war bisher noch nie der Fall. So soll es zwischen U19, erster und zweiter Mannschaft im Training zum Austausch von Spielern kommen, die Trainer sollen sich eng miteinander abstimmen. Als Fernziel gibt es vielleicht einmal ein gemeinsames Spielsystem, das bei Hutzler ein sehr offensives mit viel Tempo und Druck sein wird. Die Landesliga sehe ich schon als Ziel, es muss aber nicht schon in der nächsten Saison erreicht werden.

Wird es wie vor einem Jahr nach dem Abstieg aus der Bayernliga wieder einen personellen Umbruch geben?
Andre Jerundow und Patrick Titzmann werden uns verlassen. Ein Wackelkandidat ist Johannes Trautmann, weil er in Ansbach arbeitet und nicht trainieren kann. Seine sportliche Qualität ist aber unbestritten. Zudem fehlen uns noch die definitiven Zusagen von zwei bis drei Spielern aus dem diesjährigen Kader. Das heißt, dass es Stand jetzt einen relativ geringen Umbruch geben wird. Unser Ziel ist es auch, mit dem Großteil der Mannschaft weiterzuarbeiten. Und was noch wichtiger ist: Stand jetzt bleiben auch fast alle der sechs U19-Spieler, die jetzt aus der A-Jugend rauskommen, bei uns. Das ist ein großes Verdienst von Fränki Nitsche, der seit Monaten im Hintergrund im sportlichen Bereich unterstützt und ein unglaubliches Engagement an den Tag legt. Er nimmt die jungen Spieler richtiggehend an die Hand und kann mit seinen Erfahrungen als Ex-Profi gerade den jungen Spielern wertvolle Tipps geben.

Die Fragen stellte
Peter Seidel