John Patrick (sieben Spielzeiten) und Johan Roijakkers (acht) haben beide einen bleibenden Eindruck bei der BG Göttingen hinterlassen. Mittlerweile arbeiten beide Trainer bei Vereinen mit höheren Ambitionen. Patrick tut dies in Ludwigsburg seit 2013 größtenteils mit Erfolg, Roijakkers befindet sich in Bamberg noch in der Findungsphase. Am Samstagabend kommt es zum Bundesliga-Duell der beiden Göttinger Trainerlegenden in der MHP-Arena (20.30 Uhr, live bei Magentasport).

Ob die jüngste Bamberger Neuerwerbung Alex Ruoff die Fahrt mit nach Schwaben antreten kann, stand am Freitag noch nicht fest. Gemäß den Richtlinien der Basketball-Bundesliga darf ein Spieler erst zu seinem neuen Team stoßen, wenn er zwei negative Corona-Tests innerhalb von fünf Tagen vorweisen kann. Der erste Test fiel negativ aus, der zweite kann frühestens am Samstag erfolgen.

Würde Ruoff rechtzeitig grünes Licht erhalten, kommt es zu einem Wiedersehen mit seinem Ex-Klub und Coach Patrick. In der Saison 2016/17 absolvierte der US-Amerikaner fünf Partien für die MHP Riesen und legte mit rund elf Punkten, drei Rebounds sowie drei Assists auch respektable Statistiken auf. Nur mit seiner Rolle als Power Forward im auf kleine Spieler zugeschnittenen System von Patrick konnte sich der 1,98-Meter-Mann nicht so recht anfreunden.

Ruoff zog es damals zum ersten Mal zurück zu seinem "Wohlfühltrainer" Johan Roijakkers und nach Göttingen. Etwas mehr als vier Jahre später ist die Situation vergleichbar. "Ich habe immer viel Kontakt mit meinen Ex-Spielern. Als ich dann die Info bekommen habe, dass Alex in Japan nicht so glücklich war, haben wir darüber nachgedacht, ob er die beste Lösung für uns ist, da er keine Eingewöhnungszeit braucht", skizzierte Roijakkers den Prozess der Verpflichtung im vereinseigenen Podcast nach.

Ludwigsburg setzt auf Erfahrung

Mit seinen 34 Jahren und elf Profistationen bringt Ruoff neue Dimension an Routine in das Bamberger U30-Team. Die große Erfahrung im Ludwigsburger Kader ist sicher ein Grund für den Höhenflug der Schwaben in dieser Saison. Die MHP Riesen grüßen mit elf Siegen und nur einer Niederlage (70:93 beim FC Bayern) von der Tabellenspitze. Seit mittlerweile neun Partien ist Ludwigsburg ohne Niederlage. Entgegen seiner gewöhnlichen Philosophie, vor allem junge US-Amerikaner mit überschaubarer Europa-Erfahrung zu verpflichten, entschied sich Patrick diesmal für einen Kern aus bundesligaerprobten Akteuren: Defensiv-Ass Yorman Polas Bartolo (35 Jahre), Euroleague-Veteran Tremmell Darden (39), Scharfschütze Jordan Hulls (30) sowie bis vor kurzem Ex-Brose-Kapitän Elias Harris (31, mittlerweile bei Saragossa).

Gemeinsam mit zwei Leistungsträgern aus dem Vorjahr, Aufbauspieler Jaleen Smith und Center Jonas Wohlfarth-Bottermann, sorgten die neuen erfahrenen Spieler vom ersten Pflichtspiel an für eine gewisse Stabilität.

Diese hatte das neu formierte Brose-Team Ende Oktober bei der deutlichen 72:99-Niederlage im BBL-Pokal gegen Ludwigsburg noch nicht gefunden. Hielten die Bamberger drei Viertel lang ordentlich mit, brachen in den letzten zehn Minuten alle Dämme. Angeführt vom treffsicheren Point Guard Barry Brown jr. (30 Punkte) entschieden die Schwaben das letzte Viertel mit 40:22. Eine Offensivpower, die sowohl Brown (14,8 Punkte in 21 Minuten Spielzeit) als auch die Ludwigsburger als Team (89,6 Punkte pro Spiel, Platz 2 in der BBL) in der Liga bestätigten. "Sie spielen sehr druckvoll, forcieren dadurch viele Ballverluste beim Gegner. Selbst passen sie hingegen sehr gut auf den Ball auf, sind stark im Rebound und bekommen hierdurch viele Wurfmöglichkeiten", erklärt Roijakkers die Stärken des Gegners.

Duell zweier Schwergewichte

Die Schwaben sind vor zehn Tagen mit Center Austin Wiley (2,11 Meter/118 Kilogramm) nach einem Ersatz für Harris fündig geworden. Der 21-jährige US-Amerikaner feierte beim knappen 89:87-Derbysieg über Ulm vor einer Woche ein vierminütiges Kurzdebüt.

Etwas länger (sechs Minuten) durfte Bambergs neuer Center Shevon Thompson, der sich körperlich in ähnlichen Sphären bewegt (2,13 Meter/110 Kilogramm), bei seiner Premiere am Dienstag gegen Bilbao aufs Parkett. Auch wenn der 27-Jährige über mehr Erfahrung als sein Vorgänger Norense Odiase verfügt, warnt Roijakkers vor seinem ersten BBL-Spiel vor zu hohen Erwartungen: "Es wird ein bisschen Zeit brauchen, bis Shevon sich an das Team gewöhnt und umgekehrt."

Der Niederländer verriet, dass er mit Thompson die Pick-and-Roll-Verteidigung verändern wird. Das "Hedgen", sprich das aggressive Heraustreten des großen Spielers auf den ballführenden Akteur des Gegners und die schnelle Rotation zurück zum eigenen Gegenspieler, will er seiner Neuerwerbung nicht zumuten. "Das hat er noch nie in seinem Leben gemacht. Dafür ist er zu groß und zu langsam", so Roijakkers.

Zeit für Justierungen wie diese wird der Brose-Trainer in den Tagen nach der Ludwigsburg-Partie finden. Die sieben Tage Spielpause vor dem Heimspiel gegen Braunschweig sind im dicht gedrängten Rahmenterminplan schon als Luxus anzusehen. Spielfreie Tage, die das Bamberger Team nach einem Erfolg beim Tabellenführer, der in eigener Halle saisonübergreifend seit 17 Spielen ungeschlagen ist, genießen könnte.