Spiele zwischen den Brose Baskets und Alba Berlin sind immer etwas Besonderes in Freak City - die 98:69-Demontage des Tabellenführers aus der Hauptstadt am 2. Weihnachtsfeiertag 2014 in Bamberg wird ebenso in die Geschichtsbücher eingehen, wie der 103:52-Erfolg am 18.12. vier Jahre zuvor. Das Team von Trainer Andrea Trinchieri spielte das erste Mal in dieser Saison konstant über 40 Minuten sowohl in der Verteidigung als auch im Angriff begeisternden Basketball. Sehr zur Freude der Freaks, die für eine fantastische Stimmung sorgten, stutzte der sechsmalige deutsche Meister den Albatrossen gehörig die Flügel. Die Berliner, die ihre bisherigen 14 Saisonspiele in der BBL allesamt für sich entschieden hatten und auch in der Euroleague dank starker Leistungen in die Top-16-Runde eingezogen waren, gerieten erstmals in dieser Serie unter die Räder.

Von der ersten Sekunde an machten der überragende Spielmacher Brad Wanamaker (21 Punkte, 9 Assists, 5 Rebounds) und seine Mitstreiter deutlich, dass sie ihren Heimnimbus wahren und ihren Fans einen Sieg über den Erzrivalen schenken wollten. 98 Punkte erzielten die Brose Baskets gegen die beste Verteidigung der Liga und gestatteten auf der anderen Seite dem gefährlichsten Angriff der Liga nur 69 Zähler. An beiden Endes des Spielfelds gelang den Bambergern ein nahezu perfektes Spiel.

Feuerwerk im ersten Viertel

"So ein erstes Viertel habe ich in dieser Halle noch nicht gesehen", kommentierte ein Fan, der seit Jahrzehnten die Partien der Bamberger verfolgt, zur Pause. Mit 34:21 entschieden die Bamberger die ersten zehn Minuten für sich und kamen dabei auf eine sensationelle Trefferquote von 88 Prozent aus dem Feld. Ryan Thompson, Josh Duncan und Wanamaker ragten dabei aus dem hervorragend funktionierenden Kollektiv heraus.

Im zweiten Viertel (14:11) sah Freak City dann die defensiv geprägte Partie, die eigentlich zu erwarten war. Nach der Pause waren Daniel Theis, Trevor Mbakwe und Janis Strelnieks dann aber nicht mehr zu bremsen und bauten ihre Führung schnell auf 20 Punkte (56:36) aus. Zwei Minuten vor dem Ende lagen dann sogar 30 Zähler (91:61) zwischen dem Spitzenreiter und dem Tabellendritten. Einige Minuten zuvor hatten die Fans ihre Jungs wieder einmal als "Albakiller" gefeiert.

Im Oberfrankenderby gefordert

Aber schon kurz nach der Ehrenrunde betonte Karsten Tadda: "Wir haben heute über 40 Minuten konzentriert gespielt und mit unserer intensiven Verteidigung Alba nie ins Spiel kommen lassen. Wir können uns kurz freuen, aber das nächste Saisonspiel wartet schon wieder auf uns." Am Dienstag (18.30 Uhr) sind die Brose Baskets dann im letzten Spiel des Jahres beim oberfränkischen Rivalen in Bayreuth gefordert, an die Gala-Vorstellung gegen die Berliner anzuknüpfen.

Stimmen zum Spiel
Andrea Trinchieri (Brose-Trainer): "Das war ein schönes Geschenk an Freak City. Die Fans haben uns enorm gepusht, das war eine begeisternde Atmosphäre. Wir haben heute mit viel Energie gespielt. Der einzige Weg um Alba zu schlagen, ist nie zu stoppen. Auch schwierige Würfe sind gefallen und haben zu einer guten Trefferquote geführt. Es war ein super Spiel mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung, auf die ich sehr stolz bin. Aber trotzdem, das ist die reguläre Saison. Wir können noch viele Dinge verbessern. Aber es war auf jeden Fall ein schönes Weihnachtsfest."

Rolf Beyer (Geschäftsführer der Brose Baskets): "Das letzte Heimspiel des Jahres haben wir hervorragend gemeistert, besser als vorher erträumt. Die Experten haben vor dem Spiel gesagt, entweder wir verlieren hoch oder wir gewinnen knapp. Aber wir haben heute die Wunderdose ausgepackt. Davon war ich mehr als überrascht. Ich bin stolz auf diese Mannschaft, denn es war das erste Mal, dass wir über dreieinhalb Viertel hervorragenden Basketball gespielt haben. Wir haben den Berlinern dermaßen den Zahn gezogen, wie ich das nicht erwartet hatte. Ich hatte den Eindruck, dass Alba ein bisschen müde war. Auf der hohen Welle, auf der sie geschwommen sind, können sie auch nicht dauerhaft reiten."

Mithat Demirel (Sportdirektor von Alba Berlin): "Bamberg ist offensiv eine erstklassige Mannschaft. Da kann man nicht offensiv dagegenhalten, sondern wir hätten mit unseren Mitteln dagegenhalten müssen. In der Defensive waren wir aber nicht auf dem Level, um in so einem Spiel gut auszusehen. Die Bamberger waren von Anfang da, und wir sind eigentlich immer einen Schritt zu spät gewesen. Natürlich sind wir physisch und mental am Limit angekommen, das hat sich schon in den letzten Wochen angebahnt. Aber die Bamberger bestrafen Nachlässigkeiten viel direkter als die Teams, gegen die wir vorher gespielt haben. Wir müssen uns auf die Dinge besinnen, die uns stark gemacht haben und die mit größter Intensität spielen. Ansonsten werden wir auch gegen andere Teams verlieren. Das war heute mit Abstand unsere schlechteste Saisonleistung."

Alex King (Nationalspieler von Alba Berlin): "Was wir heute gezeigt haben, war eine Blamage. Bamberg wollte den Sieg mehr als wir. Wir haben nicht dagegengehalten. Die Brose Baskets haben auch in der zweiten Halbzeit nicht nachgelassen und ihr Ding bis zum Ende durchgezogen. Wir haben schlecht verteidigt, und sie haben hochprozentig getroffen, sowohl von der Dreierlinie als auch unter dem Korb. Sie haben uns alles gegeben, was es im Basketball zu geben gibt, und dann kommt halt so ein Ergebnis dabei raus. Irgendwann musste die erste Niederlage kommen, aber dass sie so kommt, ist natürlich scheiße. In Bamberg so hoch zu verlieren, ist nicht sehr schön. Wir sind aber immer noch auf Platz 1 und wollen diese Position auch behalten."

Elias Harris (Nationalspieler der Brose Baskets): "Das war sensationell, was heute abgegangen ist. Der Schlüssel zum Sieg war, dass wir als Mannschaft aufgetreten sind - in der Verteidigung und im Angriff."

Daniel Theis (Bambergs Nationalcenter): "Wir haben offensiv und defensiv mit sehr viel Einsatz gespielt, so wie es Berlin die ganze Zeit getan hat. Ich denke, das war ein perfektes Spiel heute von uns. Wir hatten keinen Bruch im Spiel. Uns sind viele Stopps gelungen, sodass wir Fastbreaks spielen konnten. Wir können darauf aufbauen, aber es ist nur ein reguläres Saisonspiel."

Brad Wanamaker (Bambergs Kapitän): "Wir haben unseren Heimvorteil genutzt. Berlin ist ein wirklich starkes Team, war bisher noch ungeschlagen. Das war ein großartiger Sieg für uns. Das können wir mitnehmen und müssen auf diesem Weg weitermachen. Das war eines der Spiele, für das wir die ganze Zeit hart gearbeitet haben. Und es hat wahnsinnigen Spaß gemacht, in dieser Atmosphäre zu spielen und den Fans, die uns das ganze Jahr über unterstützen, etwas zurückzugeben."

Janis Strelnieks (Bambergs Scharfschütze): "Wenn du auf die Anzeigentafel schaust, könntest du sagen, es war ein perfekter Sieg. Aber es war nur ein Spiel, es ist nichts passiert. Wir müssen jetzt da weitermachen, wo wir heute aufgehört haben."

Ryan Thompson (Flügelspieler der Brose Baskets): "Wir haben noch keinen Sieg wie diesen hier in dieser Halle gefeiert. Und es war ja nicht irgendein Gegner, sondern der ungeschlagene Spitzenreiter. Die Atmosphäre war fantastisch. Es war ein großer Sieg für uns, für die Stadt und für unser Momentum auf dem Weg nach vorne. Ich bin einfach nur glücklich. Das waren großartige Weihnachten." ps/kg


Die Statistik

Brose Baskets Bamberg - Alba Berlin 98:69
(34:21, 14:11, 23:16, 27:21)
Bamberg Wanamaker (21 Punkte/2 Dreier), Duncan (16/2), Mbakwe (14), Thompson (14/2), Strelnieks (12/4), Theis (12/2), Harris (4), Shipp (3/1), Tadda (2), Schmidt, Obst
Berlin Radosevic (18), Redding (10), Banic (10), McLean (9), Renfroe (6/2), Hammonds (5/1), King (5/1), Giffey (4), Vargas (2)
SR Lottermoser, Hesse, Schreiner
Zuschauer 6800 ausverkauft
Gesamtwurfquote Bamberg 62 Prozent (36 Treffer/58 Versuche), Berlin 46 (27/59)
Dreierquote Bamberg 50 Prozent (13/26), Berlin 33 (4/12)
Freiwurfquote Bamberg 93 Prozent (13/14), Berlin 69 (11/16)
Rebounds Bamberg 25 (22 defensiv/ 3 offensiv), Berlin 30 (18/12)
Ballgewinne/-verluste Bamberg 6/9, Berlin 3/13
Assists Bamberg 21 / Berlin 16
Fouls Bamberg 19 / Berlin 19