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Basketball

Ludwigsburg führt Bamberg vor

Brose Bamberg kassiert beim Bundesliga-Finalturnier in München eine deftige 74:103-Niederlage. Am Samstag stehen die Oberfranken im dritten Gruppenspiel gegen die Frankfurt Skyliners jetzt unter Erfolgsdruck.
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Enttäuscht verlassen die Bamberger (von links) Mateo Seric, Marvin Heckel, Assem Marei, Nelson Weidemann, Retin Obasohan und Kameron Taylor das Parkett im Audi-Dome. Foto: Daniel Löb
Enttäuscht verlassen die Bamberger (von links) Mateo Seric, Marvin Heckel, Assem Marei, Nelson Weidemann, Retin Obasohan und Kameron Taylor das Parkett im Audi-Dome. Foto: Daniel Löb
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Dreieinhalb Minuten waren gegen die MHP Riesen Ludwigsburg gerade einmal gespielt, da hatte Assem Marei schon zwei Fouls kassiert und saß fortan lange auf der Bank. Ende des dritten Viertels, der Center von Brose Bamberg war inzwischen mit drei Fouls belastet, ließ sich Marei zu zwei weiteren persönlichen Vergehen kurz hintereinander hinreißen. Damit war die Partie für ihn nach 29 Minuten mit null Punkten beendet. Es war ein gebrauchter Tag für den Ägypter.

Aber nicht nur für ihn: Auch seine Teamkollegen hatten einen rabenschwarzen Abend erwischt. Die 74:103-Klatsche gegen die MHP Riesen Ludwigsburg im zweiten Spiel des Finalturniers der Basketball-Bundesliga hatte nach dem starken Auftakt der Oberfranken gegen Alba Berlin in dieser Deutlichkeit keiner kommen sehen.

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Bundesliga

MHP Riesen Ludwigsburg - Brose Bamberg 103:74

(25:17, 26:19, 25:20, 27:18) Vom schnellen Umschaltspiel und der aggressiven Verteidigung, die die Bamberger gegen die Albatrosse noch an den Tag gelegt hatten, war am Donnerstagabend im Münchner Audi-Dome nichts mehr zu sehen. "Im ersten Spiel wirkten wir frisch, aber heute schien es so, als wären meine Spieler vor der Partie noch einen Marathon gelaufen", meinte der Bamberger Trainer Roel Moors. "Schon in den ersten zwei Minuten habe ich gesehen, dass wir zu langsam waren - offensiv wie defensiv." Vielleicht hätte ein lautstarker Weckruf des Belgiers seine Spieler aus dem kollektiven Tiefschlaf gerissen. Doch dieser blieb aus. Die Brose-Basketballer hechelten den spielfreudigen Schwaben von Beginn an hinterher und wurden am Ende gedemütigt.

Oft einen Schritt zu langsam

78 Punkte kassierten die Bamberger vor der Coronapause in der Bundesliga im Schnitt pro Partie. Beim Quarantäne-Turnier gestatteten sie den Berlinern 98 und den Ludwigsburgern 103 Zähler. 46 Mal schlossen die Schwaben in der Zone ab. Bei der Eins-gegen-eins-Abwehr waren die Bamberger einen Schritt zu langsam, zudem blieb die Hilfe in der Verteidigung zu oft aus. Zu langsam waren sie auch im Umschaltspiel. Zwölf Punkte gelangen den MHP Riesen nach Fastbreaks. Und ihre zwölf Offensivrebounds münzten sie in 19 Punkte um. Bamberg schnappte sich zwar 13 Abpraller am offensiven Brett, nutzte diese aber nur zu zehn Zählern. Die Unzulänglichkeiten im Spiel der Oberfranken spiegelten sich auch in 15 Ballverlusten wider - der wesentlich konzentrierter spielende Gegner verlor das Spielgerät nur dreimal.

Zwar punkteten mit Elias Harris (16), Jordan Crawford (15), Tré McLean (13) und Paris Lee (11) vier Brose-Akteure zweistellig, doch als Kollektiv versagten die Bamberger. "Wir haben nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Das hat aber nichts mit taktischen Dingen zu tun. Es ist eine Frage der Frische, auch der mentalen. Die hatten wir heute nicht", monierte Moors. Neben Marei war auch Retin Obasohan, gegen Berlin mit 13 Punkten und vier Assists noch ein Aktivposten, völlig abgetaucht. Indisponiert wirkte auch Kameron Taylor. Die Youngster Marvin Heckel und Mateo Seric konnten die gute Leistung aus dem Spiel gegen Berlin ebenfalls nicht wiederholen.

Drei Dreier von Crawford

Jordan Crawford, mit 15 Zählern hinter Elias Harris (16) bester Bamberger Werfer, verkürzte mit drei Dreiern im dritten Viertel den Rückstand zwar kurzzeitig auf zwölf Punkte, doch war das nur ein kurzes Strohfeuer, das die zweithöchste Niederlage in dieser Saison nicht verhindern konnte. "Das war eine Lektion für uns. Wir wissen, was wir besser machen müssen. Aggressivität steht an erster Stelle", meinte Crawford, der sich auch ein bisschen an der Ehre gepackt fühlt und im dritten Turnierspiel am Samstag (16.30 Uhr) gegen die Frankfurt Skyliners zusammen mit seinen Teamkollegen auf Wiedergutmachung aus ist.

Während die Oberfranken weiter auf das erste Erfolgserlebnis beim Quarantäneturnier warten, haben die Hessen nach Niederlagen gegen Berlin (72:81) und Ludwigsburg (77:80) am Donnerstag gegen Rasta Vechta mit 63:59 den ersten Sieg eingefahren und damit die Chance auf den Einzug ins Viertelfinale gewahrt. In einem Spiel auf schwachem Niveau, in dem beide Teams offensiv viele Wünsche offen ließen, waren Yorman Polas Bartolo (16) und Quantez Robertson (12) beste Korbschützen beim Sieger.

Leon Kratzer fällt weiterhin aus

Skyliners-Coach Sebastian Gleim, der kurz vor Ende der ersten Hälfte nach zwei technischen Fouls der Halle verwiesen wurde, muss in München auf Center Leon Kratzer verzichten. Der Ex-Bamberger laboriert an einem Muskelfaserriss, Kratzers Vertreter Marco Völler sieht dem Duell mit Brose mit gemischten Gefühlen entgegen: "Die Bamberger haben etwas gutzumachen. Sie werden diese Niederlage nicht auf sich sitzen lassen", sagte der Sohn von Fußball-Weltmeister Rudi Völler.

Der Erfolgsdruck ist auf Seiten der Bamberger jedenfalls groß. Sollten sie auch gegen die Skyliners verlieren, droht ihnen am Montag ein "Endspiel" um den vierten Platz, der noch den Viertelfinaleinzug bedeuten würde, gegen die ebenfalls noch sieglosen Vechtaner.

Spieler des Spiels

Elias Harris hatte mit 24:51 Minuten die meiste Einsatzzeit bei den Bambergern und nutzte diese zu 16 Punkten. Fünf von sieben Würfen aus dem Zweierbereich und einen Dreier aus der Ecke traf der Ex-Nationalspieler, was eine Trefferquote von 75 Prozent ergab. Zudem verwandelte er drei von fünf Freiwürfen.

Die Statistik

Ludwigsburg: Wimbush (20 Punkte/3 Dreier), Weiler-Babb (16/2), Knight (14), Wohlfarth-Bottermann (13), Smith (11/2), Hukporti (10), Brase (8/2), Nixon (6), Jacob Patrick (3/1), Herzog (2), von Fintel Bamberg: Harris (16/1), Crawford (15/3), McLean (13/2), Lee (11/3), Sengfelder (4), Heckel (4), K. Taylor (4), Obasohan (3/1), Seric (2), Plescher (2), Weidemann, Marei Schiedsrichter: Panther, Straube, Bittner Gesamtwurfquote: Ludwigsburg 49 Prozent (35 Treffer/72 Versuche), Bamberg 41 (26/64) Dreierquote: Ludwigsburg 36 Prozent (10/28) / Bamberg 31 (10/32) Freiwurfquote: Ludwigsburg 85 Prozent (23/27), Bamberg 67 (12/18) Rebounds: Ludwigsburg 39 (27 defensiv/ 12 offensiv), Bamberg 40 (27/13) Ballgewinne/-verluste: Ludwigsburg 8/3, Bamberg 1/15

Assists: Ludwigsburg 14 / Bamberg 14 Fouls: Ludwigsburg 20 / Bamberg 21

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